Tapinoma magnum
Superkolonien in Deutschland: Warum der Kampf gegen die Ameisen-Massen kaum noch zu gewinnen ist
Veröffentlicht:
von Marie-Finn Bruker17:30 SAT.1 Live Hessen und Rheinland-Pfalz
Große Drüsenameise sorgt für Schäden
Videoclip • 03:09 Min • Ab 12
Sie sind klein, schwarz und kaum zu stoppen: Millionen Ameisen der Tapinoma-magnum-Kolonie fallen über deutsche Haushalte her. Sie kappen Internetverbindungen, fressen sich unter Kinderzimmer und Spielplätze. Karlsruhe kämpft mit Millionen Euro gegen die Tiere – doch eine Eindämmung der Plage ist unmöglich.
Das Wichtigste in Kürze
Egal ob Spielplatz, Auto oder Wohnraum: Die eigentlich aus dem Mittelmeerraum stammende Art fühlt sich aufgrund des wärmer werdenden Klimas auch in Deutschland wohl.
Besonders dramatisch sind sogenannte Superkolonien, die bis zu 100 Hektar große Nester bauen.
Eine Eindämmung wird von Expert:innen als quasi unmöglich eingeschätzt, mit speziellen Methoden lässt sich zumindest eine Ausbreitung der Plage begrenzen.
Sie dringen in Häuser ein, bedrohen die Infrastruktur, legen komplette Internetverbindungen lahm, sorgen bei Betroffenen für Schlafstörungen und Depressionen. Die Rede ist von der Ameisen-Kolonie Tapinoma magnum, die über deutsche Vorgärten, Autos und Kinderzimmer herfällt. Verzweifelte Anwohner:innen sollen einem Bericht des "Focus" zufolge sogar schon ihre Häuser verkauft haben.
Das scheint auch durchaus verständlich, denn die Eindämmung der schwarzen Krabbeltiere ist laut Expert:innen schwer bis unmöglich. Mit den richtigen Hilfsmitteln lässt sich zumindest eine sogenannte Superkolonie verhindern.
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So erkennst du eine Tapinoma magnum
Charakteristisch für das etwa zwei bis vier Millimeter große Insekt sind vor allem erhebliche Größenunterschiede innerhalb der Kolonie: Einige Tiere sind fast doppelt so groß wie andere. Auch die breiten, teils mehrspurigen Ameisenstraßen, auf denen sich die Tapinoma magnum bewegt, fallen auf. Damit lässt sich die Art klar von der einheimischen Schwarzen Wegameise unterscheiden, die primär einspurige Straßen bildet – von der Masse der Tapinoma magnum aber zunehmend verdrängt wird.
Die Art ist polygyn, hat also mehrere, teilweise sogar hunderte Königinnen. Daraus bilden sich sogenannte Superkolonien, bestehend aus Hunderttausenden bis Millionen Tieren. Sie wohnen in bis zu 100 Hektar großen, unterirdischen Nestern. Diese sind durch ihre auffälligen Sand- und Erdhügel allerdings auch an der Bodenoberfläche gut sichtbar. Wird ein Nest gestört, erscheinen schlagartig sehr viele Tiere.
Bei Bedrohung stößt die Tapinoma magnum einen intensiven Duftstoff aus. Wird ein Tier zerdrückt, verströmt es einen speziellen süßlichen Geruch, der an Aceton oder ranzige Butter erinnert. Die Art gilt außerdem als bissig und aggressiv. Krabbelt eine Ameise am Körper, kann sich das wie ein leichtes Zwicken anfühlen. Krankheiten überträgt sie nicht, soll aber kurzfristige Allergien auslösen können.
Die Art kann große Schäden anrichten. (Archivbild)
Bild: Uli Deck/dpa/dpa-tmn
"Der Kampf ist nicht mehr zu gewinnen"
Erstmals wurde die Tapinoma magnum, auf Deutsch auch Große Drüsenameise genannt, 2009 in Rheinland-Pfalz nachgewiesen. Ursprünglich stammt die Art aus dem Mittelmeerraum und ist vermutlich über Pflanzentransport nach Deutschland gelangt. Mittlerweile sind allein in Baden-Württemberg rund 90 Städte und Gemeinden betroffen. Weiter sind Funde in Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Schleswig-Holstein dokumentiert.
Kurzum: Die Art scheint es sich auch hierzulande inzwischen so richtig bequem gemacht zu haben. Ganz und gar nicht bequem sind die schwarzen Plagegeister für die Betroffenen. Die Tapinoma magnum befällt Häuser bis in die Spülmaschine, unterhöhlt Gehwege, durchsandet Spielplätze und macht auch vor Stromkabeln keinen Halt. In Kehl, nördlich von Freiburg, sorgte eine Superkolonie der Drüsenameise 2024 für Strom- und Internetausfälle, da sie ihre Nester auf elektrischen Anlagen baute.
"Focus" berichtet von verzweifelten Einwohner:innen, die nicht mehr Herr über die Ameiseninvasion werden. Für sie werden die kleinen Tiere zu einer zunehmend großen Belastung. Eine Frau aus der Pfalz sei sogar nach Teneriffa ausgewandert und habe ihr Eigenheim verkauft.
Die Ausrottung der Tapinoma magnum sei laut der Verantwortlichen der Ameisenbekämpfung in Karlsruhe, Karen Eßrich, unmöglich. "Der Kampf ist nicht mehr zu gewinnen", so die Expertin gegenüber "Focus". Nun zähle lediglich eins: weitere Ausbreitungen einer Superkolonie zu verhindern.
Kampf gegen die Ameisenplage: Das können Betroffene tun
Die Eindämmung der Superkolonien gilt auch deshalb als besonders schwierig, da die Nester bis zu einem Meter tief unter dem Boden liegen. Selbst Insektizide sorgen nicht für eine nachhaltige Besserung, zumal sie vor allem in Innenräumen gesundheitsschädigend sein können.
Bislang sind jedoch verschiedene Methoden bekannt, die zumindest eine Besserung der Plage bringen können:
Betroffene Stellen können mit heißem Wasser oder Heißschaum behandelt werden.
Forscher:innen aus Karlsruhe entwickelten die Lochstein-Methode: mit schwarzer Teichfolie ausgebettete Löcher, in die die Ameisen einziehen und dann ins Wasser ausgekippt werden können.
Weiter ist ein koordiniertes Handeln und eine Absprache mit Nachbar:innen dringend empfohlen, da die Ameisen schnell auf naheliegende Flächen abwandern.
Ebenfalls ausschlaggebend ist Schnelligkeit: Ein frühzeitiger Maßnahmenbeginn bestimmt maßgeblich die Erfolgsaussichten.
Die Kosten für so eine Bekämpfung sind allerdings nicht zu unterschätzen. Eine Stadtsprecherin in Kehl berichtete gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) von rund 50.000 Euro jährlichen Kosten im Betriebshof. Die Anschaffung des Heißwassergerätes kostete 60.000 Euro. Karlsruhe kommt auf das Doppelte sowie auf rund eine Million Euro Personalkosten pro Jahr.
Ein Ende der Tapinoma-magnum-Plage ist wohl lange nicht in Sicht. Die zunehmende Beliebtheit mediterraner Pflanzen wie Olivenbäumen in Gärten und Restaurantaußenbereichen befeuert die weitere Ausbreitung. Besonders günstig spielt der Ameise der Klimawandel in die Karten, wie "Focus" unter Berufung auf das Umweltbundesamt berichtet. Angesichts der milderen Winter fühlt sich die Große Drüsenameise hierzulande zunehmend wohl.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Focus: "Ameisen-Superkolonie macht sich in Deutschland breit"
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