Nun doch keine Verhandlungen?
Kurz vor Ende der Waffenruhe: US-Marine greift iranischen Frachter an
Veröffentlicht:
von Marie-Finn Bruker:newstime
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Videoclip • 01:19 Min • Ab 12
Kurz vor Auslaufen der Waffenruhe mit dem Iran hatte sich Donald Trump zu weiteren Gesprächen bereiterklärt. Kurze Zeit später greift das US-Militär ein iranisches Schiff an. In Teheran wächst das Misstrauen gegenüber Washington – doch was wird aus den geplanten Verhandlungen?
Das Wichtigste in Kürze
Kurz nach Trumps Verhandlungsangebot griff die US-Marine einen iranischen Frachter an.
Der Iran reagiert mit Misstrauen, man sehe "keine aussichtsreiche Perspektive für seriöse Verhandlungen".
US-amerikanischen Berichten zufolge befürchten iranische Beamte hinter Trumps Worten einen Überraschungsangriff.
Ein iranischer Frachter habe versucht, die US-Seeblockade zu durchbrechen, so US-Präsident Donald Trump auf der Plattform Truth Social. Das Schiff befand sich laut dem US-Regionalkommando Centcom auf dem Weg zur iranischen Küstenstadt Bandar Abbas in der Straße von Hormus.
Nach mehreren Warnungen habe die US-Marine den Maschinenraum räumen lassen und den Antrieb des Frachters außer Betrieb gesetzt. Wie das Militärkommando weiter mitteilte, befinde sich das Schiff nun unter Kontrolle der USA.
Die Ölpreise zogen infolge der neuen Eskalation wieder an.
Auch in den News:
Iran sieht keine Perspektive für Verhandlungen
Dieser Gewalteinsatz der USA sei eine "bewaffnete Seepiraterie", so Irans Militär. Der iranische Sender Press TV erklärte als Konsequenz auf den Angriff, man werde "bald reagieren".
Bereits zuvor hatte die USA 25 iranische Schiffe dazu aufgefordert, umzudrehen oder in ihre Häfen zurückzukehren. Dies ist jedoch der erste bekannte Vorfall, bei dem zu Gewalt gegriffen wurde.
Mit Blick auf die am Mittwoch (22. April) endende Feuerpause standen weitere Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA an. Trump hatte bereits angekündigt, seine Vertreter seien dafür noch am Abend in Pakistans Hauptstadt Islamabad. Wenige Stunden später folgte der Angriff.
Zu einer Teilnahme an den Verhandlungen hatte sich der Iran nicht offiziell geäußert – bis jetzt: Teheran sehe "keine aussichtsreiche Perspektive für seriöse Verhandlungen", so die Staatsagentur Irna. Der iranische Präsident Massud Peseschkian warf dem Weißen Haus einen Vertragsbruch vor.
Trump droht mit Zerstörung des Irans
Angesichts der Verhandlungen würden die USA der iranischen Führung einen "sehr fairen und vernünftigen Deal" anbieten, so Trump. Vizepräsident JD Vance, der Sondergesandte Steve Witkoff und Trump-Schwiegersohn Jared Kushner sollten nach Islamabad reisen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa) aus dem Weißen Haus.
Trump droht dem Iran: Sollte der Deal nicht angenommen werden, "werden die Vereinigten Staaten jedes einzelne Kraftwerk und jede einzelne Brücke im Iran ausschalten".
Die iranische Führung lehnt ein zweites Treffen laut Staatsagentur Irna aber ab. Grund seien der ständige Kurswechsel und übertriebene Forderungen der USA sowie die fortgesetzte Blockade iranischer Häfen. Wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim mitteilte, werde es keine Verhandlungen geben, solange die US-Marine weiter an ihrer Seeblockade vor der Straße von Hormus festhalte.
Präsident Peseschkian: Klarer Verstoß gegen die Waffenruhe
Laut US-Nachrichtenportal "Axios" befürchten iranische Beamte, hinter Trumps Worten stecke ein Überraschungsangriff auf den Iran. Es handle sich um eine gezielte Täuschung des US-Präsidenten gegenüber der Führung in Teheran, so die Annahme.
"Die fortgesetzten provokanten und illegalen Handlungen der USA" gegen den Iran stellten einen klaren Verstoß gegen die auslaufende Waffenruhe dar, heißt es von Irans Präsident Peseschkian in einem Telefonat mit dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif. Als Konsequenz dieser Eingriffe sowie Trumps Drohungen vertiefe sich das Misstrauen. Man sei entschlossen, das Land gegen "erneutes Abenteurertum" der USA und Israels konsequent zu verteidigen.
Sicherheitsvorkehrungen für zweite Verhandlung
Die pakistanische Regierung hatte sich bislang nicht offiziell zu den neuen Verhandlungen in Islamabad geäußert.
Gegenüber seinem iranischen Kollegen Abbas Araghtschi betonte der Ressortchef Ishaq Dar allerdings, ein kontinuierlicher Dialog sei entscheidend, um Spannungen zu entschärfen und Frieden in der Region zu fördern.
Eine Woche zuvor hatte die erste Gesprächsrunde in der sogenannten Roten Zone, die Botschaften und Regierungsgebäude umfasst, stattgefunden. Sie blieb ohne konkrete Ergebnisse.
Nun laufen in Islamabad die Vorbereitungen für eine neue Verhandlungsrunde. Infolge von Sicherheitsvorkehrungen wird die Zone wieder abgesperrt.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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