Unruhe in der CDU
Wie stark wackelt Bundeskanzler Friedrich Merz jetzt wirklich?
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
CDU-Politiker attackiert Merz
Videoclip • 01:09 Min • Ab 12
In der CDU wächst der Ärger über Parteichef Friedrich Merz. Offene Kritik, schwache Umfragewerte und Streit um Personalien nähren die Frage nach seinem Rückhalt.
Das Wichtigste in Kürze
In der CDU wächst nach dem Kabinettsumbau der offene Ärger über Friedrich Merz, vor allem wegen seines Führungsstils.
Politiker wie Heiko Strohmann und Sven Schulze kritisieren den Umgang mit Landesverbänden und Personalentscheidungen deutlich.
Noch fehlt ein klarer Nachfolgeplan, doch schlechte Umfragewerte und parteiinterner Frust schwächen Merz sichtbar.
In der CDU wächst der Unmut über den Parteivorsitzenden Friedrich Merz. Wie "BR24" berichtet, hat vor allem der jüngste Personalumbau im Umfeld des Kanzlers neue Spannungen ausgelöst. Aus einer Partei, die sich lange als diszipliniert und geschlossen präsentierte, kommen inzwischen auffallend viele kritische Stimmen – öffentlich und nicht mehr nur hinter den Kulissen.
Besonders deutlich äußerte sich zuletzt Bremens CDU-Chef Heiko Strohmann. Er hatte Merz bereits vorgeworfen: "Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei". Später legte er nach und sagte dem "Focus": "Unter Friedrich Merz fühlt sich die CDU manchmal an wie eine Partei vor der Wende." Auch den Umgang mit ostdeutschen Landesverbänden kritisierte er scharf.
Öffentlicher Ärger über Merz statt stiller Parteidisziplin
Der Unmut kommt nicht nur aus Bremen. Nach dem Personalumbau hatte auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erklärt, der Vorgang sei "nicht unbedingt gut verlaufen". Aus Rheinland-Pfalz gab es ebenfalls Ärger, nachdem der dort beheimatete Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder von Merz gefeuert wurde. Dazu kommen Beschwerden aus Ostdeutschland, wo sich mehrere Verbände und Funktionsträger:innen von der Berliner Parteispitze nicht ernst genug genommen fühlen.
Trotzdem ist Merz in der Partei nicht völlig isoliert. Der Brandenburger CDU-Politiker Jan Redmann verteidigte ihn laut dpa zumindest teilweise. "Es ist zunächst mal das gute Recht des Bundeskanzlers, eine Mannschaft selbst zusammenzustellen", sagte er. Zwar räumte auch Redmann ein, dass der Ablauf kommunikativ "nicht glücklich" gewesen sei. Entscheidend sei aber etwas Größeres: die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung. Diese sei wichtiger als Stilfragen.
Rückhalt vorhanden – aber sichtbar brüchiger
Hinzu kommt ein politisches Problem außerhalb der Partei. Laut einer Insa-Umfrage für die "Bild am Sonntag", erwarten 65 Prozent der Befragten nicht, dass die Bundesregierung in diesem Jahr noch wichtige Reformen umsetzt. Nur 25 Prozent trauen Schwarz-Rot das noch zu. Auch die Frage, ob die Regierung bis 2029 durchhält, beantworten viele skeptisch. Das schwächt auch den Kanzler.
Doch heißt das schon, dass Merz angezählt ist? So eindeutig ist die Lage nicht. Selbst Kritiker wie Strohmann betonen, dass es ihnen nicht darum gehe, Merz sofort loszuwerden. Zudem drängt sich kein Unions-Nachfolger als Regierungschef auf: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) hat ein Interesse am Kanzleramt zuletzt verneint, CSU-Chef Markus Söder winkte ebenfalls ab.
Auch in den News:
Verwendete Quellen:
BR24: "Unmut in der CDU: Ist Merz angezählt?"
Nachrichtenagentur dpa
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