Wird die US-Reise abgesagt?
König Charles: Heikler Staatsbesuch bei Trump
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von dpaDonald Trump gilt als Fan der britischen Monarchie.
Bild: Evan Vucci/AP/dpa
Nach den Schüssen beim Korrespondent:innen-Dinner in Washington steht der USA-Besuch von König Charles und Königin Camilla ab Montag unter Sicherheitsvorbehalt. Falls es zum Treffen mit US-Präsident Donald Trump kommt, erwartet den britischen Monarchen ein schwieriger diplomatischer Spagat.
Das Wichtigste in Kürze
König Charles und Königin Camilla planen ab Montag (27. April) einen mehrtägigen Staatsbesuch in den USA.
Das Verhältnis der USA zu Großbritannien hat sich seit Trumps Besuch 2025 bei König Charles stark verschlechtert.
Es wird "zweifellos ein schwieriger Staatsbesuch für den König", erwarten Insider. Es gelte, einen diplomatischen Spagat zu meistern.
Noch im September ist beim Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump im Vereinigten Königreich der große Prunk und Pomp präsentiert worden. Mit offenen Armen, rotem Teppich und Militärparade begrüßten König Charles III. und Premierminister Keir Starmer den Republikaner, der als großer Fan des britischen Königshauses gilt. Damals war Trump voll des Lobes über die unverbrüchliche amerikanisch-britische Beziehung, klopfte Starmer mit breitem Lächeln auf die Schulter - er "liebe" das Vereinigte Königreich schließlich, schwärmte er vor Reportern.
Nun, wenige Monate später, dreht sich der Spieß um. Ab Montag (27. April) ist der britische Monarch gemeinsam mit Königin Camilla (78) zu einem mehrtägigen Staatsbesuch in den USA zu Gast. Zumindest, wenn Sicherheitsbedenken nach den Schüssen beim Korrespondentendinner in Washington die Pläne nicht durchkreuzen. Diesbezüglich sei man in Gesprächen, hieß es am Sonntag vom Palast.
Der Ton im Vorfeld des Besuchs war jedenfalls ein ganz anderer als noch im vergangenen Jahr. Insbesondere seit dem Ausbruch des Iran-Krieges, in dem Trump Großbritannien und anderen westlichen Partnern zu wenig Unterstützung vorwirft, hatte sich die Beziehung des US-Präsidenten zu Großbritannien und Starmer deutlich verschlechtert.
Immer wieder holte der für wenig Zurückhaltung bekannte Republikaner gegen Starmer aus, kritisierte ihn etwa für die aus seiner Sicht fehlgeleitete Migrationspolitik. Die Beziehungen zu Großbritannien seien immer die besten gewesen, "bis Keir kam", sagte er zuletzt etwa. Starmer sei eben kein Winston Churchill, stichelte er in herablassender Manier. Und selbst wenige Tage vor dem Besuch ist der US-Präsident kaum um Ruhe bemüht und schickt erneut Drohungen gen London. Reist der britische König nun also als Streitschlichter in die Vereinigten Staaten?
König Charles und der "Trump-Faktor"
Aus Sicht des Verfassungsexperten und Royal-Kenners Craig Prescott von der Londoner Universität Royal Holloway ist die Reise in die USA "zweifellos ein schwieriger Staatsbesuch für den König". "Hier gilt es einen diplomatischen Spagat zu meistern", sagte Prescott der Deutschen Presse-Agentur. Das liege allerdings nicht nur an der derzeit angeknacksten Beziehung, sondern auch an der Unberechenbarkeit des US-Präsidenten.
Normalerweise seien Staatsbesuche wie diese Routine für den Monarchen, jede Sekunde werde bis ins kleinste Detail geplant - auch, um etwaige Peinlichkeiten oder Unvorhersehbares auszuschließen. Mit Trump sei das allerdings nur bedingt möglich, sagt Prescott, der Besuch deswegen "einzigartig". Eine Stichelei hier, ein Witz da - und rasch sei der König in einer heiklen Lage.
Riesiges Konfliktpotenzial an heiklen Themen mit den USA
Material für mögliche Konflikte gibt es jedenfalls zur Genüge. Wenige Tage vor dem Staatsbesuch kursierte einem unbestätigten Medienbericht zufolge im Pentagon eine Mitteilung, in der erwogen werde, die bisher probritische Haltung der USA zum Anspruch Argentiniens auf die Falklandinseln im Südatlantik zu überdenken. Angesprochen auf die Berichte machte ein britischer Regierungssprecher klar, die Souveränität liege beim Vereinigten Königreich.
Darüber hinaus sorgte Trump am Donnerstag mit einer erneuten Zolldrohung für Aufsehen. Sollte Großbritannien seine Digitalsteuer für US-amerikanische Techunternehmen nicht aufheben, könnten die USA "hohe Zölle gegen Großbritannien verhängen, also sollten sie besser vorsichtig sein", drohte Trump.
Und dann wäre da noch der andauernde Streit um den Iran-Krieg und Trumps immer wieder geäußerte Fantasie, Kanada zum "51. Bundesstaat" machen zu wollen. Charles ist auch König von Kanada und damit das offizielle Staatsoberhaupt des Landes, zumindest hinter den Kulissen dürften dem Monarchen solche Aussagen daher kaum gefallen. Erst im vergangenen Jahr bekräftigte er bei einem Besuch in Ottawa die Souveränität Kanadas, sagt Prescott.
"Wirklich interessant ist, dass nach dieser Rede des Königs in Ottawa diese Rhetorik vom 51. Bundesstaat offenbar abgeklungen ist und derzeit weniger im Fokus steht", so der Experte. Gelingt dem König eine diplomatische Besänftigung also mitunter auch bei anderen Themen?
Auch in den News:
US-Präsident gilt als Fan der britischen Krone
Zumindest dürften die Zeichen dafür nicht allzu schlecht stehen. Oft tat Trump seine große Sympathie für den König kund - und war zuletzt guter Dinge, dass der Staatsbesuch die britisch-amerikanischen Beziehungen wieder verbessern kann. "Er ist ein fantastischer Mann", schwärmte Trump bei der BBC über den König, "ich kenne ihn schon seit Jahren". Der Besuch könne deshalb "auf jeden Fall" zu einem wieder etwas besseren Verhältnis beitragen.
Ob sich der König Trumps Begeisterung tatsächlich zunutze machen und ihn ein wenig besänftigen kann, bleibt jedoch offen. Trump ändere seine Meinung schließlich "sehr, sehr schnell", sagt Prescott. Dass der König dabei auch mal öffentlich zu deutlicher Kritik übergehe, hält der Experte allerdings für unwahrscheinlich. Staatsbesuche seien schließlich von "diplomatischen Höflichkeiten" geprägt.
Bei seiner geplanten Rede im US-Kongress könne der König allerdings zumindest an die seit langem bestehende Beziehung erinnern. Denn der anstehende 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeit sei letztlich auch der Jahrestag der amerikanisch-britischen Beziehungen, sagt Prescott. Der König könne versuchen "die aktuellen Schwierigkeiten in diesen Kontext zu stellen und vielleicht darauf hinweisen, dass die USA und Großbritannien am effektivsten sind, wenn sie zusammenarbeiten".
Palast lehnt Treffen mit Epstein-Opfern ab
Ob die Reise tatsächlich wie geplant stattfinden wird, schien nach den Schüssen beim Korrespondent:innen-Dinner in Washington jedoch ungewiss. Geplant war, dass das Königspaar nach seiner Ankunft zunächst im privaten Rahmen von US-Präsident Donald Trump und First Lady Melania zum Tee empfangen wird. Weitere gemeinsame Termine sollen folgen, unter anderem eine Gartenparty, eine Militärparade und ein Staatsbankett. Als erst zweiter britischer Monarch nach seiner Mutter Queen Elizabeth II. soll Charles zudem eine Rede vor dem Kongress halten.
Im Laufe der Woche reist das Königspaar weiter nach New York. Dort wollen die Royals unter anderem Rettungskräfte und Angehörige von Opfern der Anschläge vom 11. September 2001 treffen. Letzte Station in den USA ist Virginia, wo Charles und Camilla mit Vertreter:innen der amerikanischen Ureinwohner:innen zusammentreffen wollen.
Forderungen nach einem Treffen mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer des Missbrauchsskandals um den verstorbenen US-Multimillionär Jeffrey Epstein wies der Palast ab. Charles jüngerer Bruder, Ex-Prinz Andrew (66), war viele Jahre mit Epstein befreundet. Das Epstein-Opfer Virginia Giuffre hatte ihm vorgeworfen, sie als Minderjährige missbraucht zu haben. Andrew wies das stets zurück. Trotzdem einigte er sich mit Giuffre auf einen Berichten zufolge millionenschweren Vergleich.
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