Wetterphänomen

Super-El-Niño: Forscher rechnen mit mehr als 450.000 zusätzlichen Hitzetoten

Veröffentlicht:

von Damian Rausch

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Der derzeit außergewöhnlich starke El Niño könnte weltweit gravierende Folgen haben. Einer neuen Modellrechnung zufolge könnten bis Februar 2027 rund 451.000 zusätzliche Menschen infolge extremer Hitze sterben. Besonders betroffen wären Länder in Afrika und Asien.

Das Wichtigste in Kürze

  • Forscher prognostizieren rund 451.000 zusätzliche hitzebedingte Todesfälle zwischen Juni 2026 und Februar 2027.

  • Besonders hohe Zahlen werden unter anderem für Nigeria, Indonesien, Sudan, Indien und Brasilien erwartet.

  • Auch Dürren, Überschwemmungen und Ernährungsunsicherheit könnten durch den starken El Niño verschärft werden.

Der aktuelle El Niño könnte zu einem der folgenreichsten Wetterphänomene der vergangenen Jahrzehnte werden. Wissenschaftler:innen des Climate Impact Lab rechnen damit, dass die zusätzlich verursachte Hitze zwischen Juni 2026 und Februar 2027 weltweit rund 451.000 vorzeitige Todesfälle zur Folge haben könnte. Darüber berichtet der britische "Guardian" unter Berufung auf die neue Analyse.

Dabei handelt es sich um eine Modellrechnung und nicht um bereits registrierte Todesfälle. Die Schätzung bezieht sich zudem ausschließlich auf zusätzliche Todesfälle durch Hitze. Mögliche weitere Folgen von Dürren, Waldbränden, Überschwemmungen oder Ernährungsengpässen sind darin nicht enthalten.

Das Climate Impact Lab selbst beziffert die Zahl auf 451.000 zusätzliche Hitzetote während der ersten neun Monate des El-Niño-Ereignisses. Die Forscher:innen gehen davon aus, dass die globalen Landtemperaturen in den kommenden Monaten unter anderem aufgrund des Wetterphänomens rund 1,2 Grad Celsius über dem üblichen Niveau liegen könnten. Zudem rechnen sie mit 44 Prozent mehr extrem heißen Tagen.


Nigeria und Indonesien besonders betroffen

Die Auswirkungen dürften regional sehr unterschiedlich ausfallen. Nach Angaben des Guardian gehören Nigeria, Indonesien, Sudan, Indien und Brasilien zu den Ländern, für die im Zuge des aktuellen El-Niño-Ereignisses besonders viele zusätzliche Hitzetote prognostiziert werden.

Allein für Indonesien rechnen die Forscher:innen mit etwa 19.300 zusätzlichen Todesfällen durch Hitze. In Nigeria liegt die Schätzung bei rund 31.400. Für Indien werden etwa 15.800 und für Brasilien rund 13.300 zusätzliche Todesfälle prognostiziert. Besonders stark könnte außerdem die afrikanische Sahelzone getroffen werden.

Selbst die USA tauchen laut Guardian unter den 20 am stärksten betroffenen Staaten auf. Dort könnten der Modellrechnung zufolge rund 3.500 zusätzliche hitzebedingte Todesfälle auftreten.

WMO warnt vor außergewöhnlich starkem El Niño

Dass sich derzeit ein außergewöhnlich kräftiger El Niño entwickelt, bestätigt auch die Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Anfang September erklärte die UN-Organisation, das Wetterphänomen sei inzwischen fest etabliert und werde sich in den kommenden Monaten voraussichtlich weiter verstärken. Die Wahrscheinlichkeit, dass El Niño bis Februar 2027 anhält, liege bei nahezu 100 Prozent.

Die WMO erwartet dadurch erhebliche Veränderungen bei Temperaturen und Niederschlägen sowie ein erhöhtes Risiko für Dürren, Überschwemmungen und extreme Hitze. Gleichzeitig betont die Organisation, dass die Stärke eines El Niño allein nicht darüber entscheidet, wie schwer einzelne Länder getroffen werden. Die Folgen unterscheiden sich je nach Region und Jahreszeit und werden zusätzlich von anderen Klimafaktoren beeinflusst.

El Niño selbst ist ein natürlich auftretendes Klimaphänomen. Dabei erwärmt sich das Oberflächenwasser im zentralen und östlichen tropischen Pazifik ungewöhnlich stark. Das verändert Luftströmungen und Niederschlagsmuster und kann dadurch das Wetter in weit entfernten Teilen der Erde beeinflussen. Nach Angaben der WMO treten solche Ereignisse typischerweise alle zwei bis sieben Jahre auf.


Forscher wollen gezielte Schutzmaßnahmen ermöglichen

Für ihre Prognose untersuchten die Wissenschaftler:innen den Zusammenhang zwischen Temperaturen und zusätzlichen Todesfällen in mehr als 24.000 Regionen weltweit. Diese Daten kombinierten sie anschließend mit aktuellen Temperaturprognosen für die kommenden Monate.

Die regionale Aufschlüsselung soll vor allem zeigen, wo kurzfristige Schutzmaßnahmen besonders viele Menschenleben retten könnten. Dazu zählen etwa frühzeitige Hitzewarnungen, öffentlich zugängliche Kühlräume und Trinkwasserstationen, zusätzliche Kapazitäten in Krankenhäusern sowie ein besserer Schutz für Menschen, die im Freien arbeiten.

Die Analyse ist allerdings noch nicht in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift erschienen. Nach Angaben der beteiligten Forscher:innen soll sie zur Begutachtung eingereicht werden. Die zugrunde liegenden Methoden zur Ermittlung des Zusammenhangs zwischen Temperatur und Sterblichkeit wurden nach Angaben des Guardian bereits wissenschaftlich begutachtet.

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El Niño könnte auch Hunger verschärfen

Neben den gesundheitlichen Folgen könnte das Wetterphänomen die Versorgung mit Lebensmitteln in zahlreichen Ländern verschlechtern. Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) warnte bereits im August vor erheblichen Auswirkungen.

Nach einer WFP-Analyse könnte der El Niño 2026/27 bis Ende 2027 mindestens 49 Millionen zusätzliche Menschen in akute Ernährungsunsicherheit treiben. Untersucht wurden 45 Länder, in denen bereits Ernährungsprobleme bestehen und in denen El Niño voraussichtlich starken Einfluss auf Niederschläge, Temperaturen, Überschwemmungen oder Dürren haben wird.

Wie schwer die tatsächlichen Folgen ausfallen, hängt damit auch davon ab, welche Schutzmaßnahmen in den kommenden Monaten ergriffen werden. Die Zahl von 451.000 Todesfällen ist eine wissenschaftliche Projektion auf Grundlage der derzeit erwarteten Temperaturen – keine Vorhersage, die zwangsläufig eintreten muss.


Verwendete Quellen:

The Guardian: "Huge El Niño projected to cause more than 450,000 deaths by February"

Institute for Climate and Sustainable Growth/Climate Impact Lab: "More than 451,000 Heat Deaths Projected from Super El Niño"

World Meteorological Organization (WMO): "El Niño set to become very strong, raising risks of extreme weather into 2027"

World Food Programme (WFP): "World Food Programme ramps up preparedness and response plans as El Niño threatens to push tens of millions into acute hunger"

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