Unabhängiger Verlag

Öko-Test: So arbeitet das Verbrauchermagazin – und so laufen Tests ab

Veröffentlicht:

von Claudia Frickel

:newstime

Öko-Test und Stiftung Warentest im Vergleich

Videoclip • 01:35 Min • Ab 12


Olivenöle, Zahnpasta, Wandfarbe oder Waschmittel: Öko-Test zählt zu den bekanntesten Verbrauchermagazinen in Deutschland. Wir erklären, wer hinter dem Heft steckt, wie die Tests ablaufen und was das Magazin schon erreicht hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • Öko-Test ist ein monatlich erscheinendes Verbrauchermagazin, das Produkte und Dienstleistungen testet.

  • Das Magazin besteht seit 1985, seitdem sind fast 500 Hefte erschienen. 100.000 Produkte wurden schon untersucht.

  • Öko-Test wird nicht staatlich gefördert und arbeitet unabhängig.

Was ist Öko-Test eigentlich?

Öko-Test ist ein unabhängiges Verbrauchermagazin mit Sitz in Frankfurt am Main, das Produkte und Dienstleistungen "objektiv, neutral und sachkundig" untersucht. Überprüft werden zum Beispiel Alltagsdinge wie Lebensmittel, Kosmetik oder Haushaltswaren, aber auch Services wie Versicherungen oder Bausparverträge. Die Ergebnisse erscheinen im monatlich veröffentlichten Heft, in Sonderausgaben und online.

Eine Besonderheit: Gesundheitliche und ökologische Aspekte werden bei den Tests oft stärker gewichtet als reine Funktionalität oder Preis.

Das Magazin beschreibt sich selbst als "kritische Stimme für den Verbraucherschutz". Es möchte Kund:innen nach eigenen Angaben "Orientierung bieten, gerade bei Fragestellungen, die sie selbst nicht beantworten können, wie beispielsweise Schadstoffbelastung, Sicherheit oder Allergiepotenzial".

Für die Tester:innen stehe dabei der "vorbeugende Verbraucherschutz an zentraler Stelle". Verbraucher:innen sollen also geschützt werden, bevor es zu möglichen Problemen und Schäden kommt. Risiken sollen früh erkannt und benannt werden:

Solange nicht tatsächlich erwiesen ist, dass ein Stoff unbedenklich für die menschliche Gesundheit und/oder die Umwelt ist, möchten wir ihn nicht in Produkten finden.

Das Selbstverständnis von Öko-Test

Das ist auch der Grund dafür, warum Öko-Test in vielen Fällen strengere Maßstäbe anlegt als der Gesetzgeber. Die Tester:innen überprüfen nicht nur die Einhaltung von Grenzwerten, sondern berücksichtigen auch eventuelle Risiken, Langzeitwirkungen oder problematische Inhaltsstoffe. Produkte können dann ein schlechtes Urteil erhalten, obwohl sie alle gesetzlichen Vorgaben erfüllen. Das sorgt regelmäßig für Kritik der Hersteller.

Wie viele Produkte prüft Öko-Test?

In den 40 Jahren seines Bestehens hat Öko-Test bei über 3.000 Tests mehr als 100.000 Produkte und Dienstleistungen untersucht – mit unterschiedlichen Fragestellungen. Im Zentrum der Tests steht meist die Frage, welche Auswirkungen es auf Gesundheit oder Umwelt gibt. Fast 500 reguläre Magazine sind bereits erschienen, dazu kommen Sonderhefte.

40 bis 50 Mitarbeiter:innen arbeiten in der Öko-Test-Redaktion. Sie testen nicht selbst, sondern arbeiten mit unabhängigen Prüfinstituten und Expert:innen zusammen. Das Magazin verfügt laut Verlag über "eine breit aufgestellte Fachkompetenz" in seinen Projektteams, von Lebensmittelchemiker:innen bis Ökotoxikolog:innen.

Das Test-Label von Öko-Test zeigt auf einen Blick das Ergebnis an.

Bild: Imago/Manfred Segerer


Was bedeutet das Öko-Test-Siegel und welche Noten werden vergeben?

Das Öko‑Test‑Label ist das Siegel, mit dem Hersteller:innen werben dürfen, wenn ihr Produkt im Magazin getestet wurde. Es zeigt also das veröffentlichte Testergebnis an. Firmen müssen allerdings eine Lizenz erwerben, um das Siegel nutzen zu können. Öko-Test prüft, ob es korrekt verwendet wird – etwa nur für das tatsächlich getestete Produkt.

Die Testurteile orientieren sich an den deutschen Schulnoten, kommen aber ohne die Zahlen aus:

  • sehr gut

  • gut

  • befriedigend

  • ausreichend

  • mangelhaft

  • ungenügend


Was hat Öko-Test erreicht?

Öko-Test hat vor allem indirekt einiges erreicht, indem es Probleme früh aufgedeckt und öffentlichen Druck erzeugt hat. So wies das Magazin bereits 1997 genmanipuliertes Soja in Lebensmitteln nach. Damals musste das in der EU nicht gekennzeichnet werden, inzwischen gibt es eine Pflicht dazu.

Die Tester:innen machten zudem mehrfach auf kritische Stoffe wie Bisphenol A, Mineralölrückstände oder Pestizide aufmerksam, die danach stärker reguliert wurden – oder zumindest stärker diskutiert.

Als Erfolg verbucht Öko-Test auch, dass 2020 Zuckerzusätze in Säuglingsgetränken streng reguliert wurden. Auf die Gefahren für die Babys wiesen die Magazinbeiträge schon in den 1980er-Jahren hin. "Das war ein langer Kampf, aber auch hier war Öko-Test seiner Zeit weit voraus", heißt es auf der Webseite.

Rund 2.500-mal haben Hersteller:innen laut Öko-Test schlechte Bewertungen zum Anlass genommen, ihre Produkte zu verbessern.

Mit vielen unserer Tests haben wir sogar die Gesetzgebung beeinflusst.

Jürgen Steinert, Testressortleiter von Öko-Test

Wer steckt hinter Öko-Test und wie finanziert sich das Magazin?

Das Öko‑Test-Magazin erscheint im Öko-Test Verlag GmbH & Co. KG. Diese Gesellschaft plant und beauftragt die Tests und veröffentlicht die Ergebnisse.

Die Muttergesellschaft der Verlags-GmbH ist die Öko-Test AG. Die beiden Gesellschaften sind seit 2022 getrennt. Dabei ist die AG für das Anzeigengeschäft und die Verwaltung sowie den Vertrieb des Labels zuständig. Die Redaktion arbeitet und veröffentlicht laut Öko-Test "ausschließlich nach redaktionell-journalistischen Kriterien". Das ist unabhängig davon, ob Hersteller auch Anzeigenkund:innen und Lizenznehmer:innen des Labels sind.

Das Magazin bekommt keine staatlichen Zuschüsse. Es finanziert sich hauptsächlich durch die Verkäufe des Hefts sowie Einzeltests im Internet und Abonnements. Die Muttergesellschaft Öko-Test AG unterstützt den Verlag finanziell: Sie vermarktet die Werbeanzeigen für Heft und Webseite.

Mehrheitseignerin der Öko-Test AG ist seit 2002 die Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft (ddvg). Sie gehört zu 100 Prozent der SPD. "In unsere redaktionelle Arbeit greift weder die ddvg noch die SPD ein", versichert Öko-Test auf seiner Webseite. Die ddvg hält rund 80,4 Prozent der Aktien – davon 10,2 Prozent direkt. Den Rest besitzt ihre 100-prozentige Tochter Green Lifestyle GmbH (GLG). Die übrigen Beteiligungen befinden sich im Streubesitz von rund 640 Aktionär:innen.

Wie ist Öko-Test entstanden?

In der deutschen Umweltbewegung der 1980er-Jahre entwickelte sich die Idee für unabhängige Verbrauchertests unter ökologischen Gesichtspunkten. Umweltthemen waren zu dieser Zeit in der Bevölkerung weniger präsent. Zur Einordnung: Der erste deutsche Umweltminister Walter Wallmann (CDU) trat sein Amt erst im Juni 1986 an.

1983 erschien der Vorläufer des Öko-Test-Magazins in Berlin. Gründer und Herausgeber war der Wirtschaftsjournalist Jürgen Räuschel, der zuvor unter anderem für das Finanzmagazin "dm" gearbeitet hatte. Er wollte einerseits über Umweltthemen berichten und andererseits Tests vornehmen lassen.

Im April 1985 kam die erste Ausgabe von Öko-Test heraus, mit Räuschel als alleinigem Geschäftsführer. 1988 lag die Auflage bereits bei 100.000 Exemplaren. Heute beträgt sie rund 117.000 Stück (Stand: 30. April 2026). Schon damals war als Designelement ein Blatt zwischen den Worten Öko und Test abgebildet. Erst später setzte sich allerdings das Ahornblatt durch, das immer noch zu sehen ist.

Die Kriterien der Tests waren anfangs oft andere als heute: Im ersten Test von Müslis 1985 etwa wurden diese nur auf Schwermetalle und Zucker überprüft. 40 Jahre später ist der Aufwand viel höher, denn das Magazin passt seine Kriterien an aktuelle wissenschaftliche Standards an.

Bei einem aktuellen Müslitest untersuchen die Tester:innen "eine lange Liste von Parametern", heißt es auf der Webseite. Es geht unter anderem um Pestizide, Schimmelpilzgifte, Mineralöl, den Fruchtanteil und Keime. Zudem spielt eine Rolle, ob die Verpackung unnötig groß ist und was die Zutatenliste aussagt. Darüber hinaus wird geprüft, ob die Hersteller leere Umweltversprechen machen, mit Selbstverständlichkeiten werben oder gesundheitsbezogene Aussagen machen.

Auch in den News:

Was ist der Unterschied zwischen Öko-Test und der Stiftung Warentest?

  • Öko-Test ist ein unabhängiges, privatwirtschaftliches Verbrauchermagazin mit Fokus auf Gesundheit und Umwelt. Es prüft Produkte vorwiegend auf Schad- und Inhaltsstoffe. Die Bewertungen sind oft streng: Einzelne problematische Stoffe können zu einer deutlichen Abwertung führen. Ziel ist es, Verbraucher:innen auf mögliche Risiken hinzuweisen und nachhaltigere Alternativen aufzuzeigen.

  • Die Stiftung Warentest ist eine unabhängige, staatlich gegründete Institution. Im Mittelpunkt stehen Funktion, Qualität, Handhabung und Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Bewertungen basieren auf vielen Kriterien und zeigen hauptsächlich, wie gut ein Produkt im Alltag funktioniert. Die Stiftung Warentest will eine möglichst objektive und praxisnahe Kaufberatung bieten.

Wie testet Öko-Test?

Öko-Test orientiert sich nach eigener Aussage bei seiner Bewertung "am aktuellen Stand der Wissenschaft". Die Tests entwickeln sich immer weiter: Prüfparameter werden angepasst, etwa weil es neue Schadstoffe gibt. Von der Planung bis zur Veröffentlichung kann bis zu einem Jahr vergehen.

Planung des Tests: Die Redaktion entscheidet zunächst, was getestet werden soll. Was passt ins nächste Heft, etwa passend zur Saison oder um einen guten Mix zu bieten? Welche Substanzen stehen aktuell im Fokus von Diskussionen? Ist die Entscheidung gefallen, wird entschieden, welche Parameter wichtig sind und welche Testlabore infrage kommen.
Kauf der Produkte: Die Projektleiter:innen legen fest, wie viele Produkte der Test umfassen soll, welche Marken berücksichtigt und welche Variante getestet werden soll. Etwa drei Monate vor Veröffentlichung kauft das Öko-Test-Einkaufsteam die ausgewählten Artikel anonym im Handel ein. Das sind immer mehrere Exemplare eines Produkts mit der gleichen Chargennummer, beispielsweise 14 Müsli-Packungen pro Marke.
Labor- und Praxistests: Die Produkte werden in Laboren von Fachleuten geprüft. Sie werden unter anderem auf Keime, Pestizide oder Schimmelpilzgifte untersucht. Je nach Artikel oder Dienstleistung sind unterschiedliche Kriterien wichtig.
Bewertung: Das Labor fasst seine Ergebnisse in einem Prüfbericht zusammen. Die Expert:innen bei Öko-Test ordnen die Werte ein und interpretieren sie. Sie berücksichtigen dabei Vorschriften und Grenzwerte. Dafür sind sie mit Behörden und Untersuchungsämtern im Austausch.

Aufbereitung: Die Projektleiter:innen teilen den Herstellern der Testprodukte die Laborergebnisse mit. Diese können innerhalb einer Frist darauf reagieren. Die Rückmeldungen und weitere Informationen werden in Dossiers zusammengefasst, auf deren Grundlage die Redakteur:innen später den Testbericht schreiben.

FAQ: Öko-Test

Öko-Test arbeitet redaktionell unabhängig: Die Tests entstehen im Verlag. Anzeigen und der Vertrieb der Testlabels laufen getrennt davon ab, sodass Hersteller keinen Einfluss nehmen können. Die Tester:innen kaufen Produkte anonym ein und lassen sie in externen Laboren prüfen. Die Bewertung erfolgt nach eigenen, strengen Kriterien. Das Magazin finanziert sich über Verkäufe, Abos und Anzeigen, nicht durch staatliche Mittel.

Öko-Test gilt als seriös, weil es unabhängig arbeitet, externe Labore nutzt und seit Jahrzehnten als glaubwürdige Instanz wahrgenommen wird. Kritik gibt es manchmal an den Kriterien – das betrifft jedoch auch die Stiftung Warentest. Hersteller bemängeln mitunter, dass Produkte trotz Einhaltung der Normen "ungenügend" abschneiden können.

Öko-Test prüft Produkte nach klar definierten Kriterien, die sich am Verbraucherschutz orientieren. Im Mittelpunkt stehen häufig Schadstoffe, gesundheitliche Risiken, Umweltverträglichkeit und Transparenz der Herstellerangaben. Je nach Produkt kann es auch um die Funktionalität gehen.


Verwendete Quellen:

Öko-Test und Öko-Test AG

Nachrichtenagentur dpa

Mehr entdecken