Soziales in Bayern
Hilfetelefon für Männer: Anlaufstelle bei Gewalt
Veröffentlicht:
von Josefine EnkeGewalt kann auch von Frauen ausgehen. (Symbolbild)
Bild: Maurizio Gambarini/dpa
Psychische Gewalt, Demütigungen, Schläge: Auch Männer werden Opfer von Gewalt. Doch das ist oft mit Scham behaftet. Wie Betroffene das Schweigen überwinden können und wo Hilfe zu finden ist.
Leid bleibt oft im Verborgenen
Rund 970 Mal haben Anrufer aus Bayern im vergangenen Jahr das "Hilfetelefon Gewalt an Männern" angerufen. "Ob psychische Gewalt, Misshandlung, Mobbing oder Übergriffe in der Partnerschaft, die Fachkräfte hören zu – anonym, kostenlos und sicher", betonte das Sozialministerium in München anlässlich des sechsjährigen Bestehens des Angebots. Denn: "Auch Männer erleben Gewalt – in der Kindheit, auf der Straße, in Institutionen oder in der Partnerschaft."
So sind den Angaben zufolge etwa 30 Prozent der Opfer häuslicher Gewalt männlich. Allerdings bleibt ihr Leid häufig im Verborgenen. "Oft stecken Männer die Demütigungen, Drohungen oder Schläge jahre- und sogar jahrzehntelang ein. Denn darüber spricht man(n) nicht", schilderte Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU). Oft aus Scham: Der Mythos vom "starken Mann" halte sich hartnäckig. "Ich würde mir sehr wünschen, dass noch mehr Männer diese Spirale des Schweigens durchbrechen, denn ein gewaltfreies Leben ist möglich", betonte Scharf.
Gewalt oftmals durch die (Ex-) Partnerin oder den (Ex-)Partner
Aus den Erhebungen des Männerhilfetelefons geht hervor, dass die Betroffenen 2025 in knapp zwei Dritteln (61 Prozent) der Fälle Gewalt von der (Ex-)Partnerin oder dem (Ex-)Partner ausgesetzt waren. In über zwei Dritteln der Fälle wurde eine ausschließlich weibliche Täterschaft angegeben, teilte das Ministerium mit. Am häufigsten sei bei den Gesprächen der Wunsch nach psychosozialer Beratung geäußert worden (50 Prozent). "Ebenfalls hoch war der Bedarf, eine Beratung bezüglich einer aktuellen Gewaltsituation (41 Prozent) oder Schutz vor weiterer Gewalt (34 Prozent) zu erhalten."
Das unter der Nummer 0800 123 99 00 erreichbare Männerhilfetelefon war am 22. März 2020 an den Start gegangen. Es bietet betroffenen Männern ein offenes Ohr und konkrete Hilfe. Riefen im Gründungsjahr noch 1.480 Menschen an, waren es im vergangenen Jahr schon 4.051 Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet. Bei mehr als zwei Dritteln der Anrufer handele es sich um von Gewalt direkt Betroffene, erläuterte das Ministerium - wobei die Gewalt vor allem in der Partnerschaft oder dem nahen sozialen Umfeld stattfinde. Knapp ein Viertel der Anrufe komme aus dem sozialen Umfeld der Betroffenen oder aus Fachstellen.
Das Männerhilfetelefon wird von Augsburg aus betrieben. Neben den Gründungsländern Bayern und Nordrhein-Westfalen beteiligen sich Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz an der Finanzierung. Neben telefonischer Beratung erhalten Betroffene beim Männerhilfetelefon auch online Unterstützung unter www.maennerhilfetelefon.de. Im Freistaat gibt es darüber hinaus auch spezialisierte Beratungsstellen in München, Nürnberg und Augsburg sowie Schutzwohnungen in Nürnberg und Augsburg.
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Verwendete Quelle:
Nachrichtenagentur dpa
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