Neuwagen, Kraftstoff und Versicherungen

ADAC besorgt: Kostenexplosion bedroht Autofahrer

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von Joachim Vonderthann

Autofahren ist nach einer ADAC-Analyse in den vergangenen fünf Jahren massiv teurer geworden.

Bild: Jonas Walzberg/dpa


Die Kosten rund ums Auto sind in den vergangenen fünf Jahren massiv gestiegen. Besonders Neuwagen, Versicherungen und Kraftstoffe belasteten die Geldbeutel der Autofahrer:innen zunehmend, warnt der ADAC.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Kosten für Neuwagen stiegen zwischen 2020 und 2025 je nach Modell um bis zu 33 Prozent.

  • Kraftstoff- und Strompreise belasten Autofahrer:innen zusätzlich.

  • Der ADAC warnt vor den Folgen für große Teile der Bevölkerung.

Die individuelle Mobilität wird für viele Menschen in Deutschland zur finanziellen Herausforderung. Wie eine Analyse des ADAC Südbayern zeigt, sind die Preise in fast allen Bereichen rund um das Auto seit 2020 deutlich gestiegen. Besonders die Kosten für Neuwagen, Tankfüllungen und Versicherungen treiben die Ausgaben in die Höhe.

Preise für neue Verbrenner massiv gestiegen

Der Blick auf die Listenpreise von Neuwagen zeigt die drastischen Entwicklungen, wie "t-online" unter Berufung auf die ADAC-Studie berichtet. Der VW Golf, eines der meistverkauften Autos in Deutschland, wurde zwischen 2020 und 2025 um 22,74 Prozent teurer. Ein Modell des Golf 2.0 TDI in der Variante Style kostete im Oktober 2025 laut Konfigurator 42.275 Euro – fünf Jahre zuvor waren es noch 34.424,72 Euro. Auch andere Fahrzeuge wie der Toyota Corolla mit Hybridantrieb wurden teurer: Je nach Ausführung stiegen die Preise hier um bis zu 20 Prozent. Modelle von BMW legten etwas moderater zu, beim BMW 4er stiegen die Preise im Schnitt um zehn Prozent.

Die Entwicklung bei Elektroautos verlief langsamer. Der BMW i4 eDrive40 verteuerte sich zwischen 2021 und 2025 um lediglich 3,84 Prozent. Beim VW ID.3 stiegen die Listenpreise im selben Zeitraum um rund vier Prozent, wobei technische Verbesserungen wie größere Reichweiten den Preisunterschied teilweise relativieren. Der ADAC Südbayern sieht eine geringere Nachfrage nach E-Autos als möglichen Grund für die moderaten Preissteigerungen in diesem Segment.

Auch Versicherungen und Spritpreise hoch

Neben den Anschaffungskosten steigt auch der Unterhalt von Fahrzeugen deutlich an. Besonders bei der Kfz-Versicherung mussten Autofahrer:innen tief in die Tasche greifen: Zwischen 2020 und 2024 stiegen die Beiträge laut Statistischem Bundesamt um 43,6 Prozent. Höhere Ersatzteilpreise, gestiegene Werkstattkosten und vermehrte Schäden durch Unwetter sind wesentliche Treiber dieser Entwicklung.

Auch an der Zapfsäule erleben Autofahrer:innen die Preissteigerungen hautnah. Ein Liter Superbenzin kostete im Oktober 2020 durchschnittlich 1,255 Euro – fünf Jahre später waren es bereits 1,672 Euro, ein Anstieg um 33 Prozent. Diesel verteuerte sich im gleichen Zeitraum sogar um 43 Prozent und liegt nun bei durchschnittlich 1,594 Euro pro Liter. Durch die gestiegene CO2-Bepreisung werden sich die Preise weiter erhöhen – Expert:innen rechneten mit einem Plus von einem bis zwei Cent pro Liter. Zum Jahreswechsel hat dieser Effekt wohl bereits durchgeschlagen, wie ADAC-Daten zeigen: Am 1. Januar war ein Liter Super um 3,4 Cent teurer als am 31. Dezember, bei Diesel waren es 4 Cent.

ADAC-Chef Hillebrand irritiert mit CO2-Aussagen

Kürzlich hatte jedoch ADAC-Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand mit Äußerungen zum CO2-Preis selbst für Unmut bei Autofahrer:innen und Mitgliedern des Clubs gesorgt. "Der ADAC hält die CO2-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen“, sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Die Folge: Massive öffentliche Kritik und die Ankündigung zahlreicher Mitglieder in sozialen Medien, aus dem Verkehrsclub austreten zu wollen.

Der ADAC ruderte inzwischen zurück und betonte, man setze sich weiterhin für bezahlbare Mobilität ein, wie "t-online" berichtet. Zusätzliche Belastungen ohne Ausgleich lehne man ab. Hillebrands Interview sei in den Medien verkürzt wiedergegeben worden.

Kosten für E-Autos steigen ebenfalls - aber weniger stark

Der Analyse des ADAC Südbayern zufolge bleiben aber auch E-Auto-Fahrer:innen von den Preisanstiegen nicht verschont. Die durchschnittlichen Kosten für Haushaltsstrom stiegen zwischen 2020 und 2025 um 26 Prozent auf 38,25 Cent pro Kilowattstunde, was auch die Kosten für das Laden an einer heimischen Wallbox erhöht. Schnellladestationen wurden ebenfalls teurer: Die Kilowattstunde am DC-Lader von EnBW kostete im Jahr 2020 noch 49 Cent, während sie 2025 bereits bei 56 Cent lag – ein Anstieg von 14,29 Prozent.

Der Verbraucherpreisindex zeigt eine allgemeine Inflation von rund 23 Prozent zwischen 2020 und 2025. Die Mobilitätskosten stiegen jedoch deutlich stärker, was eine zunehmende finanzielle Belastung für viele Menschen bedeutet. Alexander Kreipl, verkehrs- und umweltpolitischer Sprecher des ADAC Südbayern, sieht diese Entwicklung kritisch: "Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass individuelle Mobilität für immer mehr Menschen zu einer großen finanziellen Belastung wird." Sollte sich dieser Trend fortsetzen, könnte ein Teil der Bevölkerung dauerhaft vom eigenen Auto ausgeschlossen werden.


Verwendete Quellen:

T-Online: "ADAC warnt: Autofahren wird zum Luxus"

Merkur: "ADAC-Chef fordert höheren Spritpreis – zahlreiche Autofahrer verkünden Austritt"

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