Edelmetall wird strategischer Rohstoff

Kupfer auf Rekordhoch: Das Metall der Energiewende

Veröffentlicht:

von Benedikt Rammer

Der Kupfermarkt boomt!

Bild: NurPhoto


Der Kupferpreis erreicht Rekordhöhen und wird von struktureller Nachfrage und Angebotsausfällen getrieben. Experten sehen das Metall als unverzichtbar für die Energiewende und die Transformation der Weltwirtschaft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Kupferpreis erreicht ein Rekordhoch von 14.125 Dollar je Tonne.

  • Produktionsausfälle und wachsende Nachfrage aus Energiewende und KI treiben die Preise an.

  • Expert:innen sehen Kupfer als strategischen Schlüsselrohstoff mit langfristigem Preisanstiegspotenzial.

Der Kupfermarkt erlebt derzeit eine beispiellose Preisrally. An der Londoner Metallbörse hat der Preis für Kupfer einen Rekordwert von 14.125 Dollar je Tonne erreicht – ein Anstieg von knapp acht Prozent. Die Gründe für diesen Preissprung sind vielfältig und reichen von Angebotsausfällen über eine wachsende industrielle Nachfrage bis hin zur Rolle des Metalls als sicherer Hafen in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit.

Rohstoffexperten wie Nils Müller von der HCOB Bank erklären laut "ntv", dass Kupfer zunehmend als "Ersatzzufluchtsmetall" gehandelt wird, ähnlich wie Gold. Dies sei jedoch nur ein Teil der Geschichte. Eckhard Schulte, Vorstandschef von MainSky Asset Management, betonte gegenüber ntv, dass die jüngsten Preissteigerungen durch eine seltene Kombination aus struktureller Nachfrage und Angebotsengpässen getrieben sind. Ein schweres Unglück in der Grasberg-Mine in Indonesien im Herbst 2025 habe beispielsweise kurzfristig fast 600.000 Tonnen Kupfer vom Markt genommen, während leere Lagerhäuser in Europa die Knappheit weiter verschärfen.

Kupfer: Das neue Öl der Energiewende

Kupfer hat sich vom klassischen Industriemetall zu einem strategischen Rohstoff entwickelt. Es ist unerlässlich für die Herstellung von Windturbinen, Solarzellen, Elektroautos und Stromnetzen – zentrale Elemente der Energiewende. Alternativen wie Aluminium können Kupfer nur begrenzt ersetzen, was die physische Nachfrage weiter antreibt. Joachim Berlenbach, Fondsmanager und Rohstoffexperte, beschreibt Kupfer daher treffend als "das neue Öl der Energiewende". Er sieht die derzeitigen hohen Preise nicht als spekulative Übertreibung, sondern als Ausdruck einer langfristigen Angebots-Nachfrage-Schieflage.

Die Bedeutung von Kupfer reicht jedoch über die Energiewende hinaus. Der Ausbau von KI-Rechenzentren und Robotik sorgt für zusätzliche Nachfrage. Laut Nils Müller von der HCOB Bank ist derzeit unklar, wie hoch der tatsächliche Kupferbedarf aus diesen Bereichen ausfallen wird. Diese Unsicherheit führt zu spekulativen Käufen und treibt den Preis weiter in die Höhe.


Langfristiger Preisanstieg erwartet

Die strukturellen Herausforderungen im Kupfermarkt sprechen für einen weiteren Preisanstieg in den kommenden Jahren. Volker Baur, Analyst bei der Commerzbank, erklärt, dass das Jahr 2025 noch mit einem Produktionsüberschuss endete. Doch ab 2026 wird ein Defizit erwartet, das sich bis 2035 weiter verschärfen könnte. Prognosen eines großen Bergbauunternehmens zeigen, dass bis 2035 nur 70 Prozent der globalen Kupfernachfrage gedeckt werden können. Die Folge: Die Preise müssen weiter steigen, um entweder die Nachfrage zu reduzieren oder das Angebot zu erhöhen.

Neue Minenprojekte könnten das Angebot verbessern, doch diese haben lange Vorlaufzeiten – oft dauert es zehn bis 15 Jahre bis zur ersten Produktion. Zudem sind rund 40 Prozent der weltweiten Förderung auf Chile und Peru konzentriert, wo Streiks, sinkende Erzgehalte und regulatorische Hürden die Produktion beeinträchtigen.

Kupfer ist somit nicht nur ein entscheidender Rohstoff für die Energiewende, sondern auch ein strategisches Element in der Transformation der Weltwirtschaft. Die aktuelle Preisentwicklung könnte langfristig ein neues Gleichgewicht definieren, das den Kupfermarkt in den kommenden Dekaden prägen wird.


Verwendete Quellen:

ntv: "Nach Gold und Silber startet jetzt die Jagd auf Kupfer"

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