Rüstung statt Cabrio

VW-Werk Osnabrück soll zum Standort für Verteidigungstechnik werden

Veröffentlicht:

von Fabia Söllner

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Harter VW-Sparkurs beschlossen

Videoclip • 01:49 Min • Ab 12


Vom Cabrio zur Verteidigungstechnik: Das VW-Werk Osnabrück steht vor einem historischen Wandel. Die geplante Neuausrichtung könnte rund 1.400 Beschäftigten eine neue Perspektive geben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das VW-Werk Osnabrück soll zu einem Standort für Sicherheits- und Verteidigungstechnik umgebaut werden.

  • Rund 1.400 der derzeit etwa 1.800 Beschäftigten könnten durch die Neuausrichtung eine neue Perspektive erhalten.

  • Als erstes großes Projekt ist eine Zusammenarbeit mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael geplant.

Das Volkswagen-Werk in Osnabrück steht vor einem grundlegenden Wandel: Wo jahrzehntelang Cabrios, Sportcoupés und Sondermodelle produziert wurden, könnten künftig Komponenten für Sicherheits- und Verteidigungssysteme entstehen.

Volkswagen, das Land Niedersachsen und der Investor Aurelius Capital haben Eckpunkte für die Zukunft des Standorts vereinbart. Nach dem geplanten Ende der Autoproduktion im Jahr 2027 soll das Werk schrittweise zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen umgebaut werden.

Aurelius soll dabei die Mehrheit an der Volkswagen Osnabrück GmbH übernehmen, während sich auch das Land Niedersachsen beteiligt. Noch ist der Verkauf nicht endgültig abgeschlossen. Für die Beschäftigten gibt es dennoch eine wichtige Perspektive: Rund 1.400 der derzeit etwa 1.800 Mitarbeiter:innen könnten am Standort weiterbeschäftigt werden.

Rafael soll erster wichtiger Partner werden

Eine zentrale Rolle soll der israelische Rüstungskonzern Rafael Advanced Defense Systems spielen. Das Unternehmen ist unter anderem Hersteller des Luftabwehrsystems "Iron Dome" und produziert weitere Systeme zur Raketen- und Drohnenabwehr.

In Osnabrück könnte die Zusammenarbeit zunächst die Entwicklung und Produktion von Komponenten für Luftabwehrsysteme umfassen. Die vorhandene Belegschaft soll beim Aufbau der neuen Fertigung eine wichtige Rolle übernehmen. Das Projekt mit Rafael könnte zugleich den Weg für weitere Unternehmen und Rüstungsprojekte am Standort ebnen.

Traditionsstandort vor Neuanfang

Das Werk blickt auf eine lange Geschichte zurück. Es entstand aus dem früheren Karosseriebauer Karmann, der unter anderem das Käfer Cabrio und den berühmten Karmann Ghia fertigte. Nach der Insolvenz von Karmann im Jahr 2009 übernahm Volkswagen große Teile des Standorts.

Zuletzt wurde die Zukunft des Werks jedoch immer unsicherer. Die Produktion von Porsche-Modellen endete bereits 2025, aktuell wird nur noch das T-Roc Cabrio gebaut. Mit dessen Auslaufen fehlt Osnabrück ein neues großes Fahrzeugprojekt. Die Hinwendung zur Verteidigungsindustrie könnte deshalb eine neue Zukunft eröffnen.

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Symbol für den Wandel der deutschen Industrie

Der geplante Umbau zeigt zugleich einen größeren Strukturwandel. Während die Autoindustrie mit Kostendruck und Überkapazitäten kämpft, wächst der Bedarf an Verteidigungstechnik in Deutschland und Europa.

Osnabrück könnte damit zu einem Beispiel dafür werden, wie bestehende Industrieanlagen und das Know-how erfahrener Beschäftigter für neue Branchen genutzt werden. Noch sind viele Details offen. Sollte das Vorhaben jedoch umgesetzt werden, würde sich die Identität des traditionsreichen Werks grundlegend verändern: vom Cabrio-Standort zum Zentrum für moderne Verteidigungstechnologie.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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