GKV-Spitzenverband
Streit um lange Wartezeiten: Krankenkassen wollen Terminvergabe neu regeln
Veröffentlicht:
von Damian Rausch:newstime
Wartezeiten für Kassenpatienten: Frei fordert Reform
Videoclip • 01:03 Min • Ab 12
Gesetzlich Versicherte warten häufig länger auf Arzttermine als Privatversicherte. Der GKV-Spitzenverband fordert nun neue Regeln: Entscheidend soll künftig der medizinische Bedarf sein.
Das Wichtigste in Kürze
Der GKV-Spitzenverband fordert, Arzttermine künftig nach medizinischem Bedarf statt nach Versicherungsstatus zu vergeben.
Eine zentrale Plattform könnte einen festen Anteil freier Termine von Arztpraxen für Patientinnen und Patienten zugänglich machen.
Auch aus Politik und Sozialverbänden werden Forderungen nach gerechteren Wartezeiten für gesetzlich Versicherte laut.
Streit um lange Wartezeiten: Krankenkassen wollen Terminvergabe neu regeln
Wer dringend ärztliche Hilfe benötigt, soll bei der Suche nach einem Termin Vorrang haben – unabhängig davon, ob er gesetzlich oder privat versichert ist. Mit dieser Forderung schaltet sich der GKV-Spitzenverband in die Debatte über die unterschiedlichen Wartezeiten bei Arztterminen ein.
Nach Angaben der Deutschen Presse-Agentur (dpa) fordert Verbandschef Oliver Blatt, Termine künftig konsequenter nach medizinischer Dringlichkeit zu vergeben. Dass gesetzlich Versicherte trotz ihres großen Anteils an der Finanzierung ärztlicher Honorare häufig länger auf einen Termin warten müssten, bezeichnete Blatt als "himmelschreiende Ungerechtigkeit". Rund 75 Millionen Menschen seien gesetzlich krankenversichert.
Auch in den News:
Zentrale Plattform für freie Arzttermine gefordert
Eine mögliche Lösung hatte der GKV-Spitzenverband bereits zuvor vorgeschlagen: Arztpraxen könnten verpflichtet werden, einen bestimmten Anteil ihrer Termine auf einer tagesaktuellen Plattform bereitzustellen. Bei der Vergabe sollte nach Vorstellung des Verbandes zudem keine Rolle mehr spielen, ob Patientinnen und Patienten privat oder gesetzlich versichert sind.
Die Diskussion über unterschiedliche Wartezeiten hatte zuletzt auch Bundeskanzler Friedrich Merz aufgegriffen. Wenn Privatversicherte sofort Leistungen erhielten, während gesetzlich Versicherte Wochen oder Monate warten müssten, sei dies ein "Gerechtigkeitsproblem", hatte der CDU-Politiker erklärt.
Unterstützung für Veränderungen kommt auch von Unionsfraktionschef Thorsten Frei. Er fordert, dass alle Versicherten innerhalb einer angemessenen Zeit einen Facharzttermin bekommen. Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann soll dazu Vorschläge erarbeiten.
GKV-Chef spricht nicht von "Zweiklassenmedizin"
Von einer grundsätzlichen "Zweiklassenmedizin" will Blatt dennoch nicht sprechen. Bei der eigentlichen Behandlung gebe es seiner Einschätzung nach bei den meisten Ärztinnen und Ärzten keine entsprechende Unterscheidung. Das Problem liege vielmehr darin, wie schnell Patientinnen und Patienten überhaupt einen Termin bekommen. Privatversicherte sollten weiterhin behandelt, aber nicht automatisch bevorzugt werden.
Noch grundsätzlicher hatte sich zuletzt der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, geäußert. Er sprach sich dafür aus, das bisherige System aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung umzubauen und beide Versicherungsformen durch ein neues Modell zu ersetzen.
Auch der Sozialverband Deutschland fordert Veränderungen. Vorstandsvorsitzende Michaela Engelmeier verlangte eine bedarfsgerechte Versorgung und mahnte, Menschen dürften nicht monatelang auf eine notwendige fachärztliche Behandlung warten.
Parallel dazu wächst der finanzielle Druck auf die gesetzlichen Krankenkassen. Laut Schätzerkreis könnten ihre Ausgaben innerhalb eines Jahres von 370,1 auf 378,1 Milliarden Euro steigen. Über eine umfassendere Reform wird bereits beraten; Vorschläge soll die FinanzKommission Gesundheit vorlegen.
Verwendete Quellen:
dpa: "Krankenkassen für Terminvergabe nach medizinischem Bedarf"
GKV-Spitzenverband: "Zugang zur gesundheitlichen Versorgung gerecht gestalten"
Kölner Stadt-Anzeiger: "Krankenkassen: Thorsten Frei kündigt gerechte Lösung bei Facharztterminen an"
Der Spiegel: "TK-Chef fordert Abschaffung von gesetzlicher und privater Krankenversicherung"
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