Neues Konzept für mehr Klimaschutz
Solarbonus: Grüne planen Gratis-Strom für Sommerstunden
Veröffentlicht:
von Benedikt RammerDie Grünen planen einen "Solarbonus", der 600 Stunden Gratis-Strom im Sommer bietet.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Die Grünen wollen mit einem innovativen Konzept die Akzeptanz der Energiewende erhöhen. Ein Solarbonus soll Haushalten 600 Stunden Gratis-Strom im Sommer bieten und gleichzeitig das Stromnetz entlasten.
Das Wichtigste in Kürze
Die Grünen planen einen "Solarbonus", der 600 Stunden Gratis-Strom im Sommer bietet.
Das Konzept soll sowohl die Akzeptanz der Energiewende erhöhen als auch das Stromnetz entlasten.
Dynamische Stromtarife und Steuergelder könnten die Umsetzung unterstützen.
Die Energiewende ist eine der zentralen politischen Herausforderungen unserer Zeit, doch ihre Umsetzung stößt nicht immer auf breite Zustimmung. Die Grünen möchten dies ändern und planen auf ihrem Parteitag Ende November in Hannover die Einführung eines sogenannten "Solarbonus". Mit diesem Konzept sollen Haushalte im Sommer von 600 Stunden Gratis-Strom profitieren und gleichzeitig das Stromnetz effizienter gestaltet werden.
Simon Müller, ehemaliger Direktor des Thinktanks Agora Energiewende und Physiker, hat das Konzept entwickelt. Er erklärt im Gespräch mit dem "Tagesspiegel": "Im Sommer haben wir wegen des erfolgreichen Ausbaus der Erneuerbaren inzwischen tagsüber zu viel Strom und zu wenig Verbrauch." Dieser Überschuss führt dazu, dass Wind- und Solaranlagen ihren Strom nicht ins Netz einspeisen können und dafür entschädigt werden müssen. Müllers Lösung sieht vor, die Netzentgelte in den Sommermonaten zur Mittagszeit auf Null zu senken, um Verbraucher:innen zu animieren, mehr Strom zu nutzen oder Batteriespeicher zu füllen.
Dynamische Tarife und neue Anreize
Der Solarbonus geht jedoch über Gratis-Strom hinaus. Müller schlägt zudem einen "Booster-Tarif" für Besitzer:innen von privaten Solaranlagen vor. Dieser soll sie motivieren, gespeicherten Strom insbesondere in den Abendstunden in den Markt einzuspeisen. Dadurch würde das Stromangebot steigen und die Preise insgesamt sinken. "Die Systematik der Netzentgelte kommt aus dem letzten Jahrhundert, da ist viel Spielraum, um Kosten zu sparen", so Müller weiter.
Dynamische Stromtarife für Privatkund:innen sind bislang wenig verbreitet, obwohl die Anbieter gesetzlich dazu verpflichtet sind, diese anzubieten. Der Einsatz von intelligenten Stromzählern (Smart Meter) könnte hier Abhilfe schaffen und die Nachfrage für solche flexiblen Tarife steigern.
Kritik und finanzielle Herausforderungen
Für Energieversorger und Netzbetreiber bedeutet der Solarbonus allerdings finanzielle Einbußen. Laut Müller könnten diese Kosten auf rund zwei Milliarden Euro für 400 Stunden Gratis-Strom belaufen. Er schlägt vor, diese Summe mit Steuergeldern auszugleichen. Grünen-Vize Sven Giegold sieht in dem Konzept dennoch großes Potenzial: "Im Moment zahlen wir im Sommer dafür, dass die Erneuerbaren nicht laufen. Der Solarbonus nutzt dem System und schafft Akzeptanz."
Das Konzept fügt sich nahtlos in den Leitantrag der Grünen-Spitze zum Thema Energie und Klima ein. Der Antrag betont die Notwendigkeit einer gerechten Gestaltung der Energiewende, die möglichst alle Teile der Gesellschaft einbindet. "Klimaschutz wird nur dann breite gesellschaftliche Akzeptanz erfahren, wenn es sich alle leisten können und etwas davon haben", heißt es darin.
Verwendete Quellen:
Tagesspiegel: "Vorschlag vor Parteitag: Grüne wollen 600 Stunden Gratis-Strom für alle"
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