Seit neun Monaten auf See

Chaos auf USS Abraham Lincoln: Matrosen wollten sich ins Meer stürzen

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

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USA verlegen Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" nach Nahost

Videoclip • 01:09 Min • Ab 12


Die Besatzung der "USS Abraham Lincoln" ist seit Monaten im Nahen Osten im Einsatz. Berichte über defekte Toiletten, Versorgungsprobleme und schwere psychische Belastungen alarmieren inzwischen Angehörige und US-Politiker:innen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Crew der "USS Abraham Lincoln" hat 250 Tage ohne Landgang hinter sich und ist seit Monaten im Nahen Osten im Einsatz.

  • Berichte über Versorgungsprobleme, defekte Sanitäranlagen und erhebliche psychische Belastungen an Bord häufen sich.

  • Demnach wollten einige Matrosen sogar zum Äußersten greifen.

Auf dem US-Flugzeugträger "USS Abraham Lincoln" soll sich die Lage für die rund 5.000 Seeleute und Marinesoldat:innen zunehmend zuspitzen. Die Crew befindet sich im neunten Monat auf See und hat 250 Tage am Stück keinen Landgang gehabt – ein Rekord für einen Flugzeugträger in neuerer Zeit.

Die "Abraham Lincoln" war am 21. November aus San Diego ausgelaufen. Ursprünglich war ihr Einsatz im Pazifik vorgesehen. Nach Beginn des US-israelischen Kriegs gegen Iran wurde der Flugzeugträger jedoch in den Nahen Osten umgeleitet. Die ursprünglich für Mai vorgesehene Rückkehr wurde wegen des anhaltenden Einsatzes mehrfach verschoben.

Auch in den News:

Fehlende Seife, verstopfte Toiletten und verlorene Pakete

Nach Angaben des britischen "Guardian" berichteten zwei US-Militärzeitungen über mehrere Versuche von Besatzungsmitgliedern, über Bord zu springen. Angehörige äußerten ihre Sorgen bei einer Bürgerversammlung mit Vertretungen der Marine in San Diego. Eine Ehefrau sagte demnach, ihr Mann habe ihr geschrieben, er hoffe, am nächsten Tag nicht mehr aufzuwachen.

Auch der demokratische Abgeordnete Mike Levin aus Kalifornien beschrieb die Zustände an Bord auf X. Er nannte verschimmelte Duschen, kaputte Toiletten, seit Wochen ausgefallene Waschmaschinen sowie Phasen ohne heißes Wasser. Außerdem sei die Verpflegung zeitweise knapp gewesen. Levin schrieb von einer Mahlzeit, die aus einer halben Tasse Reis und zwei Tortillas bestanden habe. Es habe an Seife, Deodorant und Zahnpasta gefehlt.

Der demokratische Senator Richard Blumenthal fordert deshalb Aufklärung von Verteidigungsminister Pete Hegseth und Marine-Staatssekretär Hung Cao. "Weitverbreitete Berichte über Versorgungsengpässe, Probleme bei den Sanitäranlagen, eine Verschlechterung der psychischen Gesundheit und mehr erfordern sofortiges Handeln", schrieb er laut Deutscher Presse-Agentur auf X.

Auch Senator Ruben Gallego aus Arizona will die Lage an Bord prüfen. Er kündigte an, den Flugzeugträger mit einer parteiübergreifenden Delegation zu besuchen. Gallego erklärte: "Die Geschichten von Besatzungsmitgliedern, die damit drohen, vom Schiff zu springen, sind ein erschreckendes Alarmläuten dafür, wie schlimm die Situation geworden ist."

Blumenthal verlangt Antworten bis zum 27. August von der Regierung von Präsident Donald Trump.. Dabei geht es unter anderem darum, wie die Regierung auf die wachsende Erschöpfung und Belastung der Crew reagieren will.


Marine weist Berichte über Suizidversuche zurück

Die US-Marine erklärte zu den Berichten, ihr seien die hohen Belastungen bekannt, die lange Einsätze für Militärangehörige und ihre Familien bedeuteten. Die Gesundheit und das Wohlergehen jedes einzelnen Besatzungsmitglieds hätten Priorität.

Eine Zunahme gemeldeter Suizidgedanken oder Suizidversuche an Bord habe die Marine nach eigenen Angaben jedoch nicht festgestellt. Es gebe ein umfassendes Unterstützungsnetz aus medizinischem Personal, Fachleuten für psychische Gesundheit, Seelsorger:innen und Berater:innen. Zudem bestätigten aktuelle Meldungen vom Schiff einen durchgängigen Zugang zu sauberem Wasser, funktionierender Klimatisierung und gesunden Mahlzeiten.

Seit den Militärschlägen der USA und Israels gegen Iran am 28. Februar ist die "USS Abraham Lincoln" im Arabischen Meer im Einsatz. Dort unterstützt sie die US-Seeblockade gegen Schiffe, die versuchen, iranische Häfen anzulaufen oder zu verlassen.


Verwendete Quellen:

Guardian: "USS Abraham Lincoln sailors tried to jump overboard amid extended deployment – reports"

Nachrichtenagentur dpa


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