Abrechnung mit Sponsoring
Trigema-Patriarch Grupp zieht bitteres Fazit zu Hertha und Profi-Fußball
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
Wolfgang Grupp: Verblüffende Fakten über den Trigema-Patriarchen
Videoclip • 01:15 Min • Ab 12
Ex-Trigema-Chef Wolfgang Grupp schildert in seiner Biografie, wie er Hertha BSC einst rettete – und warum er sich vom Profi-Fußball abwandte. Alte Konflikte prägen bis heute seine Sicht auf Sport-Sponsoring.
Das Wichtigste in Kürze
Wolfgang Grupp war mit Trigema fast 20 Jahre Sponsor von Bundesligisten.
Dabei rettete Trigema Hertha BSC Anfang der 1990er-Jahre mit einem langfristigen Trikotdeal vor dem finanziellen Aus.
Der Bruch mit Hertha führte zum kompletten Rückzug aus der Sportwerbung.
Fast zwei Jahrzehnte lang war das Trigema-Logo fester Bestandteil der Bundesliga: Der Textilhersteller sponserte seit den späten 1970er-Jahren insgesamt elf Vereine aus erster und zweiter Liga. Zu den bekanntesten Partnerschaften zählten Engagements beim 1. FC Nürnberg, Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen – und Hertha BSC.
In seiner Biografie "Wolfgang Grupp: Die autorisierte Biografie" blickt der heute 84‑Jährige auf diese Zeit zurück. Besonders die Zusammenarbeit mit Hertha BSC sieht er inzwischen kritisch. Die Geschichte beginnt zunächst wie ein klassisches Win-Win-Projekt – und endet in einem tiefen Bruch.
Aufstieg, Absturz und Rettungsaktion in Berlin
1990, kurz vor der deutschen Wiedervereinigung, war Hertha BSC gerade in die Bundesliga aufgestiegen. Grupp suchte neue Kund:innen im Osten und entschied sich für ein großes Engagement in der Hauptstadt. Trigema zahlte laut Buch 800.000 D‑Mark pro Erstliga-Saison, im Abstiegsfall waren 300.000 D‑Mark vereinbart.
Sportlich lief es für Hertha jedoch schlecht. Der Klub stieg direkt ab und geriet finanziell in eine Schieflage. Schulden wuchsen, Lizenzentzug und Zwangsabstieg drohten, am Ende klaffte eine Lücke von rund 1,5 Millionen D‑Mark. Grupp sprang ein, verlängerte das Sponsoring zu Zweitliga-Konditionen per Handschlag und half so, die Existenz des Vereins zu sichern.
Langfristdeal führt zum Bruch
Als Gegenleistung erhielt Trigema langfristig günstige Konditionen. Jahre später, als Hertha sportlich attraktiver wurde, waren andere Unternehmen bereit, deutlich mehr Geld zu zahlen. 1994 eskalierte der Konflikt: Manager der Vermarktungsagentur UFA Sports versuchten, Grupp aus dem Vertrag zu drängen. Der Fall landete vor Gericht, Sportrechtler Christoph Schickhardt, damals beteiligt, bestätigt gegenüber der "Bild"-Zeitung, dass Grupp vertraglich im Recht war.
Trotz des juristischen Erfolgs war das Vertrauensverhältnis zerrüttet. Wenige Jahre später beendete Trigema das Engagement endgültig. Der einstige Großsponsor verabschiedete sich komplett aus der Sportwerbung – und blieb dieser Entscheidung bis heute treu.
Auch in den News:
Kein Comeback als Hertha-Sponsor
Auch Jahrzehnte später schloss sich der Kreis noch einmal. 2020 suchte Hertha BSC unter Investor Lars Windhorst einen neuen Hauptsponsor und stellte Trigema ein Angebot über mehrere Millionen Euro pro Jahr vor. In einem Interview mit der "Welt" machte Grupp deutlich, dass er ablehnt – nicht nur wegen der geforderten Summe, sondern auch wegen der gemeinsamen Vorgeschichte.
Er kritisiert darin grundsätzlich Investorenmodelle im Fußball, bei denen mit hohen Beträgen jongliert werde, ohne dass das Geld tatsächlich vorhanden sei. Gehe ein Investor in die Insolvenz, trügen am Ende oft Steuerzahler:innen und Gläubiger:innen die Last, während der Unternehmer neu starte. Eine Rückkehr auf die Hertha-Brust kam für Grupp daher nicht in Frage.
Verwendete Quellen:
Bild: "Trigema-Chef bereut Hertha-Sponsoring"
Welt: "Wie Trigema-Chef Grupp Hertha BSC abblitzen lässt"
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