Krieg "im Auftrag Gottes"

Putin zieht Jesus-Vergleich: Russische Soldaten auf "heiliger Mission"

Veröffentlicht:

von Jana Wejkum

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Ukraine-Gipfel in Paris

Videoclip • 37 Sek • Ab 12


Einen Gottesdienst nutzt der russische Präsident für Kriegspropaganda. Diese Strategie steckt hinter Putins Aussagen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Putin sprach im Rahmen eines Gottesdienstes davon, dass russische Soldaten wie Jesus angeblich eine Mission "im Auftrag des Herrn" erfüllen würden.

  • Derartige Erzählmuster prägen seit Beginn des Krieges das russische Narrativ und werden von der Russisch-Orthodoxen Kirche mitgetragen.

  • Einzelne Priester und Theolog:innen widersprechen Putins Darstellung und werfen ihm vor, die Religion für seine Zwecke zu missbrauchen.

Im Krieg gegen die Ukraine zieht Russlands Präsident Wladimir Putin alle Register, um den Angriff auf das Nachbarland zu legitimieren. Bei einem Gottesdienst anlässlich des orthodoxen Weihnachtsfests in einer Moskauer Kirche sprach Putin nach Informationen des "Merkur" den russischen Soldaten in der Nacht zu Mittwoch (7. Januar) eine "heilige Mission" zu.

In dem vom Kreml veröffentlichten Video sparte er auch nicht an göttlichen Vergleichen. Jesus sei als Erlöser auf die Erde gekommen, so Putin: "Auch die Soldaten Russlands erfüllen immer – sozusagen im Auftrag des Herrn – diese Mission: die Verteidigung des Vaterlands, die Rettung der Heimat und ihrer Menschen." Den Krieg gegen die Ukraine erwähnte er nicht direkt, sondern sprach von "einem einzigen Sieg für alle".

Religiöse Erzählmuster typisch für Ukraine-Krieg

Dass die Aggressionen gegen die Ukraine angeblich göttlich gewollt seien, ist in der russischen Propaganda ein von Anfang an gängiges Erzählmuster. So berichtet "Euronews", dass der Patriarch Kirill, das Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Kirche, schon zu Kriegsbeginn gefallenen Soldaten die Vergebung ihrer Sünden versprach.

Der Kongress des "Russischen Weltvolksrats" unter der Schirmherrschaft der Russisch-Orthodoxen Kirche befand den Ukraine-Krieg im Frühjahr 2024 als heilig.

Widerspruch aus Russland

Diese Auffassung teilten laut "Euronews" nicht alle russischen Geistlichen: Fast 300 von ihnen unterzeichneten zu Beginn des Angriffskriegs 2022 einen Friedensappell, der von der offiziellen Linie abweicht. Einzelne Priester, die sich gegen den Krieg stellten, seien Repressionen ausgesetzt oder wurden des Amtes enthoben.

Wie der "Merkur" weiterhin berichtet, kritisiert die  orthodoxe Theologin Natallia Vasilevich Putins Instrumentalisierung Jesu Christi scharf. "Die Größe Russlands und der Krieg in der Ukraine sind jetzt Putins wahre Religion", sagte sie am Mittwoch gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Religiöse Symbole würden von Putin ausgenutzt, um seine Vision zu untermauern, obwohl sie im Widerspruch zu seinen Zielen stünden.


Verwendete Quellen:

Euronews: "Putin: Russlands Soldaten auf 'heiliger Mission'"

Merkur: "Putin zieht Parallelen zwischen russischen Soldaten und Jesus"

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