"Schlaflose Nächte"

Bei "Markus Lanz": Grünen-Chefin Brantner warnt vor Kanzler-Sturz - Situation "katastrophal"

Aktualisiert:

von Natascha Wittmann

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Bleibt Merz? Kanzler-Krise vor den Wahlen

Videoclip • 01:45 Min • Ab 12


Die Krise um Kanzler Friedrich Merz wurde bei "Markus Lanz" zur Grundsatzdebatte. Während sich Journalist Michael Bröcker für einen Kanzler-Wechsel aussprach, beschrieb Grünen-Chefin Franziska Brantner die derzeitige Situation als "katastrophal".

Bei "Markus Lanz" stand am Dienstagabend (15. September) die Kanzler-Krise nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Zentrum - und damit die Frage, wie wacklig der Stuhl von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wirklich geworden ist. Während mittlerweile laut über mögliche Nachfolger diskutiert wird, warnte SPD-Politiker Ralf Stegner in der ZDF-Sendung davor, jetzt reflexartig über einen Austausch an der Spitze nachzudenken.

Er halte "überhaupt nichts" davon, "jetzt die Nerven zu verlieren in einer Situation, wo uns droht, dass eine rechtsradikale Partei die Regierung übernimmt". Trotz aller politischen Distanz zu Merz sagte er: "Das ist wirklich nicht mein Kanzler, aber ich kann mich überhaupt nicht daran erfreuen, wenn darüber diskutiert wird, dass der Kanzler ausgetauscht wird."

Auch Grünen-Co-Chefin Franziska Brantner plädierte für Stabilität. Sie erklärte, sie erwarte, "dass die Koalitionsparteien sich zusammenraufen". Lanz reagierte spitz: "Für Sie ist das ja alles eine Riesenchance als Grüne!" Brantner widersprach: "Ich finde die Situation katastrophal in Deutschland." Ihr gehe es nicht um einen Vorteil für die Grünen, sondern darum, "dass wir in diesem Land gut regiert werden". Später wurde Brantner noch deutlicher: "Mir macht das schlaflose Nächte, dass wir eine CDU sehen, die in einer Erosion gerade befindlich ist."

Grünen-Chefin Franziska Brantner erklärte, dass ihr die derzeitige Situation innerhalb der Union "schlaflose Nächte" bereite.

Bild: ZDF/Cornelia Lehmann


Franziska Brantner: "Die nennen mich Sprechpuppe"

Psychiater Manfred Lütz zeigte sich von der Personaldebatte dagegen eher genervt. Er lenkte den Fokus auf die AfD und kritisierte: "Wir machen diese Debatten fast nach jeder Wahl." Ihn interessiere derweil nur eine Frage: "Wie kann man AfD-Wähler wieder zurückgewinnen? Darüber redet aber seit Jahren schon niemand!" Mit Blick auf die Motive vieler Wähler sagte der Buchautor: "Ich glaube, dass kein einziger AfD-Wähler in Sachsen-Anhalt wegen der Rente mit 63 AfD gewählt hat."

Damit war der Umgang mit der AfD auf dem Tisch. Lanz fragte Franziska Brantner interessiert: "Reden Sie mit AfD-Politikern?" Die Grünen-Co-Chefin antwortete nüchtern: "Mit AfD-Politikern? Nein, aber mit vielen AfD-Wählerinnen und -Wählern." Als Lanz nachhakte, stellte Brantner wütend klar: "Die beschimpfen mich ja ständig!" Unter anderem werde sie "Sprechpuppe" genannt. Stegner stellte sich hinter die Grünen-Politikerin und warnte: "Das sind Feinde der Demokratie!"

Manfred Lütz wollte dies nicht unkommentiert lassen. Er machte deutlich: "Wir müssten wieder mehr darüber reden: Wo gelingt es, die AfD kleinzuhalten?" Dies brachte Lanz wieder auf den "Revolutions-Gedanken" innerhalb der Union. Dazu sagte Michael Bröcker in Bezug auf Friedrich Merz: "Man traut ihm nicht mehr zu, dass er die Kraft, die Autorität und die Zustimmung in seiner eigenen Partei hat." Bröcker legte nach: "Der Autoritätsverlust ist eklatant. Ich habe sowas noch nie erlebt!"

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Ein Neustart könne aus Sicht des Journalisten funktionieren, "wenn es einen anderen Kanzler gibt, der noch mal ein paar Dinge neu aufziehen darf". Bröcker fasste die Lage zugespitzt zusammen: "Stützen oder stürzen - das ist am Ende die Logik, auf die es jetzt ankommt."

Manfred Lütz warnte davor, "dauernd solche dramatisierten Geschichten" zu erzählen. Bröcker hielt dagegen: "Ich weiß aber, dass die gesamte CDU-Führung über einen möglichen besseren Kanzler nachdenkt, weil die Umfragen bei 18 Prozent sind und weil die Existenzängste haben, was ihr Mandat betrifft. Das beschreibe ich analytisch!"

Auch Lanz wurde zum Ende der Sendung laut. Als Stegner sagte, die Regierung müsse ihre Politik "besser erklären" und der AfD wichtige Themen "nicht kampflos" überlassen, fiel ihm der Moderator ins Wort: "Dieser Satz wieder! 'Besser erklären'." Lanz schob hinterher: "Diese Floskel (...) kann ich wirklich nicht mehr hören!" Bröcker setzte schließlich noch einen drauf und kritisierte lautstark: "Ihr haltet euch an keinen einzigen eurer Beschlüsse. Alles wird aufgeweicht. Alles wird taktisch wieder diskutiert - und das ist das Problem, was die Menschen mit dieser Regierung haben!"


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