Neues Dekret
Trump bringt Vollmilch zurück in die Schulkantinen der USA
Veröffentlicht:
von Michael ReimersTrump hat ein Dekret unterzeichnet, das Schulen erlaubt, sowohl Vollmilch als auch 2%-Milch zu servieren.
Bild: ABACAPRESS
US-Präsident Donald Trump hat ein Gesetz unterschrieben, das Vollmilch und 2‑Prozent-Milch wieder in amerikanische Schulkantinen bringt und damit zentrale Vorgaben aus der Obama-Ära kippt. Befürworter:innen feiern mehr Wahlfreiheit, während Fachleute vor einem höheren Anteil gesättigter Fette im Speiseplan von Millionen Schüler:innen warnen.
Das Wichtigste in Kürze
Ein neues Gesetz der Trump-Regierung erlaubt US-Schulen wieder Vollmilch und 2‑Prozent-Milch und lockert damit die seit der Obama-Ära geltenden Fettbegrenzungen in der Schulspeisung.
Die Milchwirtschaft feiert den Schritt, während Studien und Expert:innen uneins sind, ob Vollmilch Kinder eher schützt oder durch mehr gesättigte Fette gesundheitlich belastet.
Herzorganisationen und Forschungseinrichtungen warnen, dass der stärkere Fokus auf Vollfett-Milchprodukte ohne klare Portionsvorgaben das Ziel gefährden kann, den Anteil gesättigter Fette in der Ernährung von Kindern niedrig zu halten.
Mit dem von US-Präsident Donald Trump unterzeichneten "Whole Milk for Healthy Kids Act" dürfen Schulen im staatlichen National School Lunch Program künftig wieder Vollmilch und Milch mit 2 Prozent Fett ausschenken. Seit 2012 waren ihnen vor allem fettarme und fettfreie Sorten vorgeschrieben. Betroffen sind rund 30 Millionen Kinder und Jugendliche, die täglich über das Programm mit Mahlzeiten versorgt werden.
Das Gesetz öffnet außerdem die Tür für nicht-tierische Alternativen wie angereicherte Sojamilch. Solche Drinks sind erlaubt, wenn sie den Nährwertstandards von Kuhmilch entsprechen. Neu ist auch: Eine einfache Notiz der Eltern reicht, damit Schüler:innen eine milchfreie Alternative bekommen – bislang war meist ein ärztliches Attest nötig.
Politik kippt Vorgaben aus der Obama-Ära
Die Reform bedeutet eine klare Abkehr von der Linie der früheren First Lady Michelle Obama, deren "Healthy Hunger-Free Kids Act" Fett und Kalorien in Schulmahlzeiten begrenzen sollte. Trump sagte bei der Unterzeichnung im Weißen Haus: "Ob Demokrat oder Republikaner, Vollmilch ist eine großartige Sache."
Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. sprach laut US-Medien von "einer längst überfälligen Korrektur der Schulernährungspolitik". Landwirtschaftsministerin Brooke Rollins warf der früheren Regierung eine "kurzsichtige Kampagne, Vollmilch loszuwerden" vor. Die neuen Ernährungsleitlinien 2025–2030 der Regierung betonen nun "Vollfett-Milchprodukte ohne zugesetzten Zucker" – ein Bruch mit älteren Empfehlungen, die fettarme Varianten bevorzugten.
US-Regierung wirbt mit Milchbart-Kampagne
Begleitet wird der Kurswechsel durch eine auffällige Kampagne des Landwirtschaftsministeriums (USDA). In einem viel beachteten Social-Media-Beitrag ist Trump mit einem Glas Milch im Oval Office und einem weißen "Milchbart" zu sehen, darüber der Slogan: "Der Milchbart ist zurück. Trink Vollmilch." Der Post, versehen mit dem Hashtag #DrinkWholeMilk, erreichte Millionen Menschen und löste sowohl Spott als auch Zustimmung aus.
Die Aktion ist Teil eines breiteren gesundheitspolitischen Programms unter dem Motto "Make America Healthy Again", das laut USDA stärker auf Vollfett-Milchprodukte, Proteine und bestimmte Fette setzt. Kritiker:innen werfen der Behörde jedoch vor, sich zu stark an den Interessen der Milchindustrie zu orientieren.
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Milchindustrie und Befürworter:innen des Gesetzes
Die Milchwirtschaft hatte die Rückkehr von Vollmilch seit Jahren gefordert. Michael Dykes, Präsident der International Dairy Foods Association, erklärte, "das lange Warten ist vorbei, Vollmilch kommt in die Schulen zurück", und nannte das Gesetz "einen Gewinn für unsere Kinder, Eltern und Verantwortliche der Schulernährung", weil es Schulen erlaube, aromatisierte und nicht aromatisierte Milch "mit allen gesunden Fettstufen anzubieten, die den Bedürfnissen der Schüler entsprechen".
Schulen können künftig aus einem breiten Spektrum wählen: Vollmilch, 2‑Prozent-, 1‑Prozent- und laktosefreie Milch, jeweils konventionell oder bio, aromatisiert oder nicht. Auch pflanzliche Drinks sind möglich, sofern sie die Nährwertkriterien erfüllen. Viele Schulbezirke werden allerdings ihre Lieferketten erst anpassen müssen, bevor Vollmilch flächendeckend zurückkehrt.
Streit um Fett: Wie gesund ist Vollmilch für Kinder?
Ernährungsmediziner:innen liefern unterschiedliche Einschätzungen. Forschung nach Einführung der Obama-Regeln zeigte, dass sich der Anstieg der Kinder- und Jugendadipositas in den USA verlangsamte. Gleichzeitig verweisen neuere Studien auf mögliche Vorteile von Vollmilch: Eine Übersichtsarbeit von 2020 über 28 Studien kam zu dem Ergebnis, dass Kinder, die Vollmilch trinken, ein um etwa 40 Prozent geringeres Risiko haben könnten, übergewichtig oder adipös zu sein als Kinder mit fettarmer Milch – ohne dass eindeutig belegt ist, dass die Milch der Grund dafür ist.
Der renommierte Ernährungsforscher Dariush Mozaffarian von der Tufts University sagte, es gebe "keinen nennenswerten Vorteil", fettarme statt fettreiche Milchprodukte zu wählen, und erklärte weiter, "gesättigtes Fett in Milchprodukten ist mit keinen nachteiligen Gesundheitsfolgen in Verbindung gebracht worden". Solche Aussagen stützen den politischen Kurs, Vollfett-Produkte zu rehabilitieren, stoßen aber auf Widerspruch.
Gesundheitsorganisationen mahnen zur Vorsicht. Die American Heart Association erklärte, dass sie trotz der neuen Leitlinien weiter den Konsum fettarmer und fettfreier Milchprodukte empfehle, "die für die Herzgesundheit vorteilhaft sein können". Expert:innen der Harvard T.H. Chan School of Public Health rechnen vor, dass drei Portionen Vollfett-Milchprodukte in einer Standarddiät bereits fast das Tageslimit von 10 Prozent der Kalorien aus gesättigten Fetten ausschöpfen können.
Karen Peterson von der University of Michigan lobte zwar, dass viele Aspekte der Leitlinien "gesunde Ernährung fördern und Krankheitsrisiken senken" könnten, warnte aber, dass das Anpreisen von rotem Fleisch und fettreichen Milchprodukten "ohne klare Vorgaben zu Portionsgrößen und Anzahl der Portionen" leicht die Bemühungen unterlaufe, die Energieaufnahme aus gesättigten Fetten unter 10 Prozent zu halten.
Verwendete Quellen:
CBS News: "Trump signs bill allowing whole milk to return to school lunches"
USA today News: "Got (whole) milk? USDA uses a mustachioed Trump to push whole dairy"
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