Streit um Iran-Strategie

"Nicht Ihr Ernst": Lanz liefert sich hitziges Wortgefecht mit CDU-Politiker Kiesewetter

Veröffentlicht:

von Natascha Wittmann

:newstime

Minister und Militärs: Diese iranischen Politiker sind tot

Videoclip • 01:33 Min • Ab 12


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Bei "Markus Lanz" kam es zu einer scharfen Debatte über den Iran-Krieg und die mögliche Rolle Europas. CDU-Politiker Roderich Kiesewetter pochte auf die "Freiheit der Seewege", während Lanz dagegen hielt.

Das Wichtigste in Kürze

  • CDU-Außenexperte Roderich Kiesewetter diskutiert bei Markus Lanz am Dienstagabend über den Iran-Krieg.

  • Beim Thema Völkerrecht geraten die Gäste aneinander.

  • Mit Blick auf die steigenden Benzinpreise reagiert Lanz scharf.

Der Nahost-Konflikt spitzt sich weiter zu und US-Präsident Donald Trump setzt dabei auch die NATO mehr und mehr unter Zugzwang: Sie solle Kriegsschiffe schicken, um die Straße von Hormus zu sichern. Genau daran knüpfte Markus Lanz in seiner ZDF-Sendung an und stellte die Frage, wie schnell aus einem entfernten Krieg ein Thema für Deutschland werden könne.

Gleich zu Beginn der Sendung hakte er nach: "Wie groß ist die Gefahr, dass dieser Krieg plötzlich unser Krieg wird?" CDU-Politiker Roderich Kiesewetter positionierte sich dazu deutlich: "Ich sehe den Systemwechsel natürlich in unserem Interesse, weil der Iran drei heftige Vorhaben hat." Dazu zähle unter anderem "die Vernichtung Israels" sowie die "nukleare Absicht, sich zu bewaffnen".

Trotzdem bemängelte Kiesewetter, dass das Vorgehen der USA und Israels "nur in Teilen abgestimmt" gewesen und Europa zunächst "überhaupt nicht einbezogen" worden sei. Journalistin Kristina Dunz kritisierte in dem Zusammenhang auch den Start des Krieges und sagte: "Das ist ein ganz klarer Völkerrechtsbruch. (...) Und ein Systemwechsel, Herr Kiesewetter, ist ja durch das Völkerrecht nicht gedeckt. (...) Ich kann nicht in ein Land gehen und sagen, mir passt die Regierung nicht!"

Kiesewetter widersprach energisch: "Nicht alle Völkerrechtler sehen es gleich." Dunz warnte dennoch vor den Folgen der Eskalation im Nahen Osten: "Wir haben jetzt eine dramatische Verschlechterung (...) der Situation, ohne das irgendwas gelöst ist."

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CDU-Außenexperte Kiesewetter: "Es ist mittelbar unser Krieg"

Aus der Sicht der Journalistin drohe ein "Flächenbrand": "Der US-Präsident - gemeinsam mit dem israelischen Ministerpräsidenten - hat die Welt angezündet und nichts von dem erreicht, was er erreichen wollte. Und weil er jetzt nämlich das Interesse schon wieder verliert, sollen es Europäer und andere zu Ende bringen."

Lanz fasste nachdenklich zusammen: "Ich habe in diesen Tagen das Gefühl, es ist so ein bisschen (...) in Mode gekommen, das Völkerrecht (...) verächtlich zu machen." Dennoch bezeichnete Kiesewetter es als "gravierend", dass Israel im Krieg gegen Iran "nun dort aufräumt, wo die internationale Gemeinschaft über Jahre sich nicht durchsetzen konnte".

Lanz zeigte sich äußerst skeptisch und fragte konkret, ob ein deutscher Einsatz bei zunehmendem ökonomischem Druck denkbar wäre: "Wenn der Spritpreis dann deutlich über zwei Euro ist, hört das dann auf mit der Moral und mit den klaren Bekenntnissen?" Kiesewetter konterte mit Blick auf die Lage im Nahen Osten: "Das ist nicht das Thema!", stellte der CDU-Politiker fest. "Das eigentliche Thema ist Freiheit der Seewege und wir erleben jetzt gerade, dass die Straße von Hormus gesperrt ist." Für ihn sei deshalb klar: "Es ist mittelbar unser Krieg." Lanz reagierte spitz: "Es ist unser Benzinpreis, lasst es uns so formulieren."

"Das können Sie doch als Politiker niemals durchhalten"

Als Kiesewetter sich über die "doppelte Moral" echauffierte, stichelte Lanz: "Entschuldigung, wir sind Spezialisten für Doppelmoral, ich bitte Sie!" Kiesewetter entgegnete streng: "Sie vielleicht! Ich nicht, ich mag keine Doppelmoral. Ich will sehr deutlich sagen: die Straße von Hormus ist ein internationaler Seeweg." Eine Aussage, die Lanz zu missfallen schien: "Bitte! Das ist doch nicht Ihr Ernst!"

Kiesewetter blieb dennoch bei seiner Haltung und stellte klar: "Die Amerikaner haben hier etwas angezettelt, helfen dem Putin. Und wir sollen jetzt unsere knappen Ressourcen dort hinschicken. Nein! Sehr klar: Unser Fokus ist die Ukraine. Aber wir müssen uns im Klaren sein, dass hier Seewege, die zum internationalen freien Seeverkehr gehören, dass die blockiert sind durch die Amerikaner." Und weiter: "Wir können nicht dort sein und in der Ukraine. Funktioniert nicht. (...) Die Amerikaner laden das doch bei uns ab, Herr Lanz!" Der ZDF-Moderator reagierte mahnend: "Das können Sie doch als Politiker niemals durchhalten. Irgendwann werden die Leute Sie fragen, was Sie gegen den steigenden Benzinpreis tun!"

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