Nach AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt

Im Gespräch mit Tino Chrupalla stutzt Miosga: "Sie wären zu einem Kompromiss in Ihrer Migrationspolitik bereit?"

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von Marko Schlichting

Der AfD-Parteivorsitzende Tino Chrupalla (links) wurde am Sonntagabend live ins "Caren Miosga"-Studio zugeschaltet.

Bild: NDR/Thomas Ernst


Am Sonntagabend diskutiert Caren Miosga in ihrer ARD-Talkshow mit ihren Gästen darüber, wie es in Sachsen-Anhalt nun weitergehen könnte. Dabei macht AfD-Co-Chef Tino Chrupalla eine interessante Aussage.

Vera Wolfskämpf hatte es vorausgesehen. Sie ist Landeskorrespondentin in Sachsen-Anhalt für das Redaktionsnetzwerk Deutschland und am Sonntagabend (6. September) Gast bei "Caren Miosga" in der ARD. "Dieses Wahlergebnis bedeutet erst einmal Chaos", sagte sie dort. Da kannte sie aber das vorläufige amtliche Endergebnis noch nicht. Nach dessen Veröffentlichung am frühen Morgen herrscht nun wirklich Chaos.

Die AfD ist als der große Sieger aus den Wahlen hervorgegangen. Doch ihr wichtigstes Ziel hat sie nicht erreicht: die absolute Mehrheit. Tino Chrupalla ist aus Magdeburg für ein kurzes Interview in die Sendung zugeschaltet. Und er freut sich über den Wahlsieg seiner Partei. Er will, dass seine Partei in Sachsen-Anhalt die Regierung übernimmt. "Das ist ein ganz klarer Wählerauftrag, den wir heute erhalten haben", sagt er im Gespräch mit Caren Miosga.

"Wir werden allen anderen Parteien die Hand strecken und auch zu Gesprächen einladen. Das ist unser Auftrag, den wir jetzt vollführen werden, und ich bin gespannt, wie die anderen Parteien reagieren", erklärt er. Man habe es "ja heute gesehen: Die Brandmauer ist abgewählt, die Bürger wollen endlich eine ehrliche Veränderung in diesem Land. Die CDU, Herr Schulze, ist ganz klar abgewählt." Der Ball liege Chrupalla zufolge im Feld der AfD, "und als gute Demokraten werden wir natürlich auch versuchen, diese Gespräche zu führen".

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"Herr Chrupalla, Sie sagen selbst, die Menschen in Sachsen-Anhalt verzeihen keine Wählertäuschung"

"Herr Chrupalla, Sie sagen selbst, die Menschen in Sachsen-Anhalt verzeihen keine Wählertäuschung. Das ist eine, oder?", fragt Miosga, auf Siegmunds Aussagen hinweisend, dass er nur mit absoluter Mehrheit für das Amt des Ministerpräsidenten zur Verfügung stünde. Chrupalla lacht. Dann sagt er: "Also wenn das eine Wählertäuschung ist. Entschuldigung, Herr Siegmund würde Ihnen das Gleiche sagen, was ich Ihnen grade gesagt habe."

Siegmund wolle mit Politikern regieren, die Sachsen-Anhalt nach vorne bringen wollten. Nicht mit Sven Schulze natürlich, dem aktuellen Ministerpräsidenten. Letzterer sei "abgewählt, der kann nach Hause gehen", so Chrupalla. "Also appelliere ich an die restlichen CDU-Abgeordneten, wenn es sie überhaupt noch gibt, die im Sinne Deutschlands und Sachsen-Anhalts endlich Politik machen wollen, ob sie sich wirklich jetzt für eine bürgerlich-konservative Mehrheit anschließen wollen."

Das gelte jedoch auch für alle anderen Parteien - von BSW bis SPD. "Ich mache da keine Unterschiede, diese Haarspaltereien zwischen den Parteien mache ich nicht mehr mit. Wir wollen endlich Veränderungen. Wir wollen endlich, dass dieses Land wieder vom Kopf auf die Füße gestellt wird und dass die Probleme endlich angegangen werden."

Dazu müsse die AfD zu Kompromissen bereit sein. Und das sei sie, zum Beispiel in der Migrationspolitik, betont Chrupalla. Miosga ist völlig überrascht und hakt sofort nach: "Habe ich es grade richtig gehört: Sie wären zu einem Kompromiss in Ihrer Migrationspolitik bereit?" Chrupalla lacht wieder. "Die Frage ist immer, wie der Kompromiss aussieht."

"Schwierig geworden für die AfD, sich zurückzuziehen"

Journalistin Vera Wolfskämpf erklärt den Sinneswandel der AfD so: "Natürlich haben die ihr Ziel von 45 Prozent plus x mit einer klaren absoluten Mehrheit nicht erreicht. Sie sind aber dermaßen stark geworden, dass es jetzt wahrscheinlich schwierig geworden ist für die AfD, sich zurückzuziehen und zu sagen: Wenn wir jetzt nicht allein regieren können, dann müssen es halt die anderen machen. Das ist bei so einem starken Wahlergebnis von 44 Prozent dann auch nicht so einfach möglich."

Wie geht es nun weiter? Am heutigen Montag treffen sich die Gremien der Bundes- und der Landes-CDU zu Beratungen. Da könnte es auch um die Zukunft von Noch-Ministerpräsident Sven Schulze gehen. Denn ob er noch Ministerpräsident bleiben kann, nachdem seine Partei deutlich unter 20 Prozent der Wählerstimmen gestürzt ist, ist fraglich.

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