Weltwirtschaftsforum Davos
Palantir-Chef Alex Karp: Einwanderung werde durch Künstliche Intelligenz überflüssig
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von Jana WejkumPalantir-Chef Alex Karp glaubt, dass KI Folgen für das Thema Einwanderung haben wird.
Bild: Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa
Der Mitgründer und Chef der Softwarefirma hat eine eigenwillige Interpretation davon, welche Probleme die KI künftig löst. Nebenbei philosophiert er über die angeblichen Probleme in Deutschland und Europa.
Künstliche Intelligenz: Kaum ein Thema vereint momentan auf vergleichbare Art Hoffnung und Furcht in sich – so sehr, dass sich die Gesellschaft für Deutsche Sprache dazu bewogen sah, "KI-Ära" zum Wort des Jahres 2025 zu ernennen.
Die Angst davor, dass Menschen durch die KI-Technologien ihren Job verlieren könnten, spielt einer der großen Player der Branche gekonnt herunter. Alex Karp, Mitgründer und Chef der amerikanischen Softwarefirma Palantir, teilte im Rahmen des Wirtschaftsforums seine Ansichten über das Potenzial der KI.
Durch sie werde Einwanderung zur Stützung der Wirtschaft und des Arbeitsmarkts westlicher Industrienationen unnötig. Es sei "schwer vorstellbar, warum wir Einwanderung in großem Maßstab haben sollten", erklärte Karp. Nur solche Einwander:innen mit speziellen Fähigkeiten würden demnach noch gebraucht.
Sein Fazit: Man müsse sich keine Sorgen um Arbeit machen, denn es werde mehr als genug offene Stellen geben, "insbesondere für Bürger mit einer Berufsausbildung". Die Darstellung, dass KI Menschen die Jobs wegnehmen werde, bezeichnete Karp als "unglückliches" Narrativ.
Karp belehrt Deutschland und Europa
Alex Karp gilt als einer der reichsten CEOs der Welt. Er studierte zunächst in den USA, promovierte aber in Frankfurt und spricht fließend Deutsch. Wie die "Welt" berichtet, nutzte er seinen Auftritt in Davos am Dienstag (20. Januar), um die Wirtschaftspolitik Deutschlands und Europas zu kritisieren.
Bezüglich Deutschland vermisse er die Ehrlichkeit, Probleme klar zu sehen und zu benennen. Europa attestierte er ein "ernstes, strukturelles Problem" bei der Einführung von KI-Technologien. Die aktuellen geopolitischen Spannungen würden gleich einem "Belastungstest" die Schwächen des Kontinents offenlegen. Im Zuge der KI-Revolution werde der Marktwert der Technologie "in den nächsten drei Jahren" offengelegt werden, so seine Prophezeiung.
Palantir: Umstrittener Datenkrake mit großer Macht
Dass Karp sich verärgert über die Regulierung von KI zeigt, hängt wohl damit zusammen, dass Palantir in Deutschland kritisch gesehen wird. Zwar wird die Software in Deutschland bereits seit 2017 eingesetzt, in der öffentlichen Debatte steht die Sorge um Datenschutz im Vordergrund.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CDU) setzte sich vergangenen Sommer dafür ein, Palantir künftig landesweit einzuführen. Justizministerin Stefanie Hubig (SPD) erteilte diesem Vorhaben am Dienstag eine Abfuhr. "Ich sehe nicht, dass Palantir für die Bundesbehörden kommt", sagte sie gegenüber der "Welt".
Wie der Deutschlandfunk, erklärt, kann Palantir riesige Datenmengen verschiedener Quellen automatisiert miteinander verknüpfen. Dazu gehören Bilder, Social-Media-Accounts, Meldedaten und Funkzellenabfragen. Das macht die Software interessant für das Militär, Nachrichtendienste und die Polizei. Sie versprechen sich von Palantir Fortschritte im Kampf gegen organisierte Kriminalität und Terrorismus.
Kritiker:innen warnen vor den nahezu unbegrenzten Überwachungsmöglichkeiten der Software, die leicht missbraucht werden können. Zudem würde sich Deutschland von einem ethisch bedenklichen Konzern abhängig machen: Mitbegründer und Milliardär Peter Thiel ist eng mit der US-Regierung und Donald Trumps MAGA-Bewegung verflochten. Er ist für seine autokratischen Ansichten bekannt. In einem Essay schrieb er, er glaube nicht, dass Freiheit und Demokratie vereinbar seien.
USA: Palantir unterstützt ICE-Einsätze
Das Zusammenspiel von KI und Migration entfaltet in den USA bereits sein Potenzial – wenn auch anders, als von Alex Karp in Davos skizziert. Wie "Der Standard" berichtet, habe die Migrationsbehörde ICE bereits mindestens 30 Millionen Dollar in Palantir-Software investiert. Nach Recherchen des US-Magazins "404media" soll die Software mithilfe von Karten zeigen, wo besonders viele Menschen gleichzeitig festgenommen und deportiert werden sollen.
Das brutale Vorgehen der ICE-Behörde sorgt in den USA seit Monaten für Entsetzen. Anfang Januar wurde bei einem Einsatz in Minneapolis eine unbewaffnete Frau in ihrem Auto erschossen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Welt: "Alex Karp rechnet mit Europa ab – und erteilt Deutschland einen Denkzettel"
Welt: "'Einführung der bundesweiten Nutzung von Palantir wird es mit SPD nicht geben'"
Der Standard: "Palantir: Die Firma, die Amerika 'tödlicher machen' soll"
Deutschlandfunk: "Datenschützer warnen vor Polizei-Software aus den USA"
404media: "'ELITE': The Palantir App ICE Uses to Find Neighborhoods to Raid"
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