Langjähriger Unternehmer

Reinhold Würth: So wurde der "Schraubenkönig" zu einem der reichsten Deutschen

Veröffentlicht:

von Claudia Frickel

Reinhold Würth ist mit Schrauben zum Milliardär geworden.

Bild: Bernd Weißbrod/dpa


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Mit 14 Jahren tritt Reinhold Würth in die kleine Firma seines Vaters ein – und baut sie zu einem internationalen Konzern um. Alles über den Unternehmer, seine Firma, sein Vermögen und sein Engagement.

Das Wichtigste in Kürze

  • Reinhold Würth übernahm die elterliche Schraubengroßhandlung 1954 im Alter von 19 Jahren.

  • Die Würth-Gruppe ist mit 86.000 Mitarbeiter:innen heute das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik.

  • Der "Schraubenkönig" ist als mehrfacher Milliardär einer der reichsten Deutschen.

Wer ist Reinhold Würth?

Reinhold Würth ist ein deutscher Unternehmer und einer der bekanntesten Vertreter des deutschen Mittelstands. In den 1950er-Jahren übernahm er das kleine Familienunternehmen Würth im baden-württembergischen Künzelsau. Den kleinen Schraubenhandel baute er zur Würth-Gruppe um, einem international erfolgreichen Konzern. Er wird darum oft "Schraubenkönig" genannt.

2025 erzielte die Würth-Gruppe mit weltweit 86.000 Mitarbeiter:innen einen Rekordumsatz von 20,7 Milliarden Euro. Würth ist damit das weltgrößte Unternehmen für Befestigungstechnik.

Reinhold Würth steht für eine auf langfristigen Erfolg ausgerichtete Unternehmensführung, die Tradition und Innovation verbindet. Neben seiner unternehmerischen Arbeit engagiert er sich für Kultur und hat sich als Kunstsammler und Förderer von Museen einen Namen gemacht.

Der 91-Jährige ist mit seinem Konzern zum Milliardär geworden. Er gilt als drittreichster Deutscher und landet in der weltweiten Millionärs-Liste von "Forbes" aktuell auf Platz 75 (Stand: 31. März 2026).

In den Würth-Filialen können sich Handwerks- und Industriebetriebe mit Befestigungsmaterial eindecken.

Bild: Revierfoto


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Wie verwandelte Reinhold Würth seine Firma in einen Weltkonzern?

Reinhold Würth kam im April 1935 in Öhringen zur Welt, einer Stadt in der Nähe von Heilbronn. Im Juli 1945 eröffneten seine Eltern Alma und Adolf Würth in Künzelsau eine Schraubengroßhandlung für das Schreiner- und Metallhandwerk.

Als der Sohn 14 Jahre alt war, meldete der Vater ihn von der Schule ab und stellte ihn als Lehrling ein. Am 1. Oktober 1949 trat der Junge als zweiter Mitarbeiter ins Unternehmen ein. Eine Wahl hatte er nicht, wie er der "Augsburger Allgemeinen" erklärte. Trotzdem sagt er:

Ich bin meinem Vater heute noch dankbar für seine Entscheidung, mich in seinen Betrieb zu holen.

Reinhold Würth

Adolf Würth schickte seinen Sohn früh auf Verkaufsreisen, um neue Kund:innen zu gewinnen: Mit 15 Jahren fuhr Reinhold Würth das erste Mal allein nach Düsseldorf.

1954 starb der Vater überraschend im Alter von nur 45 Jahren. Mit gerade einmal 19 Jahren übernahm der Sohn die Geschäftsleitung des Familienbetriebs, unterstützt von seiner Mutter. Die Firma hatte zu der Zeit zwei Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von umgerechnet 80.000 Euro. Zunächst wollte Würth nur den Umsatz halten – aber dieses Ziel übertraf er deutlich.

Was als regionaler Zwei-Mitarbeiter-Betrieb begann, entwickelte sich unter Leitung von Reinhold Würth zu einem weltweit führenden Handelskonzern. Er beschränkte sich nicht auf den Verkauf von Schrauben, sondern baute das Sortiment immer weiter aus – und expandierte.

1962 gründete Würth in den Niederlanden die erste Auslandsgesellschaft. Weitere folgen in Europa, bevor 1969 der Schritt nach Nordamerika erfolgte. Heute ist die Gruppe auf allen Kontinenten vertreten.

Als besonders erfolgreich erweist sich für Würth das Prinzip des Direktvertriebs: Die rund 44.000 Außendienstmitarbeiter:innen machen mehr als die Hälfte der Würth-Belegschaft aus. Sie haben über verschiedene Vertriebskanäle direkten Kontakt zu Kund:innen. So wissen sie jederzeit, welche Anforderungen diese gerade haben – und können darauf reagieren. Daraus ergibt sich das Credo von Reinhold Würth:

Wir sind die Angestellten unserer Kunden.

Reinhold Würth

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Was sind die Geschäftsfelder der Würth-Gruppe?

Die Würth-Gruppe ist vor allem Lieferant und Händler für Montage- und Befestigungstechnik und produziert nur in Teilbereichen selbst.

Das Kerngeschäft ist die Belieferung von Handwerk, Bau und Industrie mit Produkten wie Schrauben, Dübel, Muttern und Verbindungselementen. Das Sortiment umfasst nach eigenen Angaben rund 125.000 Artikel.

Darüber hinaus vertreibt Würth Werkzeuge, Maschinen, chemisch-technische Produkte, Artikel für den Arbeitsschutz sowie Elektro- und Installationsmaterial.

Ergänzend bietet das Unternehmen digitale Lösungen wie Online-Bestellsysteme und Warenwirtschaftssysteme an. Auch logistische Serviceleistungen sowie die Planung und Ausstattung von Werkstätten und Betriebseinrichtungen gehören zum Angebot. Einige Tochterunternehmen befassen sich mit anderen Schwerpunkten. Es gibt etwa eine Eventagentur, Hotels, Restaurants und eine Versicherung.

Die Würth-Gruppe umfasst neben dem deutschen Mutterunternehmen Adolf Würth GmbH & Co. KG mehr als 400 Gesellschaften in über 80 Ländern. Weltweit gibt es 2.800 Verkaufsniederlassungen – davon 500 in Deutschland.

Was macht Reinhold Würth heute und wer führt das Unternehmen?

1994 zog sich Reinhold Würth aus dem operativen Tagesgeschäft zurück. Die Leitung des Unternehmens übergab er an ein professionelles Management.

1999 gründete er den Interfakultativen Lehrstuhl für Entrepreneurship an der Technischen Universität Karlsruhe. Als hauptamtlicher Lehrstuhlinhaber leitete er das Institut bis 2003. Würth besitzt mehrere Ehrendoktorwürden.

Seitdem konzentriert sich Würth verstärkt auf sein Engagement im Bereich Kunst und Kultur sowie auf seine vielen Stiftungsprojekte. Als Ehrenvorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe berät er das Unternehmen aber weiterhin und übernimmt repräsentative Aufgaben.

Würth ist bis heute ein Familienunternehmen: Die Nachkommen haben wichtige Positionen inne. 2006 übernimmt Tochter Bettina Würth von ihrem Vater den Vorsitz des Unternehmensbeirats der Würth-Gruppe. 2025 übergibt sie den Posten an ihren Neffen Sebastian Würth, den Sohn ihrer Schwester Marion.

Sein Bruder Benjamin Würth ist seit Januar 2025 Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrats der Würth-Gruppe. Diese Aufgabe übernahm er von seinem Großvater Reinhold Würth. Der Unternehmensbeirat kontrolliert die Geschäftsführung und kümmert sich um die Strategie. Der Stiftungsaufsichtsrat sichert den Fortbestand des Konzerns im Sinne der Familie.

Auch die Tochter von Bettina Würth spielt eine wichtige Rolle: Maria Würth leitet als Kunsthistorikerin seit 2025 alle Kunstaktivitäten der Würth-Gruppe.


Wie hoch ist das Privatvermögen von Reinhold Würth?

Reinhold Würth gehört zu den Superreichen der Welt. Wie hoch sein privates Vermögen ist, ist offiziell nicht bekannt. Zudem ist es eng mit dem Wert der Würth-Gruppe und Familienbeteiligungen verknüpft. "Forbes" schätzt Würths Vermögen aber auf 30,1 Milliarden US-Dollar (Stand: 31. März 2026). Umgerechnet sind das knapp 26 Milliarden Euro.

Zum Besitz des Unternehmers gehören unter anderem eine Luxus-Jacht, deren Wert auf 100 bis 150 Millionen Euro geschätzt wird. Dazu kommt eine Sammlung von mehr als 20.000 Kunstwerken. Zudem gehören ihm verschiedene Immobilien, darunter zwei Schlösser in Baden-Württemberg und eine Villa in Salzburg.

Wohlhabender als Reinhold Würth sind in Deutschland nur wenige: Der reichste Deutsche ist Dieter Schwarz, in der "Forbes"-Liste mit 67,2 Milliarden US-Dollar auf Platz 30. Er ist Chef der Schwarz-Gruppe mit Kaufland und Lidl.

Nach Klaus Michael Kühne von der Spedition Kühne + Nagel landet Reinhold Würth auf Rang 3 der reichsten Deutschen. Er muss sich den Platz allerdings aktuell mit BMW-Großauktionär Stefan Quandt teilen.

Reinhold und Carmen Würth.

Bild: Imago / Sven Simon


Reinhold Würth privat: Familie, Kunst und Tragödien

Reinhold Würth ist seit 1956 mit seiner 1937 geborenen Frau Carmen verheiratet. Die beiden wohnen seit 1974 im Schloss Hermersberg bei Niedernhall in Baden-Württemberg.

Das Ehepaar Würth hat drei Kinder. Nur Tochter Bettina ist in die Würth-Gruppe eingebunden. Die älteste Tochter Marion betrieb einen Biohof in der Nähe von Heilbronn. Sie verstarb im Herbst 2025 unerwartet. Sohn Markus lebt seit seiner Kindheit mit einer geistigen Beeinträchtigung. 2015 wird er aus einem Wohnheim im hessischen Schlitz entführt, später aber freigelassen.

Die Familie ist bekannt für ihr kulturelles und soziales Engagement. Die 1987 gegründete "Stiftung Würth" fördert Projekte in den Bereichen Bildung und Wissenschaft, Soziales und Integration sowie Kunst und Kultur.

Reinhold Würth ist zudem als Kunstsammler bekannt. Die 20.000 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen in seinem Besitz stammen von namhaften Künstler:innen vom 15. Jahrhundert bis heute. Darunter sind Werke von René Magritte, Max Ernst und Anselm Kiefer. Die "Sammlung Würth" ist in mehreren Museen weltweit zu sehen, unter anderem im "Museum Würth" in Künzelsau.

Bis 2015 saß Reinhold Würth zudem oft im Cockpit der Firmenflugzeuge. Dann gab er seinen Pilotenschein aus gesundheitlichen Gründen ab.

Anti-AfD: Die politische Position von Reinhold Würth

Reinhold Würth ist viele Jahre lang FDP-Mitglied, trat aber 2008 aus der Partei aus. Seit 2018 warnt er immer wieder vor einem Rechtsruck in Deutschland.

In einem Schreiben an 25.000 Beschäftigte seines Unternehmens rief der Unternehmer sie vor der Europawahl 2024 dazu auf, nicht die AfD zu wählen. In dem Brief heißt es unter anderem, dass es "einfach zu wenig" sei, der Partei aus Protest die Stimme zu geben. Es gelte, "die pluralistische Demokratie zu verteidigen". Weiter schrieb er:

Meine Empfehlung ist, lassen Sie uns im heutigen System unseres so wunderbaren Grundgesetzes mit unseren unterschiedlichen Meinungen, Vorstellungen und Ideen weiter zusammenleben.

Reinhold Würth

Bei einer Feier zum 100. Geburtstag von Nelson Mandela sprach sich der Unternehmer 2018 für das Recht auf Asyl aus. Er forderte laut "Die Welt", achtsam zu bleiben gegenüber "allen Anzeichen von Intoleranz".

Lassen Sie uns verhindern, dass wir in eine braune Diktatur hineinlaufen.

Reinhold Würth

FAQ: Reinhold Würth

Der Unternehmer Reinhold Würth besitzt mehrere Unternehmen. Sein Hauptwohnsitz ist das Jagdschloss Hermersberg in Baden-Württemberg. Das Anwesen in Niedernhall kaufte er bereits im Jahr 1974. Nach Ausbau und Renovierung zog er mit seiner Familie auf das Schloss. Bis heute lebt er dort mit seiner Frau Carmen. Einen Zweitwohnsitz hat er in Salzburg.

Reinhold Würth hat drei Kinder – zwei Töchter und einen Sohn. Die älteste Tochter Marion starb im Oktober 2025 unerwartet im Alter von 66 Jahren. Sie betrieb zuvor einen Biohof in der Nähe von Heilbronn und hatte mit dem Unternehmen wenig zu tun. Die zweite Tochter Bettina war von 2006 bis 2025 Vorsitzende des Beirats der Würth-Gruppe und damit die Führungsfigur des Konzerns. Das jüngste Kind, Sohn Markus, ist nach einem Impfschaden als Kind geistig beeinträchtigt.

2008 geriet Reinhold Würth wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in die Schlagzeilen. "Der Spiegel" berichtete, dass die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen ihn und Führungskräfte ermittelte. Anlass seien Kostenverrechnungen zwischen Unternehmensteilungen im In- und Ausland. Das Amtsgericht Heilbronn erließ daraufhin einen Strafbefehl über 700 Tagessätze. Die genaue Höhe der Geldstrafe wurde nicht veröffentlicht, könnte aber bis zu 3,5 Millionen Euro betragen haben. Würth zahlte den Steuerschaden und die Geldstrafe, weil die Klärung vor Gericht Jahre gedauert hätte. Er gehe aber davon aus, dass die Firmentransaktionen rechtmäßig waren. Die Staatsanwaltschaft stellte fest, dass die Beschuldigten "keine eigenen Vorteile" erlangten.


Verwendete Quellen:

Webseite der Würth-Gruppe

Forbes-Liste "The Richest People In The World"

Nachrichtenagentur dpa

Spiegel: "Schrauben-Milliardär Würth im Visier der Staatsanwaltschaft"

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