Israel greift Libanon an

Iran-Krieg: Waffenruhe auf der Kippe, Straße von Hormus wieder dicht

Veröffentlicht:

von dpa, Reuters

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Waffenruhe im Iran-Krieg auf der Kippe

Videoclip • 04:00 Min • Ab 12


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Keine 24 Stunden nach Beginn der zweiwöchigen Feuerpause erweist sich die Vereinbarung zwischen dem Iran und den USA bereits als brüchig. Wegen der massiven Angriffe Israels auf den Libanon sperrte Teheran die Straße von Hormus erneut.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA steht auf der Kippe.

  • Grund sind die Angriffe Israels auf den Libanon.

  • Iran verhängte deshalb erneut einen Stopp für die Schifffahrt in der Straße von Hormus.

Heftige Angriffe Israels im Libanon, neuer Beschuss aus dem Iran auf Länder in der Region und ein erneuter Stopp für die Schifffahrt in der Straße von Hormus könnten die Waffenruhe im Iran-Krieg gefährden. Der Iran erwägt nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars, wegen der israelischen Angriffe auf die Hisbollah im Libanon aus der vereinbarten zweiwöchigen Feuerpause mit den USA auszusteigen.

Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) weiter meldet, stoppte der Iran aus Protest gegen die Angriffe auf die verbündete Miliz auch den Schiffsverkehr durch die für den Öl- und Gashandel wichtige Meerenge wieder. Diese Blockade widerspricht der Vereinbarung mit den USA.


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Israel: Größte Angriffswelle seit Jahren gegen Hisbollah

Die israelische Armee griff den Libanon massiv an und sprach selbst vom "größten koordinierten Angriff" gegen militärische Infrastruktur der Hisbollah seit dem Wiederaufflammen des Konflikts mit der Miliz Anfang März. Dabei seien mindestens 112 Menschen getötet und mehr als 800 verletzt worden, sagte ein Sprecher des libanesischen Gesundheitsministeriums.

Aus Sicht der iranischen Führung verstößt Israel mit den Angriffen gegen die Vereinbarung. Pakistans Ministerpräsident Shehbaz Sharif, der zwischen den USA und dem Iran vermittelt hatte, schrieb auf "X", die Feuerpause gelte ausdrücklich auch für den Libanon.

Trump und Netanjahu: Libanon nicht Teil des Abkommens

Israels Premier Benjamin Netanjahu widersprach und betonte, der Waffenstillstand beziehe sich nur auf den Konflikt zwischen den USA und dem Iran – nicht aber auf den Einsatz gegen die Hisbollah. Israel wirft dem Iran vor, nach Inkrafttreten der Feuerpause seine Angriffe auf das Land fortgesetzt zu haben. US-Präsident Donald Trump sagte am Abend, der Libanon sei nicht Teil des Abkommens. Zur Begründung sagt er, dies sei ""wegen der Hisbollah", meldet die Nachrichtenagentur Reuters weiter. Das Thema werde aber "geregelt werden".

Israel will nach Angaben seines Militärsprechers trotz der Waffenruhe im Iran-Krieg mit aller Macht weiter gegen die Hisbollah-Miliz im Libanon kämpfen. "Im Libanon stoppen wir nicht und haben nicht für einen Moment gestoppt", sagte Sprecher Effie Defrin dpa zufolge in einer Videobotschaft. Es seien Geheimdienst- und Kontrollzentren der Hisbollah sowie Ziele der Marine und der Hisbollah-Eliteinheit Radwan getroffen worden, sagte Defrin. Er warf der Hisbollah erneut vor, sich hinter Zivilist:innen zu verschanzen.

Auch der Bodeneinsatz im Libanon dauere an, sagte Defrin. Die israelischen Bodentruppen hätten im Südlibanon eine "Verteidigungslinie" gebildet. Das Gebiet südlich des Litani-Flusses, der rund 30 Kilometer entfernt von der israelischen Grenze liegt, sei de facto vom Rest des Landes abgetrennt. Man arbeite weiter an seiner Demilitarisierung. Dies solle Angriffe der Hisbollah auf Einwohner:innen des israelischen Grenzgebiets verhindern.


Iran: Bereits drei Punkte des 10-Punkte-Vorschlags verletzt

Irans Außenminister Abbas Araghtschi schrieb Reuters zufolge auf "X", die Bedingungen des Waffenstillstandsabkommens seien klar und deutlich. Die USA müssten sich entscheiden zwischen einer Waffenruhe und der Fortsetzung des Krieges. Beides zugleich würden sie nicht bekommen. Der Ball liege nun um Feld der USA. Die Weltgemeinschaft werde hinschauen, ob die USA ihr Wort hielten, sagt er mit Blick auf die Fortsetzung der Angriffe Israels auf den Libanon.

Irans Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte, drei zentrale Punkte des 10-Punkte-Vorschlags seien bereits vor den für Freitag in Pakistan geplanten Verhandlungen mit den USA verletzt worden. Zu den Verstößen gehörten die Verletzung eines Waffenstillstands im Libanon, das Eindringen einer Drohne in den iranischen Luftraum und die Verweigerung des Rechts des Iran auf Urananreicherung, schreibt Ghalibaf auf "X". Unter solchen Umständen seien ein bilateraler Waffenstillstand oder Verhandlungen nicht sinnvoll.

Iran sperrt Straße von Hormus erneut

Insbesondere nach neuen Angaben aus dem Iran herrschte dpa zufolge Unklarheit, ab wann und unter welchen Bedingungen die Straße von Hormus wieder passierbar wird. Der Schiffsverkehr unterliege nach wie vor "technischen Beschränkungen und der Abstimmung mit den iranischen Streitkräften", hieß es aus Teheran. Nach Angaben von Fars passierten nur zwei Öltanker die Straße von Hormus, bevor der Schiffsverkehr aus Protest wieder eingestellt wurde.

Die Einigung auf eine Waffenruhe in dem am 28. Februar von den USA und Israel begonnen Krieg im Iran erfolgte kurz vor einem Treffen Trumps mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte im Weißen Haus am Abend. Bei dem Gespräch dürfte es um die heftige Kritik Trumps an dem Bündnis gehen. Er hatte versucht, NATO-Verbündete dazu zu drängen, den USA bei der Sicherung der Straße von Hormus zu helfen. Als die Hilfe ausblieb, verunglimpfte Trump das Bündnis als zahnlosen Tiger.

Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif lud Delegationen der USA und des Iran für weitere Gespräche am Freitag in die Hauptstadt Islamabad ein. Pakistanischen Quellen zufolge könnten auch Vertreter aus Saudi-Arabien, der Türkei und Ägypten an den Gesprächen teilnehmen.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Nachichtenagentur Reuters

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