Klimawandel

Rekordhitze und Niedrigwasser: El Niño verschärft sich weiter

Veröffentlicht:

von Damian Rausch

:newstime

Super-El-Niño könnte mehr als 450.000 Todesopfer fordern (30. September)

Videoclip • 01:32 Min • Ab 12


Europa erlebt einen ungewöhnlich warmen und trockenen Herbst. Gleichzeitig erreicht El Niño im Pazifik außergewöhnliche Werte. Fachleute rechnen damit, dass sich das Klimaphänomen in den kommenden Monaten weiter verstärkt – mit möglichen Folgen rund um den Globus.

Das Wichtigste in Kürze

  • Westeuropa erlebte gemeinsam mit 2023 den wärmsten September seit Beginn der Aufzeichnungen.

  • Im Pazifik erreichte die Meeresoberflächentemperatur in einer wichtigen El-Niño-Messregion mit 29,70 Grad einen Rekordwert.

  • Fachleute warnen vor Dürren, Überschwemmungen und Ernteausfällen, während El Niño voraussichtlich erst gegen Jahresende seinen Höhepunkt erreicht.

Die außergewöhnliche Wärme hält an: Westeuropa hat einen der wärmsten Septembermonate seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt. Wie die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf den EU-Klimawandeldienst Copernicus berichtet, lag die Temperatur 2,51 Grad über dem Durchschnitt der Jahre 1991 bis 2020. Nur der September 2023 erreichte demnach ein vergleichbares Niveau.

Europa insgesamt verzeichnete den drittwärmsten September. Weltweit war es sogar der zweitwärmste September seit Messbeginn. Die globale Durchschnittstemperatur lag nach Angaben von Copernicus 1,63 Grad über dem vorindustriellen Niveau.

Die hohen Temperaturen treffen Europa nach einem bereits außergewöhnlich warmen Sommer. Besonders im Westen und in der Mitte des Kontinents setzte sich zudem die Trockenheit fort.

Rhein und Donau führen ungewöhnlich wenig Wasser

Die Auswirkungen sind bereits sichtbar. Abschnitte von Rhein, Donau und Weichsel führten laut Copernicus so wenig Wasser wie in keinem anderen September seit Beginn der jeweiligen Erfassung. In mehreren europäischen Ländern seien dadurch unter anderem Schifffahrt, Landwirtschaft und Wasserversorgung beeinträchtigt worden.

Regenfälle brachten gegen Ende September regional Entlastung. Gleichzeitig kam es unter anderem in Frankreich und Spanien zu Überschwemmungen. In Teilen Nord- und Nordosteuropas fiel dagegen mehr Regen als gewöhnlich.

Parallel zur ungewöhnlichen Wetterlage in Europa gewinnt El Niño im Pazifik weiter an Stärke. Das natürliche Klimaphänomen verändert die Meeres- und Luftströmungen und kann dadurch Wettermuster auf der ganzen Welt beeinflussen.

Auch in den News:

El Niño erreicht neuen Temperaturrekord

Wie "France 24" unter Berufung auf Copernicus und AFP berichtet, erreichte die Meeresoberflächentemperatur in der wichtigen Niño-3.4-Messregion im September 29,70 Grad. Das sei der höchste dort bislang registrierte Wert.

Damit wurden die absoluten Temperaturen während der starken El-Niño-Ereignisse von 1982/83, 1997/98 und 2015/16übertroffen. Copernicus spricht deshalb von einem Hinweis auf die außergewöhnliche Intensität des derzeitigen El Niño.

Allerdings warnt der Klimadienst vor vorschnellen historischen Vergleichen. Weil sich die Ozeane infolge des Klimawandels insgesamt erwärmt haben, können heutige El-Niño-Ereignisse bei den absoluten Wassertemperaturen stärker erscheinen. Ein neuer Index, der die allgemeine Erwärmung der tropischen Ozeane berücksichtigt, zeigt laut "France 24", dass der aktuelle El Niño noch nicht eindeutig als stärkster seit Beginn der Messungen bezeichnet werden kann.

Bemerkenswert sei dennoch, dass das Klimaphänomen seinen erwarteten Höhepunkt noch gar nicht erreicht habe.


Fachleute rechnen mit weiterem Anstieg

Auch "BR24" berichtet von einer außergewöhnlich starken Entwicklung. Unter Berufung auf die US-Wetterbehörde NOAA nennt der Sender eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 81 Prozent für einen sogenannten Super-El-Niño. Dabei könnte die Temperaturanomalie im zentralen Pazifik die Zwei-Grad-Marke überschreiten.

Klimaforscherin Daniela Matei vom Max-Planck-Institut für Meteorologie erklärte gegenüber "BR24", die Abweichung könnte sogar bis zu 2,5 Grad erreichen. Andreas Fink vom Karlsruher Institut für Technologie verweist zugleich darauf, dass El Niño diesmal auf eine bereits deutlich wärmere Atmosphäre trifft.

Dadurch können sich die Folgen verstärken. Eine wärmere Atmosphäre kann mehr Wasserdampf aufnehmen, wodurch extreme Niederschläge noch intensiver ausfallen können.

Dürren und Überschwemmungen drohen

El Niño entsteht durch Veränderungen der Meeres- und Luftströmungen im tropischen Pazifik. Normalerweise drücken Passatwinde warmes Oberflächenwasser in Richtung Westen. Schwächen sich diese Winde ab, verlagert sich warmes Wasser nach Osten. Dadurch verändern sich Luftdruck, Wind und Niederschläge weit über den Pazifik hinaus.

Die möglichen Folgen unterscheiden sich je nach Region erheblich. "BR24" verweist unter anderem auf ein erhöhtes Risiko für Dürren und Waldbrände in Südostasien, Überschwemmungen an der Pazifikküste Südamerikas und einen schwächeren Sommermonsun in Indien. Auch heftige Regenfälle und Sturzfluten könnten in einigen Regionen wahrscheinlicher werden.

Europa ist zwar weniger direkt von El Niño betroffen. Klimaforscher Mojib Latif weist gegenüber "BR24" jedoch auf indirekte Folgen hin: Globale Ernteausfälle könnten Lebensmittelpreise auch in Europa steigen lassen.


Weltmeere so warm wie nie zuvor im September

Zusätzlich bereiten die außergewöhnlich hohen Meerestemperaturen Sorgen. Nach Angaben von "France 24" lag die durchschnittliche globale Meeresoberflächentemperatur im September bei 21,05 Grad. Damit wurde der bisherige Septemberrekord von 20,92 Grad aus dem Jahr 2023 übertroffen.

Copernicus-Direktor Carlo Buontempo rechnet damit, dass die Kombination aus langfristiger Erderwärmung und einem starken El Niño die globale Temperatur auch in den kommenden Monaten auf außergewöhnlich hohem Niveau halten könnte.

"Die Überschreitung der langfristigen Grenze des Pariser Klimaabkommens ist nur eine Frage der Zeit", sagte Buontempo laut dpa. Wie stark und wie lange diese Grenze überschritten werde, könne jedoch weiterhin beeinflusst werden.

Die im Pariser Klimaabkommen festgelegte 1,5-Grad-Grenze bezieht sich auf einen langfristigen Durchschnitt. Einzelne Monate oberhalb dieses Werts bedeuten daher nicht, dass das Ziel bereits formal verfehlt wurde.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

BR24: "El Niño 2026: Droht uns die Klimakatastrophe des Jahrhunderts?"

France 24: "El Nino breaks Pacific temperature record as weather pattern intensifies"

Mehr entdecken