Massenproteste mit Tausenden Toten
Bericht: Iranische Behörden fordern hohe Summen für die Rückgabe von Leichen
Veröffentlicht:
von Michael ReimersVor gut zwei Wochen haben die Massenproteste gegen das autoritäre Herrschaftssystem der Islamischen Republik begonnen.
Bild: via REUTERS
Menschenrechtsorganisationen befürchten Tausende getötete Demonstrant:innen im Iran. Sicherheitskräfte versuchen dabei offenbar, aus dem Leid der Familienangehörigen Profit zu schlagen.
Das Wichtigste in Kürze
Iranische Behörden verlangen hohe Summen für die Herausgabe getöteter Demonstrant:innen, berichtet die BBC.
Krankenhäuser warnen demnach Angehörige vor.
Nach Darstellung des Weißen Hauses wurden auf US-Druck 800 Hinrichtungen abgesagt.
Der Iran hat die Massenproteste im Land brutal niedergeschlagen. Es gibt Berichte über Tausende Tote. Für die Herausgabe der Leichen verlangen iranische Behörden dabei offenbar hohe Summen. Angehörige von getöteten Demonstrant:innen berichteten der BBC, dass die Körper in Leichenhallen und Krankenhäusern festgehalten werden und die Sicherheitskräfte sie erst freigeben, wenn die Angehörigen bezahlen.
Dabei geht es um viel Geld. Einer Familie zufolge verlangten die Sicherheitskräfte 700 Millionen Toman, umgerechnet fast 5.000 Euro, für die Freigabe. Eine andere Familie sagte sogar, es wurden eine Milliarde Toman (rund 6.900 Euro) gefordert. Das habe sich die Familie nicht leisten können, berichtet die BBC. Sie sei gezwungen gewesen ohne den Leichnam ihres Sohnes abzureisen.
Der Tote war ein kurdischer Saisonarbeiters im Baugewerbe in Teheran. Laut BBC verdient ein Bauarbeiter im Iran üblicherweise weniger als 100 US-Dollar im Monat.
In den Krankenhäusern ist dieses Vorgehen der Sicherheitskräfte offenbar bekannt. In einigen Fällen riefen Mitarbeiter:innen Angehörige von Verstorbenen an, um sie vorzuwarnen, berichtet die BBC. Sie sollten die Leichen abholen, bevor Sicherheitskräfte Geld erpressen konnten. In einem anderen Fall seien mehrere Familien in ein Leichenschauhaus eingebrochen, um Angehörige abzuholen, aus Angst, dass diese von den Behörden mitgenommen würden.
UN: Todesfälle aufklären
Die Vereinten Nationen haben den Iran aufgefordert, jegliche geplanten Hinrichtungen von Protest-Teilnehmern aufzuhalten und alle Todesfälle unabhängig und transparent aufzuklären. Die Situation im Iran sei "zutiefst beunruhigend", sagte die stellvertretende UN-Generalsekretärin für Afrika, Martha Pobee, bei einer Sitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen in New York.
Nach Darstellung des Weißen Hauses wurden auf US-Druck 800 Hinrichtungen abgesagt. Sprecherin Karoline Leavitt machte jedoch keine Angaben zur Quelle für diese Information, die Präsident Donald Trump erhalten habe. Trump hatte bereits am Vortag gesagt, ihm sei "von sehr wichtigen Quellen auf der anderen Seite" zugesichert worden, dass Tötungen im Iran aufhören würden.
Ausgelöst wurden die Proteste unter anderem von einer dramatischen Wirtschaftskrise, einer sehr hohen Inflationsrate und großer Unzufriedenheit mit der Führung in Teheran.
Verwendete Quellen
bbc.com: Iran authorities demanding large sums for return of protesters' bodies, BBC told
Nachrichtenagentur dpa
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