Schwäbischer Familienbetrieb

Von Waschmaschinen bis Eissägen: Diese überraschenden Produkte baute Motorsägen-Hersteller Stihl

Veröffentlicht:

von Claudia Frickel

Eine Kettensäge mit einem Logo des Herstellers Andreas Stihl.

Bild: picture alliance / ABBfoto


Bei Stihl denken wohl die meisten an Motorsägen. Doch im Laufe seiner 100-jährigen Geschichte hat das schwäbische Unternehmen Stihl einige überraschende Produkte hergestellt. Manche halfen sogar, wirtschaftlich schwere Zeiten zu überstehen.

Waschmaschinen – einst ein wichtiges Standbein von Stihl

Die Motorsägen von Stihl sind seit über 50 Jahren die meistverkauften der Welt. Das Familienunternehmen aus Waiblingen bei Stuttgart hat neben Kettensägen auch viele elektrische Gartengeräte im Sortiment, von Heckenscheren bis Motorsensen.

Doch der Konzern entwickelte immer wieder Produkte, die eigentlich nicht zum Portfolio passten. Sie wurden nur wenige Jahre lang hergestellt – spielten aber oft eine wichtige Rolle. Denn mit ihnen erschloss Stihl Nischen und machte Umsätze, auch wenn sich die Motorsägen gerade nicht so gut verkauften.

Zu den ungewöhnlichsten Produkten der Firma gehörten Waschmaschinen. Ab 1932 stellte Stihl sie als zusätzliches Standbein her. Beworben wurden sie als "Freundin der Hausfrau". Mit heutigen Waschmaschinen hatten sie wenig gemein. Der motorbetriebene Rührmechanismus wurde einfach auf den Waschkessel gesetzt.

Während der Weltwirtschaftskrise erwirtschaftete das Unternehmen mit den Waschmaschinen zeitweise sogar mehr Umsatz als mit Motorsägen. Das lag laut Unternehmen auch daran, dass die Geräte mit Raten bezahlt werden konnten. 1937 gab Andreas Stihl die Produktion auf und konzentrierte sich wieder auf Motorsägen.

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Ein Traktor für die schwierigen Nachkriegsjahre

Nach dem Zweiten Weltkrieg erweiterte Stihl sein Geschäft um ein weiteres ungewöhnliches Produkt: Traktoren. Weil sich Motorsägen zunächst nur schwer verkaufen ließen, entwickelte das Unternehmen 1949 einen günstigen Ackerschlepper für die Land- und Forstwirtschaft. Er war nach Angaben von Stihl leicht und vielseitig einsetzbar.

Allerdings gab es zunächst einige Probleme: Die Schlepper waren viel größer als Sägen, darum musste das Unternehmen eine neue Werkshalle bauen. Bei den ersten Modellen kam es zu Fehlfunktionen und entsprechenden Reklamationen. Doch dann kamen die Traktoren gut an.

Sie halfen Stihl, die wirtschaftlich herausfordernden Nachkriegsjahre zu überstehen. Doch in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre setzten sich große Unternehmen durch, die sich nur auf die Traktor-Produktion konzentrierten. Die Schlepper wurden für Stihl zum Defizitgeschäft – und so endete die Produktion 1963.

Passend dazu verkaufte Stihl in den 1960er-Jahren kurzzeitig einen kippbaren Anhängerwagen. Er konnte am Traktor befestigt werden, um Holz zu transportieren.

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Motoren für Go-Karts, die auf dem Kettensägen-Antrieb basierten

Auch im Motorsport war Stihl aktiv, wenn auch nur im kleinen Rahmen. Anfang der 1960er-Jahre produzierte Stihl als einer der ersten Hersteller in Deutschland Go-Kart-Motoren. Das liegt vorwiegend an der Begeisterung der Familie: Der Sohn des Firmengründers, Hans Peter Stihl, war genau wie sein Schwager Willy Schetter leidenschaftlicher Go-Kart-Fahrer. Schetter wurde sogar zweimal Deutscher Go-Kart-Meister.

Die Motoren basierten auf dem Antrieb der erfolgreichen Motorsäge Stihl Contra. Die kleinen Rennfahrzeuge nutzten den leichten und robusten Zweitaktmotor. 1963 stellte Stihl die Produktion der Go-Kart-Motoren jedoch wieder ein, um sich ganz auf das Kerngeschäft zu konzentrieren.

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Eine Kettensäge fürs Eis

In den 1950er-Jahren verkaufte Stihl eine motorbetriebene Eissäge: Sie konnte mit einem Schlitten über das Eis gezogen werden. Damit ließen sich Eisplatten aus einem gefrorenen See herauszulösen.

Mit dem Eis konnten zum Beispiel Brauereien ihr Bier kühlen. Zudem konnten Gemeinden das Werkzeug nutzen, um Eisschäden an Schleusen, Brückenpfeilern oder Hafenanlagen zu verhindern, indem gefährdete Bereiche schnell freigelegt wurden. Mit der Säge wurden auch Eisplatten für die Bahnen der Bobbahn-Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen gesägt.

Die Kettensäge fraß sich laut Stihl in wenigen Sekunden durch bis zu 60 Zentimeter dickes Eis.

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Verwendete Quellen:

Newstime: "Andreas Stihl: Vom Ein-Mann-Betrieb zum Weltmarktführer bei Motorsägen"

Stihl-Webseite: "Nischenhelden"

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