Politische Spannungen?
Frankreich zieht restliche Goldreserven aus den USA ab
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:newstime
Gold- und Silberpreise im freien Fall
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Die Zentralbank Frankreichs hat seine verbleibenden Goldbestände aus der Fed in New York abgezogen. Die Entscheidung sei nicht politisch motiviert gewesen, hieß es.
Das Wichtigste in Kürze
Die Banque de France hat im Rahmen eines Modernisierungsprogramms 129 Tonnen Gold aus der Federal Reserve Bank in New York abgezogen.
Die Bank konnte durch seine Sell-und-Buy-Strategie einen Gewinn von 12,8 Milliarden Euro erzielen.
Der Gouverneur der Zentralbank sprach von einer wirtschaftlich motivierten Entscheidung.
Inflationsschutz, Diversifizierung und Schutz gegen Marktvolatilität - der Goldpreis wächst angesichts geopolitischer Spannungen seit Jahren. Zentralbanken stocken nicht nur eigene Reserven auf, sie versuchen offenbar mit eleganten Strategien auch mehr Kontrolle über im Ausland gelagerte Goldbestände zu erhalten. Konkret ist hier die Rede von der Federal Reserve Bank in New York, welche weltweit die größten, ausländischen Goldreserven lagert. Mit der unberechenbaren Politik von US-Präsident Donald Trump wächst wohl auch die Unsicherheit über in den USA deponierte Währungsreserven.
Dies zeigt ein aktueller Bericht der Banque de France, in welchem erklärt wird, dass Frankreich seine in den USA gelagerten Goldreserven abgezogen hat. Demnach hat die französische Zentralbank 129 Tonnen Gold, die in der Federal Reserve Bank of New York lagen, verkauft und im Anschluss neues Gold erworben. Damit wurde die von Frankreich seit Jahren verfolgte Initiative zum Rücktransport erfolgreich abgeschlossen, hieß es.
Sell-and-Buy-Strategie: Banque de France mit 12,8 Milliarden Euro Gewinn
Ausgelöst durch eine interne Prüfung 2024 wurden 129 Tonnen Gold zu Rekordpreisen durch die französische Zentralbank veräußert. Im Zeitraum zwischen Juli 2025 und Januar 2026 verkaufte die Banque de France diese ältere, nicht standardisierte Goldbarren, welche fünf Prozent der gesamten französischen Goldreserven darstellten. In jenem Zeitraum durchbrach der Goldpreis pro Feinunze einen Höchstwert nach dem anderem. Während er Ende des Jahres 2025 immer wieder die 4.000 US-Dollar-Marke knackte, sprang er im Januar dann mitunter über einen Wert von 5.600 US-Dollar pro Feinunze.
Mit dem Erlös aus dem Verkauf kaufte die Banque de France dann auf dem europäischen Markt Goldbarren höherer Standards und erzielte damit einen erheblichen Gewinn. Nicht nur hat die französische Zentralbank mit dieser Strategie auf komplexe Veredelungen der alten Barren verzichtet, auch konnten die Transportkosten durch den Ver- und Neukauf des Goldes gespart werden. Auf diese Weise war die Bank in der Lage, die Qualität und Liquidität der eigenen Bestände zu verbessern.
Frankreich erzielte so einen Gewinn von 12,8 Milliarden Euro (rund 14,7 Milliarden US-Dollar) infolge 26 gestaffelter Transaktionen und brachte seine Barren auf normgerechte Standards der London Bullion Market Association (LBMA). Jetzt liegen diese allesamt in der Zentralbank in Paris.
Modernisierungsprogramm der Banque of France: Goldbarren auf moderne Standards gehoben
Die Aktion fand im Rahmen eines Modernisierungsprogramms statt, in deren Zuge altes, schwer handelbares Gold seit 2005 mit gleichwertigen jedoch modernen Goldbarren ersetzt wird.
Mit der jüngsten Aktion konnte dem Bericht zufolge die französische Zentralbank für das Jahr 2025 einen Nettogewinn von 8,1 Milliarden Euro (rund 9,3 Milliarden US-Dollar) erzielen, während noch im Jahr zuvor ein Verlust von 7,7 Milliarden Euro (rund 8,8 Milliarden US-Dollar) verbucht wurde. Auf Basis des Grundprinzips der Unabhängigkeit der Zentralbank können die Gewinne allerdings nicht zur Deckung öffentlicher Schulden verwendet werden, sondern dienen nur dem Ausgleich des Verlustes aus dem vorangegangenen Jahr.
Insgesamt belaufen sich die Goldbestände, die in der Bank in Paris gelagert werden, auf 2.437 Tonnen. Die französischen Goldbestände zählen zu den viertgrößten weltweit. Derweil befinden sich noch 134 Tonnen älterer Barren und Münzen unter ihnen, welche bis 2028 weiter modernisiert werden sollen.
Angst vor Trump? Gouverneur der Zentralbank Frankreichs beteuert wirtschaftliche Motivation
Bereits in den Jahren 1963 und 1966 zog die französische Zentralbank im Streben nach einer Währungsunabhängigkeit den größten Teil des Goldes aus den USA und der Bank of England ab. Die damals von Präsident Charles de Gaulle initiierte geheime Operation trug den Namen "Vide-Gousset" und hatte zum Ziel, 3.313 Tonnen Goldreserven zurückzuholen. Dies geschah aber angesichts hoher Verschuldung der USA und einem Misstrauen gegenüber dem US-Dollar.
Laut Angaben des Gouverneurs der Zentralbank, François Villeroy de Galhau, sei der Schritt keine politisch motivierte Entscheidung gewesen. Der Lagerort in Paris wurde nach Aussagen des Gouverneurs deswegen gewählt, weil die höher standardisierten Goldbarren auf einem europäischen Markt erworben wurden. Analysten sprechen der gewählten Strategie der französischen Zentralbank allerdings hohe politische Sensibilität zu, da Rückführung zumeist als Signal politischen Misstrauens verbunden werden. Dennoch wird der Schritt von der Banque de France als eher technischer und bilanzieller Natur dargestellt.
Frankreichs Rückholaktion: Finanzexperten vermuten Dominoeffekt
Finanzexperten vermuten, dass die Rückholaktion Frankreichs auch einen Dominoeffekt bei anderen Staaten auslösen könnte. Die Gold Reserves Survey 2025 des World Gold Councils zeigte bereits, dass eine deutliche Mehrheit von 59 Prozent der Befragten die Goldreserven ins Inland verlagern wollen. Deutschland lagert ebenso eine beträchtliche Menge (1.236 Tonnen, also 37 Prozent) an Gold in der Federal Reserve Bank of New York und steht angesichts öffentlicher Diskussionen über eine Rückholung zunehmend unter Druck.
Trump könnte auch dies als Druckmittel nutzen, um Staaten politisch in die Knie zu zwingen. Auch könnte sich der Republikaner angesichts hoher Staatsverschuldung Zugriff auf das Gold verschaffen, spekulieren Beobachter. Denn im Zuge des Iran-Krieges verkaufen immer mehr ausländische Zentralbanken ihre US-Staatsanleihen, was die US-Regierung finanziell noch stärker unter Druck setzen wird. Ist also in Zeiten der Trump-Ära in New York gelagertes Gold eigentlich zugriffssicher?
"Trump ist unberechenbar, und er wird alles tun, um Einnahmen zu generieren. Deshalb ist unser Gold in den Tresoren der Fed nicht mehr sicher.", sagte Michael Jäger, Präsident der europäischen Steuerzahlervereinigung. Ökonomen weisen im Zuge der Debatte darauf hin, dass die Abhängigkeit von den USA neu bewertet werden sollte, auch mit Blick auf die Goldbestände. Bundesbankchef Joachim Nagel zeigt sich unterdessen gelassen und versichert, dass die Goldbestände in den USA sicher aufbewahrt seien.
Verwendete Quellen:
banque-france.fr: "Net profit of EUR 8.1 billion, enabling the clearing of losses carried forward"
Nachrichtenagentur Reuters
Nachrichtenagentur dpa
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