Gerüchte über Hausarrest
Wo ist Elwira Nabiullina? Verschwinden von Putins Zentralbankchefin sorgt für Wirbel
Veröffentlicht:
von Max Strumberger:newstime
Rätsel um Putins Zentralbankchefin
Videoclip • 01:11 Min • Ab 12
Russlands mächtigste Notenbankerin ist seit Tagen verschwunden: Elwira Nabiullina fehlt bei zentralen Terminen, selbst bei einem Treffen mit Wladimir Putin. Offiziell ist sie krank – doch ihre Abwesenheit löst in Moskau heftige Spekulationen aus.
Das Wichtigste in Kürze
Die russische Zentralbankchefin Elwira Nabiullina gilt als eine eine Schlüsselfigur in Putins System
Nun ist Elwira Nabiullina seit Tagen nicht mehr öffentlich zu sehen.
Ihr Fehlen wirft Fragen auf – und lässt Moskau über einen Bruch rätseln.
Russlands mächtige Zentralbankchefin Elwira Nabiullina ist spurlos verschwunden. Seit Anfang Juni wurde sie bei mehreren wichtigen Terminen vermisst, darunter das St. Petersburger Wirtschaftsforum, eine Fachkonferenz des Finanzsektors und ein Treffen mit Präsident Wladimir Putin zu Inflation und Leitzins. Gerade diese Themen zählen zum Kernbereich ihrer Verantwortung. Jetzt wachsen die Spekulationen über die Gründe für ihr Fehlen.
Offiziell verweisen Zentralbank und Kreml auf eine Erkrankung. Nabiullina sei krankgeschrieben, erklärte die Notenbank, auch Kremlsprecher Dmitri Peskow sprach von einem gewöhnlichen Krankheitsfall und warnte vor Verschwörungstheorien. Angaben zur Art der Erkrankung oder zu einem möglichen Zeitpunkt ihrer Rückkehr machte jedoch niemand. Das nährt zusätzliche Fragen, zumal auch ihre Stellvertreter bei einem wichtigen Kreml-Termin fehlten.
Gerüchte über Hausarrest
Spekulationen über die Gründe ihrer Abwesenheit haben an Fahrt aufgenommen. Unabhängige und oppositionelle Medien berichten über mögliche Spannungen zwischen Nabiullina und dem Machtapparat. Im Raum stehen unbestätigte Behauptungen über stillen Protest gegen die hohen Kriegskosten, ein mögliches Rücktrittsszenario oder sogar Hausarrest. Belege dafür gibt es bislang nicht, doch das Schweigen der Führung verstärkt die Gerüchte.
Nabiullina gilt seit Jahren als eine der einflussreichsten Figuren der russischen Wirtschaftspolitik. Die Zentralbank bündelt in Russland außergewöhnlich viele Kompetenzen: Sie steuert die Geldpolitik, beaufsichtigt den Finanzsektor und spielt eine Schlüsselrolle für die Stabilität des Landes, gerade im Hinblick auf westliche Sanktionen. Ihr politisches Gewicht beruhte dabei auch auf dem Vertrauen Putins, das ihr lange einen ungewöhnlich unabhängigen Kurs ermöglichte – selbst gegen Kritik aus Wirtschaft und Politik.
Nabiullina noch bis 2027 im Amt
Umso größer wäre die Bedeutung eines möglichen Abgangs. Nabiullinas aktuelle Amtszeit läuft bis 2027, eine reguläre vierte Amtszeit ist gesetzlich bislang nicht vorgesehen. Dennoch wird bereits über mögliche Nachfolger spekuliert. Sollte sie tatsächlich ausfallen oder vorzeitig gehen, stünde Russland nicht nur vor einem personellen Wechsel, sondern vor einer Richtungsentscheidung in der Wirtschafts- und Geldpolitik. Bis zu ihrem nächsten geplanten öffentlichen Termin Anfang Juli dürfte das Rätsel um ihre Abwesenheit deshalb weiter wachsen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Medusa
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