Wirtschaft

Immer mehr Rüstungsunternehmen wollen sich in Leipzig ansiedeln

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

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Rüstungsboom in Deutschland (14. September)

Videoclip • 01:53 Min • Ab 12


Leipzig hat bereits Anfragen von mehr als einem Dutzend Rüstungsunternehmen erhalten, die auf dem Gelände der Stadt Munition und Waffen produzieren wollen. Was über die möglichen Ansiedlungen bekannt ist.

Nach der umstrittenen Ansiedlung des US-Raketenbauers Covenant in Leipzig bekommen die Diskussionen um den Ausbau der Verteidigungswirtschaft in der Stadt neue Nahrung. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) meldet, hat Leipzig das Interesse weiterer Rüstungsunternehmen offengelegt. Insgesamt habe es bislang 17 Anfragen von Unternehmen aus dem Bereich gegeben, erklärte Wirtschaftsdezernent Clemens Schülke (CDU) am Mittwoch (28. Oktober) in der Sitzung des Stadtrats.

Dem Dezernenten zufolge wird derzeit mit fünf Unternehmen aktiv gesprochen. Sieben Anfragen seien zurückgewiesen worden, etwa, weil die Unternehmen Sprengstoffe verarbeiten wollten. In drei bis vier Fällen hätten sich die Unternehmen nicht wieder zurückgemeldet. Die bisherigen Anfragen haben nach Einschätzung von Schülke das Potenzial für die Entstehung von 700 Arbeitsplätzen. Zum konkreten Verhandlungsstand äußerte sich der Wirtschaftsbürgermeister nicht.

Falk Defence will in Leipzig Raketen-Artilleriesystem entwickeln

Der Information vorausgegangen war eine dringliche Anfrage der Linksfraktion im Leipziger Stadtrat. Nach der umstrittenen Ansiedlung des US-Raketenbauers Covenant in der Stadt waren erst kurz zuvor die Pläne eines weiteren Rüstungsunternehmens bekanntgeworden. Das Düsseldorfer Unternehmen Falk Defence plant Schülke zufolge die Entwicklung eines Raketen-Artilleriesystems aus europäischer Produktion und sucht dafür perspektivisch einen Standort "in der Region Leipzig".

Bereits seit März nutze die Firma für ihre Forschung und Entwicklung ein Büro mit einer angeschlossenen Halle, so Schülke. Dort sollen weder Explosivstoffe gelagert noch verarbeitet oder getestet werden. Wie es weiter heißt, handelt es sich nicht um kommunale Immobilien. Die Stadt habe auch keine finanziellen Zusagen gegeben.


Debatte um Rüstungsstandort Leipzig

Oberbürgermeister Burkhard Jung wehrte sich im Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) gegen die Einschätzung, Leipzig entwickle sich zu einem Schwerpunkt der Rüstungsindustrie. Die großen Standorte der Branche lägen an anderen Orten, etwa in München.

"Die Verwaltung verfolgt weiterhin nicht das Ziel, ein Rüstungscluster aufzubauen", sagte Wirtschaftsdezernent Schülke im MDR. Es bleibe bei den Innovations- und Focusbranchen. "Aber wir beantworten Anfragen aus dem Verteidigungsbereich, genau wie aus anderen Branchen. Verteidigungswirtschaft ist eine von wenigen Industrien, die aktuell überhaupt Industrieflächen nachfragen in Deutschland, in Sachsen und in Leipzig. Wir sind daran interessiert, die sich daraus ergebenen Chancen, in einer ansonsten schwierigen Wirtschaftslage zu nutzen."

Auch in den News:

Petition und Protest gegen Ansiedlung von Covenant

Falk Defence hatte erklärt, die Planungen noch nicht final abgeschlossen zu haben. Zu Standort, Zeitplan, Details der Produktion und möglichen Abnehmern könne man sich deshalb nicht äußern. Inzwischen hat eine Online-Petition des Bündnisses "Leipzig bleibt friedlich!" mehr als 11.000 Unterschriften gesammelt. Am Wochenende (24./25. Oktober) hatten zudem rund 400 Menschen gegen die Ansiedlung von Covenant im Leipziger Norden protestiert.

Wie der MDR weiter meldet, hatte das US-Rüstungsunternehmen Covenant Anfang Oktober seinen ersten europäischen Produktionsstandort in Leipzig eröffnet. Es plant nach eigenen Angaben, ab 2027 in Leipzig weitreichende Marschflugkörper zu produzieren. Dem Bericht zufolge sorgt die Ansiedlung in Leipzig für eine kontroverse Debatte zwischen Befürworter:innen, die auf Arbeitsplätze und Investitionen verweisen, und Kritiker:innen, die eine Militarisierung befürchten.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

mdr.de: "Neben Covenant: Leipzig prüft fünf weitere Ansiedlungen von Rüstungsunternehmen"

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