Gesetzentwurf

Plastiksteuer-Warnung: Wird "jede Shampoo-Flasche, jede Salatverpackung" teurer?

Aktualisiert:

von Emre Bölükbasi

:newstime

Regierung plant neue Plastiksteuer

Videoclip • 30 Sek • Ab 12


Bis zu 1,5 Milliarden Euro an Steuergeldern im Jahr, 800 neue Stellen beim Bund, aber kein klarer Umweltnutzen? Die Kunststoffbranche kritisiert die geplante Plastiksteuer – auch wegen der drohenden Teuerung im Supermarkt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Koalition will eine neue Steuer einführen.

  • Sie soll auf Plastikverpackungen erhoben werden.

  • Die Kunststoffbranche warnt vor Mehrkosten für Verbraucher:innen.

Shampoo-Flasche, Salatschale, Verpackung für fast alles: Plastik landet bei jedem Einkauf im Wagen. Genau dort könnte es künftig teurer werden. Die Koalitionsfraktionen aus CDU/CSU und SPD im Bundestag planen eine neue Steuer auf Kunststoff. Was bedeutet das aber für Verbraucher:innen?

Für Christine Bunte, Hauptgeschäftsführerin von PlasticsEurope Deutschland e. V., steht die Antwort schon fest: Die Preiserhöhung werde man direkt an der Supermarktkasse spüren, erklärte sie gegenüber :newstime.


"Die neue Steuer ist so vorgesehen, dass das Geld vom Verbraucher gezahlt wird. Das steht auch im Gesetzestext explizit so drin", stellt Bunte fest. "Das heißt, der Verbraucher wird bei jeder Shampoo-Flasche, bei jeder Salatverpackung an der Supermarktkasse merken, dass es teurer wird."

Ob das aber zumindest zu mehr Umweltschutz führen kann? Auch das bezweifelt Bunte. "Oft werden dann Kunststoffverpackungen, die sich gut recyceln lassen und leicht sind, gegen Verpackungen ersetzt, die sich schlechter recyceln lassen und wesentlich schwerer sind", warnt sie.

Plastiksteuer würde Staat 1,5 Milliarden Euro jährlich einbringen

Ab Juli 2027 sollen für jede Tonne Kunststoff in Verpackungen 550 Euro fällig werden. Das geht aus einem Entwurf für ein "Kunststoffverpackungsteuergesetz" hervor, der der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegt und der auf einem Beschluss der Bundesregierung vom Juli basiert. Zuvor hatte die "Welt" berichtet.

Der Entwurf soll von den beiden Koalitionsfraktionen in den Bundestag eingebracht werden. Das kursierende Papier geht aber auf Umwelt- und Finanzministerium zurück, die Vorarbeit leisten. Es soll noch innerhalb der Bundesregierung abgestimmt werden.

"Mit der Einführung einer Verbrauchsteuer auf Kunststoffverpackungen sollen Anreize geschaffen werden, den Verbrauch von Kunststoffverpackungen zu verringern", heißt es in dem Gesetzentwurf. Demnach fielen 2023 rund drei Millionen Tonnen Kunststoffverpackungsabfälle an.

Zudem sollen durch das Gesetz zusätzliche Einnahmen für den Bundeshaushalt generiert werden. Schon für 2027 wird mit zusätzlichen Steuereinnahmen von 805 Millionen Euro gerechnet. Ab 2028 sollen die Mehreinnahmen den Prognosen zufolge bei knapp 1,5 Milliarden Euro jährlich liegen.

Drei Millionen Tonnen Verpackungsmüll pro Jahr

Steuerpflichtig sollen dem Entwurf zufolge Kunststoffverpackungen und -folien sowie Verbundverpackungen sein, wenn deren Kunststoffanteil mehr als fünf Prozent beträgt. Erfasst werden damit unter anderem Folien, Transport- und Verpackungsmittel, Verschlüsse, Deckel und Kunststoffkapseln. Die Steuer soll bei der Herstellung, dem Verbringen oder der Einfuhr der entsprechenden Verpackungen anfallen.

Die Koalition erwartet, dass zunächst rund drei Millionen Tonnen Kunststoffverpackungen pro Jahr versteuert werden könnten. Diese Menge dürfte im Laufe der Zeit zurückgehen, heißt es in der Begründung des Gesetzentwurfs. Für Verpackungen aus recyceltem Kunststoff kann die Steuer auf Antrag entfallen. Privatpersonen bleiben bei der Weitergabe der betroffenen Produkte steuerfrei.

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Umwelthilfe: Steuer nur auf Einwegbehältnisse

Die Deutsche Umwelthilfe begrüßt den Ansatz. "Allerdings muss sichergestellt werden, dass die Kunststoffverpackungsteuer auf Einwegverpackungen beschränkt bleibt und keinesfalls auf Mehrweg erhoben wird", sagte eine Sprecherin der Organisation auf Anfrage. Um eine Verlagerung auch auf andere Verpackungsmaterialien zu verhindern, sollte die Verbrauchsteuer nach Ansicht der Umwelthilfe auf Papier, Pappe und Karton sowie auf Metalle wie Aluminium und Weißblech ausgeweitet werden.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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