Migrationskrise

Migranten-Andrang in Ceuta: EU-Staaten beraten über Konsequenzen

Veröffentlicht:

von Fabia Söllner

:newstime

Migranten-Ansturm auf Ceuta: Meloni fordert Schengen-Aus für Spanien

Videoclip • 01:17 Min • Ab 12


In Ceuta kommen inzwischen weniger Migranten an. Dennoch belasten die Auswirkungen der Krise Europa weiterhin und führen zu anhaltenden Spannungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Zustrom von Migranten nach Ceuta ist deutlich zurückgegangen.

  • Ceuta hat weniger als 85.000 Einwohner und ist nur 18,5 Quadratkilometer groß.

  • Tausende Migranten mussten zeitweise auf den Straßen übernachten.

Der starke Zustrom von Migranten in die spanische Exklave Ceuta hat inzwischen deutlich nachgelassen. Nach Angaben der spanischen Regierung sind die meisten der rund 50.000 Menschen, die irregulär nach Ceuta gelangt waren, wieder nach Marokko zurückgekehrt. Viele entschieden sich dazu, weil sie kaum Chancen auf eine Weiterreise nach Europa hatten und es vor Ort an Unterkünften sowie an einer ausreichenden Versorgung fehlte. Dennoch kamen bei den Überquerungsversuchen mindestens 57 Menschen ums Leben.

Die Europäische Union beobachtet die Situation weiterhin mit großer Aufmerksamkeit. Expert:innen der EU-Mitgliedstaaten beraten in einer Krisensitzung über das weitere Vorgehen. Gleichzeitig versuchen weiterhin Hunderte Menschen, die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla zu erreichen. An der Grenze zu Melilla kam es dabei zu Auseinandersetzungen zwischen Migrant:innen und Sicherheitskräften, bei denen Steine geworfen und Tränengas eingesetzt wurde. In Ceuta verhindern spanische Soldat:innen zusätzlich, dass weitere Menschen über das Meer an den Strand gelangen.

Spanien kritisiert Italien

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez wies die Kritik einiger EU-Staaten an der spanischen Migrationspolitik zurück. Er betonte, dass Europa in der aktuellen Situation zusammenhalten müsse, anstatt sich durch unterschiedliche Positionen spalten zu lassen. Solidarität und Mitgefühl seien zwar freiwillig, die Einhaltung der europäischen Verträge sei jedoch für alle Mitgliedstaaten verpflichtend.

Trotzdem reagierte Italien auf die Migrationslage mit strengeren Maßnahmen. Die italienische Regierung setzte das Schengen-Abkommen gegenüber Spanien vorübergehend teilweise außer Kraft. Deshalb werden Reisende, die mit dem Flugzeug oder Schiff aus Spanien nach Italien kommen, wieder an den Grenzen kontrolliert.

Auch in den News:

Der Schengen-Raum erklärt

Der Schengen-Raum ermöglicht den freien Reiseverkehr zwischen 29 europäischen Ländern, sodass dort normalerweise keine Grenzkontrollen stattfinden. Zu diesem Gebiet gehören die meisten EU-Mitgliedstaaten sowie einige Länder außerhalb der EU, beispielsweise die Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein. Die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla sind jedoch nicht Teil des Schengen-Raums. Nach den geltenden EU-Regeln kann ein Land außerdem nicht dauerhaft gegen seinen Willen aus dem Schengen-Raum ausgeschlossen werden.

Frankreich stellte sich in der Migrationskrise hinter Spanien, verstärkte jedoch gleichzeitig die Kontrollen an der gemeinsamen Grenze. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz forderte Spanien auf, die Lage möglichst schnell unter Kontrolle zu bringen. Er betonte, dass der wirksame Schutz der Außengrenzen der Europäischen Union eine wichtige Voraussetzung sei, um irreguläre Migration einzudämmen.

Ceuta: kleiner als der Frankfurter Flughafen

Ceuta ist eine kleine spanische Exklave in Nordafrika mit weniger als 85.000 Einwohnern. Die Stadt umfasst nur etwa 18,5 Quadratkilometer und ist damit sogar etwas kleiner als der Frankfurter Flughafen. Während des starken Zustroms von Migrant:innen mussten in der Nacht auf Freitag Tausende Menschen unter freiem Himmel auf den Straßen übernachten, da es nicht genügend Unterkünfte für sie gab.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Mehr entdecken