Festgeld und Tagesgeld

Immer mehr Banken locken Neukunden mit hohen Aktionszinsen

Veröffentlicht:

von Michael Reimers

Europäische Geldscheine

Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/dpa-tmn


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Aktuell werben Banken in Deutschland mit attraktiven Zinsen aufs Tagesgeld und Festgeld um neue Kund:innen. Nicht alle Angebote sind jedoch seriös.

Das Wichtigste in Kürze

  • Derzeit haben etliche Banken Aktionsangebote für Neukund:innen mit hohen Zinsen aufgelegt.

  • Diese sind deutlich attraktiver als in den vergangenen Monaten.

  • Der Verbraucherzentrale Bayern zufolge gibt es auch betrügerische Angebote.

Vier Prozent fürs Tagesgeld und drei Prozent fürs Festgeld bei Laufzeiten von mehr als einem Jahr: Mit solch attraktiven Zinsangeboten überbieten sich aktuell einige Banken in Deutschland, um Neukund:innen zu werben. Wie der Bayerische Rundfunk (BR) recherchiert hat, buhlt derzeit die deutsche Tochter der US-Großbank JPMorgan mit ihrer digitalen Privatkundenbank Chase um private Kundschaft auf dem deutschen Markt. Chase lockt dem Bericht zufolge für die ersten vier Monate 4,0 Prozent aufs Tagesgeld. Danach sind es noch 2,0 Prozent variabel auf das Tagesgeld.

Die Deutsche Bank fühle sich durch Chase  offenbar herausgefordert, heißt es weiter, und bietet aktuell über ihre Tochter Norisbank ebenfalls 4,0 Prozent aufs Tagesgeld an: für sechs Monate ab 1. Juli. Danach fällt der Tagesgeld-Zins dem Bericht nach voraussichtlich auf 0,75 Prozent zurück. Auch bei zwölf weiteren Banken erhalten neue Kund:innen demnach aktuell beim Tagesgeld zwischen 3,2 und 3,5 Prozent für drei bis fünf Monate. Nach der Aktionszeit sacken die Sparguthaben dem Bericht zufolge jedoch oftmals in ein Zinstief von deutlich unter 1,0 Prozent.

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Festgeld-Zinsen für Neukund:innen ebenfalls äußerst attraktiv

Ein Überblick bei Vergleichsportalen wie Biallo.de oder Verivox habe gezeigt, dass im Mai weitere sieben Banken mit Aktionszinsen von um die drei Prozent warben. Für drei Monate biete die Plattform "Raisin" (ehemals: "weltsparen.de") 3,5 Prozent. Anschließend könne das Geld europaweit umgeschichtet werden in Tagesgeld- und Festgeldangebote anderer Banken und Finanzdienstleister.

Längere Zinsbindungen mit Laufzeiten von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren ermöglicht Festgeld, das derzeit ebenfalls drei Prozent und mehr einbringen kann. Wer sich für zwölf Monate entscheidet, bekam dafür im Schnitt zuletzt knapp zwei Prozent Zinsen. Auch hier steigen die Sätze: im März wurden bei gleicher Laufzeit noch 1,5 Prozent bezahlt. Die VW Bank bietet Neukund:innen dem Bericht zufolge aktuell ab zwölf Monaten drei Prozent und ab drei Jahren sogar noch etwas mehr.


Betrug mit vermeintlichen Festgeld-Offerten der Allianz

Anleger:innen sollten jedoch misstrauisch werden, wenn im Internet mit überraschend hohen Zinsen für Sparguthaben geworben wird, warnt die Verbraucherzentrale Bayern. So laufe in sozialen Medien eine Kampagne, bei der Betrüger:innen den Namen der Münchener Allianz Versicherung für gefälschte Festgeld-Offerten nutzten. Nach Eingabe der persönlichen Daten durch die Kund:innen werden diesen gefälschte Angebote zugesendet, heißt es auf der Webiste der Allianz.

Die Angebote würden "attraktive" Renditen im Festgeldbereich versprechen, die über den aktuell gängigen Festgeldzinssätzen liegen. Die genutzten Unterlagen mit den angeblichen Kontaktdaten der Allianz seien durchweg gefälscht. Auch die genutzten Festnetz- sowie mobilen Rufnummern stünden ebenso wie die genutzten E-Mail-Adressen in keinerlei Zusammenhang mit der Allianz. Die angeblichen Mitarbeiter:innen der Allianz geben sich nur als solche aus, sind jedoch keine. Wer verdächtige Angebote erhalte, solle diese seiner lokalen Polizeidienststelle melden.


Der deutsche Finanzmarkt gilt als attraktiv

Ende 2025 summierte sich das Geldvermögen der privaten Haushalte in Deutschland auf den Rekordwert von rund 9.504 Milliarden Euro, meldet die Deutsche Presse-Agentur (dpa) unter Berufung auf Zahlen der Bundesbank. Demnach sind mehr als ein Drittel davon (37,2 Prozent) Bargeld und Einlagen wie Tagesgeld.

"Wir haben in Deutschland eine ausgeprägte Sparkultur mit viel ungenutztem Potenzial", sagt Chase-Deutschlandchef Daniel Llano Manibardo der dpa. Ziel sei es, Kund:innen auch nach der Angebotsphase, in der Chase für vier Monate vier Prozent Zinsen fürs Tagesgeld bietet, zu halten.


Chase will Deutschlands führende Digitalbank werden

Wie es bei dpa weiter heißt, will Chase das App-basierte Angebot für Privatkund:innen in Deutschland schrittweise ausbauen und "zu einer führenden digitalen Hausbank" für Verbraucher:innen werden. Bis Ende 2028 sollen auch Girokonten, Investment- und Kreditprodukte verfügbar sein. Deutschland soll für das Institut in Europa der zweite wichtige Markt werden. In Großbritannien hat Chase eigenen Angaben nach seit 2021 bereits mehr als drei Millionen Kund:innen gewonnen.

Dem Vergleichsportal Verivox zufolge zahlen bundesweit aktive Geldhäuser Bestandskund:innen derzeit im Durchschnitt lediglich 1,32 Prozent Zinsen für Tagesgeld. Neukund:innen erhalten befristet bis zu 3,5 Prozent Zinsen.

"Tagesgeldangebote mit befristeten Neukundenkonditionen sind vor allem für Sparer interessant, die dazu bereit sind, ihr Geld erneut zu einer anderen Bank umzuschichten, wenn die hohen Zinsen nach einigen Monaten auslaufen", sagte Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH, der dpa. "Wer das nicht möchte, sollte beim Zinsvergleich eher auf möglichst attraktive Bestandskundenkonditionen achten."


Verwendete Quellen:

br.de: "Vier Prozent auf Tagesgeld - Schnäppchen oder Lockangebot?"

allianz.com: "Betrugsbekämpfung: Hinweise auf verdächtige oder betrügerische Aktivitäten"

Nachrichtenagentur dpa

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