Gebäckhersteller und Tiefkühlkost
Coppenrath: Wie sich aus einer Landbäckerei zwei bekannte Marken entwickelten
Veröffentlicht:
von Claudia Frickel:newstime
Tiefkühlkost statt frischer Küche: So funktioniert das TK-Restaurant!
Videoclip • 07:57 Min • Ab 12
Coppenrath Feingebäck und Coppenrath & Wiese heißen ähnlich, stellen beide Backwaren her – und sind trotzdem vollkommen unabhängige Unternehmen. Sie haben allerdings eine gemeinsame Geschichte.
Das Wichtigste in Kürze
1825 eröffnete Heinrich Coppenrath im Emsland die Landbäckerei "Coppenrath". Ihr Honigkuchen galt später sogar in europäischen Königshäusern als Delikatesse.
Daraus entwickelte sich Coppenrath Feingebäck, das sich bis heute im Familienbesitz befindet.
Später entstand die Firma Coppenrath & Wiese, die heute zu Dr. Oetker gehört.
Spritzgebäck, Butter-Cookies, Käse-Sahne-Torte aus der Tiefkühltruhe – der Name Coppenrath steht für vieles, was in deutschen Haushalten zum Kaffee auf den Tisch kommt. Hinter den Produkten stecken zwei verschiedene Unternehmen. Beide Marken sind bundesweit im Handel vertreten und gehören in ihren jeweiligen Bereichen zu den bekanntesten deutschen Anbietern.
Coppenrath Feingebäck ist ein traditionsreicher Familienbetrieb aus dem niedersächsischen Emsland. Das Unternehmen produziert Kekse und Dauergebäck und liefert mit rund 400 Mitarbeiter:innen täglich bis zu 120 Tonnen Ware aus. Die Geschichte reicht mehr als 200 Jahre zurück. Über die Jahrzehnte wurde die Firma immer wieder erweitert und modernisiert.
Coppenrath & Wiese zählt zu den bekanntesten Anbietern für Tiefkühltorten, Kuchen, Desserts und Brötchen. Seit 2015 gehört die Marke zu Dr. Oetker – ebenfalls ein deutsches Familienunternehmen mit langer Tradition. 3.000 Mitarbeiter:innen sind bei der Firma beschäftigt.
Coppenrath & Wiese verkauft tiefgekühlte Backwaren wie Kuchen und Torten.
Bild: Manfred Segerer
Coppenrath Feinbäckerei und Coppenrath & Wiese: Wie hängen die Backwarenhersteller zusammen?
Dass viele Verbraucher:innen die Coppenrath Feinbäckerei und Coppenrath & Wiese miteinander verwechseln, ist kein Zufall: Sie tragen jeweils den Familiennamen Coppenrath und produzieren Backwaren.
Tatsächlich haben sie die gleichen Wurzeln, auch wenn sie operativ getrennt arbeiten. Ein Bäckermeister namens Heinrich Coppenrath legte den Grundstein für die beiden Marken. 150 Jahre lang handelte es sich um eine Firma, die sich allmählich von einer Landbäckerei zur Industrieproduktion entwickelte.
In den 1970er-Jahren führte Franz Coppenrath das Familienunternehmen in fünfter Generation. Auch sein Bruder Aloys Coppenrath war im Unternehmen beschäftigt, aber er wollte eigene Wege gehen: Zusammen mit seinem Cousin Josef Wiese baute er Coppenrath & Wiese auf.
Seitdem gehen die Firmen getrennte Wege: Das Feingebäck-Unternehmen blieb unabhängig, Coppenrath & Wiese wurde später Teil des Oetker-Konzerns.
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Wie die Bäckerei Coppenrath gegründet wurde – und mit Honigkuchen durchstartete
1825 eröffnete der Bäckermeister Heinrich Coppenrath in der Gemeinde Groß Hesepe/Geeste eine kleine Landbäckerei. Sein Sohn Heinrich erweiterte das Sortiment Schritt für Schritt. Mit Erfolg: Der Honigkuchen der Bäckerei entwickelte sich im 19. Jahrhundert zum beliebten Gebäck und landete sogar auf den Tischen europäischer Königs- und Adelshäuser, unter anderem in England.
Der dritte Heinrich Coppenrath, der Enkel des Gründers, begann zusätzlich mit der Herstellung von Zwieback. Damals wurden die Backwaren noch per Pferdekutsche ausgeliefert. Das zeigt, wie lange es das Familienunternehmen Coppenrath schon gibt.
In der vierten Generation baute Aloys Coppenrath die Produktion deutlich aus. Brot und Süßwaren kamen hinzu, und ab 1929 übernahmen erstmals Lastwagen den Transport. Das vergrößerte den Verkaufsradius der Feinbäckerei aus Geeste deutlich.
Mit der Firmenphilosophie 'Ehr‘ das Alte, wag‘ das Neue' haben wir uns als mittelständisches Unternehmen einen guten Namen am Markt erarbeiten können.
Nach Aloys’ Tod im Zweiten Weltkrieg führte seine Frau Änne das Unternehmen weiter – und versorgte gleichzeitig ihre acht Kinder. "Sie ist für uns alle ein Vorbild für Mut, Verantwortung und Durchhaltevermögen", sagte Andreas Coppenrath in einem Interview mit der IHK über seine Großmutter.
1950 übernahm ihr erst 21‑jähriger Sohn Franz Coppenrath die Leitung. Zwölf Jahre später traf er eine wegweisende Entscheidung: Aus der traditionellen Bäckerei sollte eine Großbäckerei werden. Mit einem neuen Fabrikgebäude belieferte das Unternehmen erstmals den Großhandel in ganz Deutschland. Franz entwickelte außerdem den Süßwarenvertrieb "Naschwelt", der ab 1968 Tankstellen und andere Händler versorgte.
1970 exportierte die Coppenrath Feinbäckerei erstmals ins Ausland, etwa nach Österreich. Doch es lief nicht immer alles glatt. 1978 traf das Unternehmen ein schwerer Rückschlag: Ein Brand zerstörte innerhalb von zwei Stunden das gesamte Werk. Der Wiederaufbau in nur drei Monaten gilt für Coppenrath bis heute als Meilenstein.
Seit 1995 steht Franz Coppenraths Sohn Andreas an der Spitze des Familienbetriebs. Unter seiner Leitung expandierte das Unternehmen weiter – die Kekse, Kränze und Backwaren der Marke Coppenrath sind heute in rund 60 Ländern erhältlich. Der Firmensitz befindet sich noch immer in Groß Hesepe/Geeste.
Hanna Coppenrath: In siebter Generation im Familienbetrieb
Coppenrath Feingebäck ist weiterhin ein Familienbetrieb. 2024 stieg die Tochter des langjährigen Managers Andreas Coppenrath in das Unternehmen ein. Die damals 25-jährige Hanna Coppenrath übernahm zunächst die Leitung des Vertriebs.
Sie hatte zuvor Betriebswirtschaftslehre und Mediation studiert. Im August 2026 soll sie ihren Vater in der Geschäftsführung ablösen. Sie ist damit die siebte Generation der Familie Coppenrath, die das Unternehmen führt.
Fast wäre es aber gar nicht dazu gekommen. Ihre zwei Brüder wollten nicht in die Firma einsteigen, und sie war nicht sicher, welchen Berufsweg sie einschlagen sollte. Eines Tages suchte sie das Gespräch mit ihrem Vater und stellte fest, dass sie nicht genau wusste, was er als Geschäftsführer macht, sagte sie der "Wirtschaftswoche". Danach durchlief sie ein Traineeprogramm bei Coppenrath Feingebäck und lernte alle Abteilungen kennen:
Dabei habe ich gemerkt, was wir für ein cooles Unternehmen sind, was wir für coole Produkte herstellen.
Am meisten freut sich Hanna Coppenrath nach eigener Aussage "auf selbstbestimmtes Arbeiten und die Möglichkeit, meine eigenen Ideen zu verwirklichen". Das sagte sie im Interview mit der IHK. Einige davon setzt sie jetzt schon um: So tritt die junge Unternehmerin regelmäßig auf den firmeneigenen Social-Media-Kanälen auf. In Videos erklärt sie dann zum Beispiel den Unterschied zwischen Coppenrath Feingebäck und Coppenrath & Wiese. Oder sie steht in einer Küche und zeigt, wie sich die zuckerfreien Torteletts der Firma belegen lassen.
Mein Ziel ist es, dass die Leute bei meinem Namen an unser Gebäck denken.
Entstehungsgeschichte: Wie Schockfrosten den Durchbruch für Coppenrath & Wiese brachte
Kuchen und Torten herstellen, einfrieren und in ganz Deutschland verkaufen – als "Conditorei in der Tiefkühltruhe": Diese Idee hatten Aloys Coppenrath und sein Cousin Josef Wiese in den 1970er‑Jahren. Beide stammten aus Bäcker- und Konditoreifamilien.
Aloys war ein Nachfahre von Heinrich Coppenrath, dem Gründer der Feinbäckerei im Emsland. Er arbeitete nach seiner kaufmännischen Ausbildung im Familienbetrieb seines Bruders Franz mit. Josef Wiese führte die Konditorei seines Vaters in Mettingen (Nordrhein‑Westfalen).
1974 beschlossen die beiden, mit gefrorenen Sahnetorten eine Marktlücke zu besetzen. Das galt damals als nahezu unmöglich, denn Sahne flockte beim Gefrieren und schien für Tiefkühlprodukte ungeeignet.
Doch Josef Wiese war ein Tüftler. Eigentlich wollte er Konstrukteur werden, musste aber in den Familienbetrieb einsteigen. Nun entwickelte er ein Verfahren, mit dem Sahne kontinuierlich aufgeschlagen werden konnte. Dadurch blieb die Qualität erhalten und sie ließ sich einfrieren. Die Frische der Produkte sicherten die Gründer durch Schockfrosten, also das sofortige Tiefkühlen bei extrem niedrigen Temperaturen.
1975 gründeten die Cousins ihr Unternehmen Coppenrath & Wiese, heute einer der bekanntesten Hersteller von Tiefkühltorten und Tiefkühlkuchen in Deutschland. Sie teilten sich die Aufgaben: Aloys Coppenrath übernahm die kaufmännische Leitung, Josef Wiese die Entwicklung der Maschinen.
Der Betrieb startete mit 35 Mitarbeiter:innen in einer umgebauten Molkerei. Das erste Produkt war die "Wiener Platte" mit sechs Stücken Sahnetorte. Ab 1976 folgten klassische Torten wie die Schwarzwälder Kirschtorte, die laut Unternehmen bis heute zu den beliebtesten Tiefkühlprodukten gehört. Mit dem Boom der Tiefkühlkost wuchs auch Coppenrath & Wiese schnell. Bald exportierte die Firma auch in die USA und nach Australien.
Ab 1981 kamen Kuchen hinzu, ab 1986 die ersten fertig gebackenen Tiefkühlbrötchen. Seit 2022 bietet Coppenrath & Wiese zudem vegane Torten an.
2005 zogen sich Coppenrath und Wiese aus dem operativen Geschäft zurück. Gleichzeitig schied die Familie Wiese aus dem Gesellschafterkreis aus und verkaufte ihre Anteile an die Familie Coppenrath.
Auch in den News:
Coppenrath & Wiese: Der Verkauf an Dr. Oetker und das Unternehmen heute
Als Aloys Coppenrath 2013 starb, lag Coppenrath & Wiese in den Händen von vier Gesellschafter:innen: seiner Frau Brigitte, seinen beiden Söhnen und seiner Tochter. Die Familie wollte das Unternehmen verkaufen, konnte sich laut "Wirtschaftswoche" jedoch nicht einigen. 2014 erzielte der Tiefkühlhersteller einen Jahresumsatz von mehr als 400 Millionen Euro.
2015 übernahm Dr. Oetker den Tiefkühlkonzern zu einem nicht veröffentlichten Preis. Die Marke Coppenrath & Wiese besteht weiter: Das Unternehmen produziert Backwaren sowohl unter eigenem Namen als auch unter der Zweitmarke Grotemeyer’s Konditorei und für mehrere Handelsmarken.
Zum Sortiment gehören rund 80 verschiedene Torten und Kuchen. Produziert wird ausschließlich in Deutschland – pro Tag knapp 260.000 tiefgekühlte Produkte.
FAQ: Coppenrath
Coppenrath Feingebäck und Coppenrath & Wiese tragen zwar einen ähnlichen Namen, sind aber voneinander unabhängige Unternehmen. Beide gehen jedoch auf die gleiche emsländische Bäckerfamilie zurück. Coppenrath Feingebäck produziert klassische Kekse und Gebäck sowie saisonale Produkte. Die Firma befindet sich im Familienbesitz. Coppenrath & Wiese ist spezialisiert auf Tiefkühlkuchen und -torten. Das Unternehmen gehört heute zu Dr. Oetker.
Die Firma Coppenrath Feingebäck ist ein Unternehmen, das sich auch 200 Jahre nach der Gründung im Besitz der Familie befindet. Die Firma Coppenrath & Wiese ist dagegen eine Marke von Dr. Oetker. Diese Firma startete ein Nachfahre des Coppenrath-Feingebäck-Gründers, Aloys Coppenrath. Sein Geschäftspartner war Josef Wiese.
Coppenrath ist der Familienname eines Bäckermeisters aus dem Emsland: Heinrich Coppenrath eröffnete 1825 eine Bäckerei. Daraus entwickelte sich die Firma Coppenrath Feingebäck. Einer seiner Nachfahren gründete später mit einem Partner Coppenrath & Wiese, den Hersteller von Tiefkühlkost.
Verwendete Quellen:
Unternehmensseite von Coppenrath Feingebäck
Unternehmensseite von Coppenrath & Wiese
Wirtschaftswoche: "Hanna Coppenrath: 'Eines Abends habe ich das Gespräch mit meinem Vater gesucht'"
Industrie- und Handelskammer Osnabrück, Emsland und Grafschaft Bentheim: "Ein Gefühl von Zusammenhalt: 200 Jahre Coppenrath Feingebäck"
Westfälische Nachrichten: "Cowi-Arbeitsplätze und Standort sollen gesichert werden"
Spiegel: "Tortenkönig Aloys Coppenrath ist tot"
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