Gold unter Druck
Goldpreis stürzt nach Rekordhoch ab: Sicherer Hafen verliert an Glanz
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von Benedikt RammerDer Goldpreis ist seit Januar zeitweise um fast 30 Prozent gefallen. (Symbolbild)
Bild: Adobe Stock
Nach dem Höhenflug folgt der tiefe Fall: Der Goldpreis ist seit seinem Rekordstand von knapp 5.600 Dollar je Feinunze zeitweise um fast 30 Prozent gesunken. Expert:innen sehen darin eine überfällige Korrektur – doch die starke Unruhe am Markt wirft neue Fragen zur Rolle von Gold als Krisenschutz auf.
Das Wichtigste in Kürze
Der Goldpreis ist seit seinem Rekordhoch Ende Januar zeitweise um fast 30 Prozent gefallen.
Expert:innen sehen in dem Rückgang eine Korrektur nach einer spekulativen Übertreibung, warnen aber vor hoher Volatilität.
Expert:innen sehen in dem Rückgang eine Korrektur nach einer spekulativen Übertreibung, warnen aber vor hoher Volatilität.
Gold galt für viele Anleger:innen lange als klassischer sicherer Hafen. Wenn Kriege ausbrechen, Aktienmärkte schwanken und die Unsicherheit wächst, steigt oft die Nachfrage nach dem Edelmetall. Doch in den vergangenen Monaten hat diese Regel nur noch eingeschränkt funktioniert. Seit dem Rekordhoch von knapp 5.600 Dollar Ende Januar ist der Goldpreis zeitweise um fast 30 Prozent gefallen.
Ein Grund dafür liegt nach Einschätzung von Fachleuten in der starken Rally zuvor. Michael Blumenroth von Deutsche Bank Research sagte gegenüber der ARD-Finanzredaktion: "Das ist einfach zu viel gewesen in kurzer Zeit, da war zu viel Spekulation drin." Schon 2024 war Gold deutlich teurer geworden. 2025 beschleunigte sich der Anstieg noch einmal massiv. Im Jahresverlauf erreichte der Goldpreis laut ARD 53 neue Allzeithochs.
Goldmarkt deutlich nervöser geworden
Der Rückgang ist für viele Beobachter:innen deshalb zunächst eine Korrektur nach einer Übertreibung. Thomas Benedix von Union Investment bezeichnete den Preisrutsch im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion als "ganz gesund". Gold sei zu Jahresbeginn selbst inflationsbereinigt so teuer gewesen wie nie zuvor.
Größere Sorgen bereitet Expert:innen aber die starke Schwankung des Marktes. Laut Benedix war Gold "zeitweise sogar schwankungsanfälliger als der Bitcoin". Gerade diese hohe Volatilität hat offenbar auch Zentralbanken vorsichtiger gemacht. Einige Notenbanken verlangsamten ihre Goldkäufe, obwohl Goldreserven weltweit für viele Staaten weiter wichtig bleiben.
Zentralbanken bleiben dennoch interessiert
Trotz der Unsicherheit könnte sich die Nachfrage von Notenbanken wieder stabilisieren. Nach einer Umfrage des World Gold Council erwarten 89 Prozent der befragten Zentralbanken, dass die weltweiten Goldreserven in den kommenden zwölf Monaten steigen. 45 Prozent wollen sogar ihre eigenen Bestände ausbauen. Das ist laut der Interessenvertretung der Goldbergbauindustrie ein Rekordwert.
Gegen einen schnellen neuen Höhenflug sprechen jedoch die Zinsen. Steigende Zinserwartungen belasten den Goldpreis, weil Gold selbst weder Zinsen noch Dividenden bringt. Benedix erklärte der ARD-Finanzredaktion: "Und wenn jetzt andere als sicher geltende Anlagen, beispielsweise deutsche oder amerikanische Staatsanleihen, höhere Zinsen abwerfen oder die Aussicht auf höhere Zinsen besteht, dann wird Gold aus relativer Sicht weniger attraktiv."
Auch in den News:
Die Marke von 4.000 Dollar rückt in den Fokus
Für den weiteren Verlauf schauen viele Marktteilnehmer:innen nun besonders auf die Marke von 4.000 Dollar je Feinunze. Sie gilt vor allem psychologisch als wichtige Unterstützung. Zuletzt konnte sich der Goldpreis wieder etwas darüber stabilisieren.
Ganz sicher ist eine Erholung aber nicht. Blumenroth warnte gegenüber der ARD-Finanzredaktion: "Ich kann nicht ausschließen, dass wir nicht noch einmal einen Rückschlag sehen werden, der uns unter die 4.000 Dollar je Unze führt." Gleichzeitig gebe es Anzeichen dafür, dass der Markt nach einem Boden suche.
Auch mittelfristig bleiben die Aussichten gemischt. Der World Gold Council rechnet in der zweiten Jahreshälfte eher mit einer Seitwärtsbewegung. Benedix bleibt skeptischer und sagte laut ARD: "Unser Kursziel für Gold zum Jahresende 2026 liegt daher bei 3.900 Dollar je Unze." Damit ist für viele Anleger:innen klar: Gold bleibt wichtig, aber der Ruf als verlässlicher sicherer Hafen hat zuletzt spürbar gelitten.
Verwendete Quellen:
Tagesschau: "Gold kein sicherer Hafen mehr?"
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