Erpressung per Telefon
Toilettenpapier-Abzocke: Verbraucherzentrale warnt vor Betrugsmasche am Telefon
Aktualisiert:
von Michael Reimers:newstime
Verbraucherzentrale warnt vor gefälschten Anwaltsbriefen
Videoclip • 01:17 Min • Ab 12
Mit aggressiven Telefonverkäufen setzen Kriminelle derzeit insbesondere Senior:innen unter Druck, für unangemessen hohe Preise Unmengen von Toilettenpapier und Küchenrollen zu bestellen. Das rät die Verbraucherzentrale in solchen Betrugsfällen.
Das Wichtigste in Kürze
Toilettenpapier zum Luxuspreis ist einer Seniorin in Sachsen geliefert worden.
Die 82-Jährige sollte 2,64 Euro pro Rolle bezahlen.
Insgesamt belief sich die Rechnung auf mehr als 1.000 Euro.
Eigentlich hatte eine Seniorin nur etwas Gutes tun wollen. Wie die Verbraucherzentrale Sachsen mitteilt, drohten der 82-Jährige stattdessen jedoch kurze Zeit später Kosten von mehr als 1.000 Euro: für Toilettenpapier. Insbesondere ältere Menschen werden aktuell mit aggressiven Telefonverkäufen unter Druck gesetzt, warnen die Verbraucherschützer:innen.
Im konkreten Fall wurde die Rentnerin telefonisch von einem Unbekannten kontaktiert. Der Anrufer stellte sich der Verbraucherzentrale zufolge als Mitarbeiter des Unternehmens R. Kaniss aus Duisburg vor. Er soll die Seniorin in dem Gespräch gebeten haben, die Beschäftigung von Menschen mit geistigen und körperlichen Behinderungen zu unterstützen, indem sie ihnen Toilettenpapier und Küchenrollen abkauft.
Mit "Tränen und Flehen" Seniorin unter Druck gesetzt
Da die Rentnerin weder den geforderten Gesamtbetrag von mehr als 1.000 Euro bezahlen konnte noch die große Warenmenge lagern hätte lagern können, lehnte sie zunächst ab. Wie es weiter heißt, ließ der Verkäufer jedoch nicht von ihr ab. Schließlich stimmte die 82-Jährige einer Lieferung in vier Teilabschnitten zu.
"Die 82-Jährige schilderte uns, der Mitarbeiter habe unter Tränen und Flehen an sie appelliert, die Ware abzunehmen", berichtet die Leiterin Verbraucherzentrale Plauen, Jasmin Trautloft. "Solche emotionalen Drucksituationen können Verbraucherinnen und Verbraucher erheblich beeinflussen."
Auch in den News:
Dreiste Forderung: 2,64 Euro für eine Rolle Klopapier
Für die erste Teilsendung von 48 Rollen Toilettenpapier und 40 Rollen Küchenpapier sollte die Seniorin dann insgesamt 260,94 Euro zahlen. Das hätte rund 2,64 Euro pro Rolle Toilettenpapier und 2,85 Euro pro Küchenrolle entsprochen, zuzüglich Versandkosten. "Aus unserer Sicht stehen die Preise in keinem angemessenen Verhältnis zu den üblichen Marktpreisen", so Trautloft.
Zusammen mit der Verbraucherzentrale habe die Seniorin den telefonisch geschlossenen Vertrag fristgerecht widerrrufen und die Ware mit dem beiliegenden Retourenschein zurückgeschickt. Trotzdem erhielt sie weiterhin Rechnungen, Mahnungen und Zahlungsaufforderungen sowie die Ankündigung, dass die Ware erneut versendet werde. "Solches Verhalten gegenüber hilfsbereiten Menschen empfinden wir als äußerst unangemessen und schätzen derartige Geschäfte mit Produkten des täglichen Bedarfs als sittenwidrig ein", so Jasmin Trautloft.
Das rät die Verbraucherzentrale
Bei unerwarteten Werbeanrufen keine spontanen Kaufentscheidungen treffen.
Rechnungen und Vertragsunterlagen nach telefonischen Abschlüssen genau prüfen.
Das Widerrufsrecht fristgerecht schriftlich ausüben, wenn der Vertrag rückgängig gemacht werden soll.
Bei Unsicherheiten frühzeitig rechtlichen Rat einholen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Verbraucherzentrale Sachsen: Pressemitteilung
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