Arsen in einem Getränk
56 Produkte unter der Lupe – Wie schneidet Mineralwasser bei Öko-Test ab?
Aktualisiert:
von Joachim Vonderthann:newstime
Mineralwasser im Test: Das ist der Sieger
Videoclip • 01:41 Min • Ab 12
Leicht sprudelndes Medium-Mineralwasser ist der Favorit vieler Deutscher. Ein aktueller Test von Öko-Test zeigt nun: Die meisten Produkte können Verbraucher:innen bedenkenlos trinken. Doch es gibt einen bedenklichen Ausreißer.
Das Wichtigste in Kürze
Öko-Test hat 56 Medium-Mineralwässer getestet – 40 davon erhalten die Bestnote "sehr gut".
Das Bad Harzburger Medium fällt als einziges Produkt durch – vor allem wegen erhöhter Arsenwerte.
Unter den sehr guten Produkten finden sich auch zahlreiche Discounter-Produkte.
Die gute Nachricht vorweg: Wer im Supermarkt oder Discounter zu Medium-Mineralwasser greift, macht in der Regel alles richtig. Öko-Test hat insgesamt 56 verschiedene Wässer im Labor untersuchen lassen. Das erfreuliche Ergebnis: Mehr als zwei Drittel der Produkte (insgesamt 40 Marken) erhielten die Bestnote "sehr gut". Doch in einigen Flaschen steckt mehr drin, als Verbraucher:innen bei Mineralwasser erwarten würden.
Die Preisspanne im Test reichte von 19 Cent bis 1,45 Euro pro Liter – und teuer bedeutet dabei keineswegs besser. Zu den Testsiegern gehören laut Öko-Test günstige Discounterprodukte wie das K-Classic Natürliches Mineralwasser Medium von Kaufland, Saskia Natürliches Mineralwasser Medium von Lidl sowie die Quellbrunn-Wässer von Aldi Süd und Aldi Nord – alle für nur 0,19 Euro pro Liter.
Auch bekannte Marken wie Gerolsteiner Medium (0,87 Euro/Liter), Selters Medium (0,92 Euro/Liter), Adelholzener Sanft (0,77 Euro/Liter) und das Bio-Mineralwasser Vilsa Medium (0,99 Euro/Liter, auch für Säuglinge geeignet) erhalten die Bestnote, wie n-tv berichtet. 2025 hatte Öko-Test bereits stille Wasser getestet. Hier findest du die Ergebnisse.
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Klarer Verlierer im Wasser-Test: Bad Harzburger Medium mit "mangelhaft"
Der einzige Ausreißer im aktuellen Test ist das Bad Harzburger Medium vom Bad Harzburger Mineralbrunnen (77 Cent pro Liter). Das Labor wies darin gleich zwei problematische Substanzen nach: Arsen und Trifluoressigsäure (TFA). Die gemessene Arsenmenge ist dem Test zufolge zwar nicht akut gesundheitsgefährdend, schöpft den laut Mineral- und Tafelwasser-Verordnung erlaubten Höchstwert aber bereits zu mehr als der Hälfte aus. Laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kann Arsen in anorganischer Form schon in kleinen Mengen Haut-, Lungen- und Harnwegstumore auslösen. Bei langfristiger Aufnahme wurden außerdem Hautschäden sowie Entwicklungs- und Nervenstörungen beobachtet.
Hinzu kommen erhöhte Werte der Ewigkeitschemikalie TFA – ein weiterer Grund für das Urteil „mangelhaft". TFA gelangt über Kältemittel oder als Abbauprodukt von Pestiziden ins Grundwasser und damit in Mineralwasserquellen. Laut der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) ist TFA sehr langlebig, fortpflanzungsgefährdend und äußerst mobil in der Umwelt.
Öko-Test: Ewigkeitschemikalie in fast zwei Dritteln aller Wässer
Auch wenn nur ein Produkt durchfällt, gibt es einen beunruhigenden Befund quer durch den Test: TFA wurde in fast zwei Dritteln der 56 untersuchten Mineralwässer nachgewiesen – in den meisten Fällen nur in Spuren, in sechs Produkten jedoch in Mengen, die Ökö-Test als erhöht einstuft. Dies ist kein Einzelfall: Bereits eine BUND-Studie aus dem Jahr 2025 hatte PFAS-Verbindungen in deutschlandweiten Wasserproben gefunden. Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) werden wegen ihrer schlechten Abbaubarkeit auch Ewigkeitschemikalien genannt. Umweltschutzorganisationen fordern deshalb eine umfassende Beschränkung der gesamten PFAS-Stoffgruppe.
Öko-Test kritisiert solche Funde vor allem deshalb, weil sie das Versprechen der "ursprünglichen Reinheit" infrage stellen, mit dem Mineralwasser gerne beworben wird. Vereinzelt fanden die Tester:innen zudem Pestizidabbauprodukte und Süßstoffe – ebenfalls unvereinbar mit dem Reinheitsversprechen. Auch für PET-Einwegflaschen gab es Abzüge, wenn diese weniger als 65 Prozent Rezyklat aus dem Wertstoffkreislauf enthielten.
Auch in den News:
Günstig kaufen – oder doch lieber Leitungswasser?
Wer beim Mineralwasser sparen möchte, muss laut Test keine Abstriche bei der Qualität machen. Günstige Discounterprodukte für rund 19 Cent pro Liter sind mindestens genauso gut wie deutlich teurere Markenprodukte. Wer zudem auf Nachhaltigkeit achtet, kann laut Expert:innen auch bedenkenlos auf deutsches Leitungswasser zurückgreifen: Es unterliegt strengen gesetzlichen Qualitätsvorgaben, ist günstiger als Flaschenwasser und deutlich umweltschonender, da Produktion, Transport und Verpackung entfallen. Allerdings wurde auch im Leitungswasser schon PFAS nachgewiesen.
Grundsätzlich muss man sich bei Leitungswasser aber keine Sorgen machen, auch Anja Schwengel-Exner von der Verbraucherzentrale Bayern bestätigt im :newstime-Interview, dass rund 99 Prozent der Proben alle gesetzlichen Grenzwerte einhalten.
Verwendete Quellen:
Öko-Test: "Medium-Mineralwasser im Test: Verunreinigungen nachgewiesen"
n-tv: "Dieses eine Medium-Mineralwasser ist "mangelhaft"
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