Wer profitiert und wer nicht

Hilft der Tankrabatt nur den Reicheren?

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

:newstime

Tanken wird wieder billiger

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Die hohen Spritpreise belasten die Autofahrer:innen in Deutschland seit Wochen. Die geplante Gegenmaßnahme der Bundesregierung soll jetzt ausgerechnet die Einkommensstärkeren begünstigen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bundesregierung will wegen der hohen Preise die Spritsteuer vorübergehend senken.

  • Die Maßnahme steht allerdings massiv in der Kritik.

  • Eine neue Studie könnte neuen Gegenwind bringen.

Deutschlands Autofahrer:innen stöhnen unter den Lasten der hohen Spritpreise in Folge des Iran-Kriegs. Die Bundesregierung plant deshalb eine vorübergehende Senkung der Energiesteuern auf Benzin und Diesel um 17 Cent pro Liter. Am heutigen Donnerstag (16. April) bringt die schwarz-rote Koalition den Gesetzesentwurf in den Bundestag ein. Angestrebt wird, dass die Senkung ab 1. Mai und bis Ende Juni gilt. Doch einer aktuellen Studie zufolge könnten von der Steuersenkung vor allem einkommensstärkere Haushalte profitieren.

Tankrabatt kommt vor allem Besserverdiener:innen zugute

Das geht aus Untersuchungen der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen hervor, über die der "Spiegel" berichtet. Die Annahme ist dabei, dass einkommensstarke Haushalte im Schnitt deutlich mehr Sprit verbrauchen.

Den Berechnungen zufolge sparen die einkommensschwächsten zehn Prozent durch den Tankrabatt insgesamt im Schnitt nur 6,48 Euro, weil sie weniger fahren und seltener ein eigenes Auto haben. Die einkommensstärksten zehn Prozent der Haushalte sparen dagegen 21,64 Euro. Bei Haushalten aus etwas weniger reichen, aber immer noch wohlhabenden Schichten ergeben sich sogar Durchschnittswerte bis 31 Euro.

Ein Einpersonenhaushalt zählt mit monatlich knapp 4.500 Euro netto laut n-tv zum obersten Zehntel. Mit weniger als rund 1.200 Euro fällt man in das unterste Zehntel.

"Es ist keine zielgerichtete Maßnahme" zitiert der "Spiegel" den RWTH-Ökonomen Aaron Praktiknjo. "Auch ich zahle jetzt mehr fürs Tanken, aber wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich jetzt diesen Tankrabatt nicht dringend nötig."

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"Schlechteste aller bisher diskutierten Optionen"

Auch die "Wirtschaftsweise" Monika Schnitzer hatte sich zuvor schon kritisch zur Maßnahme geäußert "Eine Senkung des Preises für alle durch eine zeitlich befristete Aussetzung der Energiesteuer ist die schlechteste aller bisher diskutierten Optionen.", sagte sie der Funke Mediengruppe. Es sei "eine Hilfe mit der Gießkanne, auch für Menschen, die den höheren Preis verkraften können" und reduziere den Anreiz, den Spritverbrauch zu senken. "Eine gezielte Unterstützung der wirklich Bedürftigen wäre die bessere Entscheidung gewesen."

Ähnlich urteilte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW). IW-Direktor Michael Hüther kritisierte: "Die Methode Merkel lebt weiter: Noch immer glaubt die Politik, jede Krise mit Geld zuschütten zu müssen." In der jetzigen Krise wäre es angezeigt, die Menschen auf kommende Härten einzustimmen: "Die höheren Preise an den internationalen Märkten für fossile Energieressourcen bedingen unvermeidlich einen Wohlstandsverlust. Der ist national nicht auszugleichen."

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Spritpreise sinken allmählich wieder

Unabhängig von der geplanten Senkung der Energiesteuer können Autofahrer:innen beim Tanken aber jetzt schon wieder leicht aufatmen. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs (15. April) verbilligte sich Diesel um 4,9 Cent auf 2,237 Euro pro Liter, wie der ADAC mitteilt. Der Preis für Super E10 gab um 1,8 Cent auf 2,089 Euro nach.

Im Vergleich zum Allzeithoch am Dienstag nach Ostern hat sich Diesel damit bereits um 21 Cent pro Liter verbilligt. Bei E10 ging es seit dem Jahreshoch am Ostermontag um gut 10 Cent nach unten. Beide Kraftstoffsorten sind aber noch immer sehr viel teurer als vor Kriegsbeginn. Bei Diesel sind es 49 Cent, bei E10 31 Cent pro Liter.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

n-tv: "Effekt von Tankrabatt nur gering - Einkommensstarke profitieren am meisten"

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