Vertrag prüfen
Steigende Gaspreise: Für wen sich jetzt ein Wechsel lohnt
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
Energiepreise als größtes Inflationsrisiko
Videoclip • 01:05 Min • Ab 12
Der Iran-Konflikt treibt die Großhandelspreise für Gas wieder nach oben. Für Haushalte können sich derzeit noch Tarife mit Preisgarantie lohnen – doch nicht jede:r muss sofort handeln.
Das Wichtigste in Kürze
Die Großhandelspreise für Gas sind wegen des Iran-Konflikts wieder gestiegen, auch Neukundentarife für Privathaushalte wurden teurer.
Wer noch eine längere Preisgarantie hat, muss nicht sofort wechseln; ohne Garantie oder bei baldigem Vertragsende lohnt sich ein Vergleich.
Bei neuen Tarifen sollten Kund:innen auf Laufzeit, Preisgarantie, Grundpreis und Bonusbedingungen achten – nicht nur auf den beworbenen Preis.
Der anhaltende Konflikt zwischen den USA und dem Iran lässt die Großhandelspreise für Gas erneut steigen. Am wichtigen niederländischen Handelsplatz TTF liegt der Preis laut Stiftung Warentest seit Anfang September über 70 Euro je Megawattstunde. Kurz nach Beginn des Iran-Kriegs im März waren es noch rund 65 Euro.
Auch bei Privatkund:innen sind die Preise bereits leicht gestiegen. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden zahlte laut Vergleichsportal Verivox Anfang August im Schnitt 11,2 Cent je Kilowattstunde für einen Neukundentarif. Im März waren es noch 10,37 Cent gewesen – jeweils inklusive anteiligem Grundpreis.
Nicht jede:r muss sofort wechseln
Wer einen laufenden Vertrag mit einer mehrmonatigen Preisgarantie hat, muss laut Stiftung Warentest zunächst nicht zwingend handeln. Entscheidend ist, wie lange der Vertrag noch läuft, welche Kündigungsfrist gilt und ob die Preisgarantie tatsächlich den Arbeits- und Grundpreis abdeckt.
Anders sieht es aus, wenn die Erstvertragslaufzeit bald endet oder die Preisgarantie bereits ausgelaufen ist. Dann kann es sinnvoll sein, frühzeitig neue Angebote zu vergleichen. Ein Anbieterwechsel ist häufig schon vier bis sechs Monate vor Vertragsende möglich. Wer jetzt einen Vertrag abschließt, sichert sich zumindest das aktuelle Preisniveau – ob Gas später günstiger oder teurer wird, lässt sich nicht zuverlässig vorhersagen.
Preisgarantie genau prüfen
Bei der Suche nach einem neuen Tarif empfiehlt Stiftung Warentest eine Preisgarantie von mindestens zwölf Monaten. Allerdings gilt diese bei vielen Angeboten nicht für alle Preisbestandteile. Steigen etwa Steuern, Umlagen, der CO₂-Preis oder teils auch die Netzentgelte, können Versorger die Mehrkosten trotz Preisgarantie weitergeben.
Wichtig ist deshalb nicht nur der Arbeitspreis pro Kilowattstunde. Auch der Grundpreis und die gesamte jährliche Kostenprognose zählen. Vergleichsportale wie Check24, Verivox oder Stromauskunft können bei der Orientierung helfen. Es lohnt sich aber auch, Tarife des örtlichen Stadtwerks direkt zu prüfen. Diese sind nicht immer auf Vergleichsportalen gelistet.
Vorsicht bei Bonus-Tarifen
Besonders aufmerksam sollten Kund:innen bei hohen Neukundenboni sein. Sie senken den Preis oft nur im ersten Vertragsjahr. Danach kann der Tarif deutlich teurer werden, wenn nicht erneut gewechselt wird. Stiftung Warentest rät deshalb dazu, bei der Suche zunächst Angebote ohne Bonus auszuwählen – außer man plant bewusst, nach Ablauf der Laufzeit wieder aktiv zu vergleichen.
Kommt es zu einer Preiserhöhung, besteht grundsätzlich ein Sonderkündigungsrecht. Verbraucher:innen können dann bis zum Inkrafttreten der Erhöhung kündigen. Wer den Anbieter wechselt, muss im Normalfall nicht selbst kündigen: Der neue Gasversorger übernimmt dies meist nach einer entsprechenden Vollmacht.
Auch wenn ein Wechsel scheitert, droht keine Unterbrechung der Gasversorgung. In diesem Fall übernimmt der örtliche Grundversorger. Für Haushalte gilt deshalb vor allem: Vertrag rechtzeitig prüfen, Preise vergleichen und bei steigenden Kosten nicht abwarten, bis die nächste Jahresabrechnung kommt.
Verwendete Quellen:
Stiftung Warentest: "Wer jetzt den Gasvertrag wechseln sollte"
Stiftung Warentest: "Günstigen Gas-Tarif finden und wechseln – so gehts"
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