Einnahmen für den Haushalt
Krypto-Haltefrist: Hat sie Finanzminister Klingbeil schon einkassiert?
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Klingbeil will Steuerbetrüger hart bestrafen
Videoclip • 57 Sek • Ab 12
Gewinne aus dem Krypto-Handel werden bislang in bestimmten Fällen gegenüber Aktien steuerlich begünstigt. Doch dieses Privileg könnte bald fallen, denn Finanzminister Klingbeil braucht dringend Geld. Was bislang bekannt ist.
Das Wichtigste in Kürze
Nach einem Jahr Haltefrist sind Gewinne mit Kryptowährungen in Deutschland von der Steuer befreit - anders als Aktien.
Dieses Privileg könnte bals verschwinden, Finanzminister Klingbeil will Bitcoin und Co. künftig anders besteuern.
Was die Änderungen für Anleger:innen bedeuten könnten.
Für Kryptowährungen gelten in Deutschland bislang steuerlich eigene Regeln. Nach einem Jahr Haltefrist sind Spekulationsgewinne oder Einnahmen aus Verkäufen von Bitcoin und Co. steuerfrei. Bei Aktien etwa ist das anders: Hier werden Gewinne immer mit der pauschalen Abgeltungssteuer (25 Prozent plus Soli und Kirchensteuer) besteuert.
Doch diese Sonderbehandlung von Krypto scheint in Gefahr. Der Grund: Bundesfinanzminister (SPD) Lars Klingbeil muss sparen. Das betonte der Vizekanzler am Mittwoch (29. April) nach dem Kabinettsbeschluss zu den Haushalts-Eckwerten für 2027 erneut. Neben milliardenschweren Einsparungen etwa im Digitalministerium oder durch die ebenfalls auf den Weg gebrachte Gesundheitsreform soll auch auf der Einnahmenseite mehr Geld in den Staatshaushalt fließen. Die geplante Plastikabgabe soll 1,4 Milliarden Euro einbringen, Steuern auf Genussmittel wie Tabak und Alkohol 2 Milliarden. Doch das ist noch nicht alles: Die verschärfte Bekämpfung von Steuerkriminalität samt Kryptobesteuerung soll ebenfalls zwei Milliarden Euro einbringen. Klingbeil sagte dazu: "Wir wollen die Kryptowährungen anders besteuern."
Auch in den News:
Klingbeil will Kryptowährungen anders besteuern
Wie genau diese Kryptobesteuerung aussehen soll, ist bislang noch unklar. Klingbeil wollte dazu keine Details nennen und verwies lediglich darauf, dass die konkreten Pläne erst Anfang Juli vorgestellt würden.
Laut "Stuttgarter Zeitung" heißt es in dem Eckpunktepapier zum Haushalt 2027, die Regierung plane, "Besteuerungslücken im Bereich der Plattformökonomie und beim Handel mit Kryptowerten zu schließen" sowie "bekannte Vollzugsdefizite abzustellen".
Der Zeitung zufolge ist für Anleger:innen entscheidend, was mit dem Begriff "Lücke" genau gemeint ist. Zum einen könnte es bedeuten, dass schon jetzt steuerpflichtige Gewinne, die in der einjährigen Haltefrist gemacht werden, dem Finanzamt vorenthalten werden. Diese Lücke könnte möglicherweise mit besseren Kontrollen geschlossen werden. Die bisherige Haltefrist und damit steuerfreie Gewinne nach einem Jahr blieben also vermutlich bestehen.
Das andere, für Kryptoanleger:innen ungünstigere Szenario, wäre: Die Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) und seinem Vize Klingbeil stellt Bitcoin und Co. steuerlich mit Aktien gleich und streicht den steuerlichen Vorteil.
Die Haltefrist bei Bitcoin und Co. dürfte verschwinden
Für die künftige Abschaffung der Haltefrist spricht jedoch einiges. Wie das Portal blocktrainer.de berichtet, wollte die SPD in den Koalitionsverhandlungen mit CDU und CSU im Frühjahr 2025 die Haltefrist schon einkassieren. Der konservative SPD-Flügel Seeheimer Kreis - dem auch Klingbeil angehört - sprach sich in einem Strategiepapier ebenfalls für eine höhere Kryptobesteuerung aus.
Sollte die Haltefrist also tatsächlich wegfallen, sind dem Bericht zufolge für Anleger:innen vor allem zwei Punkte wichtig: Ab wann gilt die Neuregelung und was passiert mit schon gekauften Krypto-Coins? Die offenen Fragen rund um die künftige Besteuerung werden Anleger:innen noch eine Weile beschäftigen - spätestens so lange, bis Klingbeil weitere Details nennt.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur Reuters
Stuttgarter Zeitung: "Wird die Haltefrist für Kryptowährungen abgeschafft?"
blocktrainer.de: "Änderung bei Bitcoin- und Krypto-Steuern soll kommen"
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