CSU-Chef in der ARD-"Arena"

"Das ist für Sie schon reich?": Söder bei Klamroth fassungslos

Veröffentlicht:

von Doris Neubauer

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Söder offen für Reichensteuer

Videoclip • 54 Sek • Ab 12


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CSU-Parteivorsitzender Markus Söder und Moderator Louis Klamroth hatten an diesem Montagabend ganz offenbar einen Narren aneinander gefressen. In der ARD-"Arena" verstrickten sich die beiden immer wieder in hitzige Wortgefechte.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bayerns Ministerpräsident war zu Gast in der ARD-"Arena" von Moderator Louis Klamroth.

  • Bei der Frage, ab wann jemand in Deutschland reich ist, geraten die beiden aneinander.

  • Danach will Klamroth den "Werbeblock für Bayern" von CSU-Chef Söder beenden.

Aussage zum Spitzensteuersatz: Moderator Klamroth erstaunt Söder

Die Gerechtigkeitsfrage ließ in der ARD-"Arena" niemanden kalt. 81 Prozent der Befragten in einer "Infratest"-Umfrage halten den Wohlstand in Deutschland für nicht gerecht verteilt, brachte Moderator Louis Klamroth eine Studie ins Spiel. Viele wünschten sich eine Reform, entgegnete sein Gast, der bayerische Ministerpräsident und CSU-Parteivorsitzende Markus Söder, und verwies auf eine andere Umfrage: "Aber wahrscheinlich lieber nicht bei mir, sondern beim Anderen", gab er zu bedenken.

"Dass sehr reiche Menschen sagen, 'bei mir lieber nicht', kann ich verstehen", fiel ihm Klamroth ins Wort. Doch der Moderator, der mit Jessy Wellmer durch den Abend führte, hatte offenbar nicht mit Söder gerechnet: "Das finde ich nicht. So wie Sie es machen, ist es nicht fair", korrigierte dieser ihn, "Sie können nicht einfach sagen, dass reiche Menschen - oder was immer in Deutschland reich ist - sagen, die wollen nicht." Was denn für ihn reich sei, wollte Söder wissen. Klamroths Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Leute, die Spitzensteuersatz zahlen."

Die Antwort brachte den CSU-Chef aus der Fassung: "Das ist für Sie schon reich?", fragte er. "Ein Facharbeiter, ein Mittelständler, ein Handwerksmeister ist für Sie ein reicher Mann? Keiner von ihnen verdient - da wette ich - annähernd so viel wie Sie", forderte er den Moderator heraus. Der musste klein beigeben: "Wahrscheinlich haben Sie recht."

Für Söder war das ein gefundenes Fressen, argumentierte der Bayer doch, dass der Spitzensteuersatz erst später greifen sollte. "Mit 70.000 Euro ist man noch kein reicher Mann in Deutschland", meinte er.


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"Bei der Stromerzeugung sind wir ganz vorne"

Es war nicht das letzte Mal, dass es an diesem Abend zu einem Wortgefecht zwischen Söder und Moderator Louis Klamroth kam. Gleich bei der zweiten Frage kam es zu einem Schlagabtausch. Eine der 120 Besucherinnen und Besucher, die in Nürnberg ihre Fragen stellten, hatte sich nach dem Ausbau von erneuerbaren Energiequellen in Bayern erkundigt. "Bei der Stromerzeugung sind wir ganz vorne", betonte Söder und verwies vor allem auf die Photovoltaik.

In Relation auf die Fläche sei das nicht der Fall, "weil dann sind Sie nur noch im Mittelfeld in Bayern", korrigierte Klamroth die Aussage des Ministerpräsidenten. Das wiederum konnte Söder nicht stehenlassen: "Das ist nicht fair, da muss ich einen Einspruch machen", konterte er. Wenn man den Ausbau bei den erneuerbaren Energien auf die Fläche herunterrechne, sei das kleine Land Bremen auf Platz eins.

Söder sorgt für Raunen: "Hier sammeln nicht ganz so viele Pfandflaschen"

Generell ging es in der Arena "ein bisschen viel" um Bayern, stellte Klamroths Co-Moderatorin Jessy Wellmer fest. Als etwa ein 22-Jähriger aus dem "wunderschönen Berlin" seine Sorge kundtat, sich nicht auf die gesetzliche Rente verlassen zu können und im Alter Pfandflaschen sammeln zu müssen, hatte Söder eine umstrittene Antwort parat.

"Ich bin Ministerpräsident von Bayern, hier sammeln nicht ganz so viele Pfandflaschen", sagte er. Das Raunen im Studio ließ nicht lange auf sich warten. "Gibt's auch, aber nicht so viel", lenkte Söder ein, "aber sorry, bei uns in Bayern haben wir mit Abstand die niedrigste Arbeitslosigkeit und das höchste Sozialniveau."

Dem Berliner im Einzelhandel riet Söder dringend, zusätzlich privat vorzusorgen. Das sollte künftig durch den Staat verstärkt gefördert werden. Generell aber müsse die Rente als Grundsicherung erhalten bleiben, fügte der CSU-Chef hinzu und versprach, sich dafür in der Rentenreform einzusetzen.

Für die Jungen wiederum müsse man in Hi-Tech und Forschung investieren, erklärte er weiter und wirkte damit dem Vorwurf entgegen, sich nur um die Älteren zu kümmern. In Bayern habe man den Haushalt mit einer Investitionsquote von 17 Prozent beschlossen. Dafür habe man keine Schulden gemacht, sondern Leistungen gekürzt.

"Dass Bayern ein großartiges Bundesland ist, haben wir gehört", wollte Klamroth dem "Werbeblock für Bayern" doch ein Ende setzen. Die Zuschauer der Arena hätten sich gefreut, laut Online-Umfrage wünschten sie sich, dass es in der Diskussion weniger um Bayern und mehr um die Bundesrepublik geht.

Söder sah das anders: Seine Beispiele wollte er als Angebot für Herangehensweisen und Lösungen verstanden wissen. Denn: "Bayern ist nicht übel", meinte er und suchte Bestätigung im Publikum: "90 Prozent leben hier ganz gerne, oder?"

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