Streit um Grundrechenart

Schriftliches Dividieren soll in Niedersachsen aus Grundschul-Unterricht verschwinden

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von Jana Wejkum

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Glätte: Schulfrei in mehreren Bundesländern

Videoclip • 01:25 Min • Ab 12


Die Entscheidung der niedersächsischen Kultusministerin sorgt für Diskussionen. Dabei gibt es gute Gründe, nicht am "komplexesten aller schriftlichen Rechenverfahren" festzuhalten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Weil Grundschüler:innen in Niedersachsen künftig nicht mehr schriftlich dividieren müssen, fürchten Kritiker:innen den Verlust wichtiger mathematischer Kompetenzen.

  • Das Kultusministerium argumentiert, die Rechenmethode sei sehr komplex und berge viele Fehlerquellen.

  • Die Neuregelung ist mit den Bildungsrichtlinien der Kultusministerkonferenz im Einklang – pädagogisch können andere Rechenmethoden oder ein späteres Erlernen Vorteile haben.

Von einem "Absenken der Standards" und einem Verlust "traditioneller Fähigkeiten" ist die Rede, wenn es um den Verzicht auf schriftliche Division in Niedersachsens Grundschulen geht. Susanne Lin-Klitzing, Vorsitzende des Deutschen Philologenverbands, gibt im Gespräch mit "Bild" zu bedenken, dass leistungsstarke Schüler:innen "vorsätzlich um Kompetenzerlebnisse gebracht, die kognitive Entwicklung verflacht" würde.

Gegenüber der "Bild" äußerte sich auch Niedersachsens CDU-Chef Sebastian Lechner kritisch: "An allen Stellen werden die Ansprüche und Anforderungen gesenkt. Damit schadet sie der Zukunft unserer Kinder!" Seine Kritik gilt der Entscheidung der niedersächsischen Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne): Ab nächstem Sommer müssen Schulanfänger:innen das schriftliche Dividieren nicht mehr in der Grundschule erlernen.

Ministerin: "Tiefes Verständnis" fördern

Dass die Schüler:innen durch die Neuerung überhaupt nicht mehr richtig dividieren lernen, wie von Kritiker:innen befürchtet, verneint die Ministerin entschieden. In weiterführenden Schulen stehe das schriftliche Dividieren auf dem Lehrplan.

Der Grünen-Politikerin gehe es darum, ein "tiefes Verständnis" bei Kindern zu fördern, wie der "Spiegel" berichtet. Starre Abläufe lehne sie beim Rechnen ab. Erst wenn Kinder den Umgang mit großen Zahlen sicher beherrschen, solle "das schriftliche Dividieren so eingeführt werden, dass dieses nicht mechanisch angewendet, sondern wirklich verstanden wird".

Das Niedersächsische Kultusministerium weist darauf hin, dass die schriftliche Division "das komplexeste aller schriftlichen Rechenverfahren" sei. Durch die vielen verschiedenen Teilschritte sei es "besonders anfällig für typische Fehlerquellen". Bei zu früher Einführung bestünde die Gefahr, dass die Kinder das Verfahren nicht verstehen und Erlerntes schnell wieder vergessen.

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Rückenwind aus der Wissenschaft

Während sich etwa Sachsens Kultusminister Conrad Klemens durch die Diskussion dazu genötigt sieht, das schriftliche Dividieren in einem Presse-Statement vehement zu verteidigen, streitet das niedersächsische Kultusministerium einen Alleingang ab.

Wie der "Spiegel" zitiert, orientiere sich das Ministerium an den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz (KMK). Dort sei die schriftliche Division nicht als Rechenverfahren für die Grundschule aufgeführt. Nach Recherchen des "Spiegel" unterstützt der Landeselternrat die Neuregelung.

In einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) spricht sich der Pädagoge Timo Leuders ausdrücklich für die Abschaffung aus: "Um die schriftliche Division zu lehren, ist die Zeit zu schade", so der Professor am Institut für Mathematische Bildung an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Er plädiert stattdessen für das sogenannte halbschriftliche Rechnen, also "geschicktes Kopfrechnen auf Papier". Dadurch würde statt eines abgespeicherten Verfahrens "ein intelligentes, verständnisvolles Vorgehen gefördert".


Verwendete Quellen:

Bild: "Niedersachsen schafft schriftliches Dividieren ab"

Spiegel: "Warum Niedersachsen auf das schriftliche Dividieren verzichtet"

FAZ: "Die Abschaffung ist richtig"

Sachsen.de: "Sachsen hält an schriftlicher Division in Grundschulen fest"

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