Nach AfD-Wahlsieg

"Geschichtlicher Unfall": Michael Kretschmer veräppelt Sachsen-Anhalt

Aktualisiert:

von Joachim Vonderthann

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Söder bezeichnet AfD-Wahlsieg als "Denkzettelwahl"

Videoclip • 01:06 Min • Ab 12


Nach dem klaren AfD-Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer mit einem Scherz über das Nachbarland reagiert. Zugleich sprach der CDU-Politiker von einer "äußerst bitteren Entwicklung".

Das Wichtigste in Kürze

  • Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nannte Sachsen-Anhalt nach dem AfD-Wahlsieg scherzhaft einen "geschichtlichen Unfall".

  • Zugleich fordert er nach dem Ergebnis eine selbstkritische politische Debatte darüber, was Wähler:innen bewegt und warum sie die AfD wählen.

  • Könnte das sächsische Regierungsmodell ein Vorbild für Sachsen-Anhalt sein?

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat den Wahlausgang in Sachsen-Anhalt mit einem Scherz kommentiert. Bei einer Gala zum 30. Geburtstag des Dresdner Privattheaters Comödie sagte er nach Bekanntgabe der Hochrechnung: "Sachsen-Anhalt ist leider ein geschichtlicher Unfall". Kretschmer ergänzte mit einem Augenzwinkern: "Wir hätten dieses Land vielleicht aufteilen sollen."

Das Publikum reagierte laut "Welt" mit einigen Lachern. Die Aussage wurde zudem von Sachsen Fernsehen in einem Instagram-Beitrag veröffentlicht.

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Kretschmer scherzt nach Sachsen-Anhalt-Wahl

Hintergrund der Äußerung ist das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom Sonntag (6. September). Die AfD wurde mit 43,8 Prozent der Stimmen mit deutlichem Abstand stärkste Kraft. Die CDU kam auf 17,2 Prozent und erzielte damit ihr bislang schlechtestes Ergebnis im Bundesland.

Allein regieren kann die AfD trotz ihres Wahlsiegs nicht, weil sie keine absolute Mehrheit erreicht hat. Für die CDU würde die Regierungsbildung extrem schwierig: Sie wäre für Mehrheiten bei Gesetzesvorhaben auf alle anderen Parteien außer der AfD angewiesen.

Kretschmer bezeichnete das Ergebnis als "eine äußerst bittere Entwicklung". Seine Hoffnung sei, dass die Politik nicht rasch wieder zum Alltag übergehe: "Dass wir nicht in einer oder zwei Wochen wieder zur Tagesordnung übergehen, sondern dass wir jetzt wirklich endlich anfangen zu schauen: Was bewegt die Menschen, warum wählen sie so? Was kann man, wenn man Bundesregierung ist, ändern? Es ärgere ihn "total", dass diese Fragen in den vergangenen Jahren nicht ausreichend gestellt worden seien.

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Anspielung auf die Geschichte Sachsen-Anhalts

Mit seinem Satz vom "geschichtlichen Unfall" bezog sich Kretschmer der "Welt" zufolge auf die Entstehung des Bundeslandes. Sachsen-Anhalt entstand 1947 aus mehreren Gebieten: Dazu gehörten die preußischen Provinzen Magdeburg und Halle-Merseburg, das zuvor eigenständige Anhalt sowie kleinere braunschweigische Exklaven.

Im Jahr 1952 wurde Sachsen-Anhalt im DDR-Staat aufgelöst. Nach der Wiedervereinigung wurden verschiedene territoriale Möglichkeiten diskutiert, darunter eine Verbindung von Teilen des früheren Sachsen-Anhalts mit Sachsen. 1990 entstand Sachsen-Anhalt schließlich mit leicht veränderten Grenzen erneut.


Kretschmer kein Vorbild für Sachsen-Anhalt?

Kretschmer regiert in Sachsen seit der Landtagswahl 2024 mit einer Minderheitsregierung aus CDU und SPD. Dort gibt es laut "Welt" einen Konsultationsmechanismus, der allen Oppositionsparteien offensteht. Dieses Modell war in den vergangenen Wochen auch als mögliche Option für Sachsen-Anhalt diskutiert worden.

Die Voraussetzungen seien jedoch unterschiedlich, heißt es weiter. In Sachsen hatte die AfD eine Mitarbeit stets abgelehnt. In Sachsen-Anhalt ist die Lage nach dem Wahlergebnis zudem komplizierter, weil die CDU ohne die AfD auf mehrere Parteien angewiesen wäre.



Verwendete Quellen:

Welt: "'Vielleicht hätte man dieses Land aufteilen sollen', scherzt Kretschmer über Sachsen-Anhalt"

Nachrichtenagentur dpa

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