"An mir soll das nicht liegen"
Andeutung bei "Maischberger": Boris Palmer offen für Rückkehr zu Grünen
Veröffentlicht:
von Marko SchlichtingBoris Palmer nahm bei "Maischberger" am 10. März Stellung zur Wahl in Baden-Württemberg.
Bild: WDR / Oliver Ziebe
Wird Boris Palmer Minister in Baden-Württemberg? Der ebenso erfolgreiche wie umstrittene Ex-Grüne weicht am Dienstagabend bei Sandra Maischberger im Ersten der Frage vielsagend aus.
Das Wichtigste in Kürze
Boris Palmer war am 10. März zu Gast in der Polit-Talkshow "Maischberger".
Der parteilose Politiker war früher Mitglied der Grünen und ist Oberbürgermeister der Stadt Tübingen.
Als enger Freund vom Cem Özdemir gilt er nach dem Wahlsieg der Grünen in Baden-Württemberg als Kandidat für einen Ministerposten.
Das Wichtigste vorneweg: Bei "Maischberger" im Ersten äußert sich Boris Palmer auf seine ganz typische Weise nicht dazu, ob er gerne Minister in Baden-Württemberg werden möchte. Viel spricht dafür. Die Grünen haben die Landtagswahlen im Südwesten gewonnen, wenn auch nur hauchdünn.
Palmer und der vermutlich neue Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Cem Özdemir, sind dicke Freunde. Vor drei Wochen hat Palmer den mutmaßlich ersten Ministerpräsidenten mit türkischen Wurzeln gar getraut. Und politisch teilen beide einen gewissen schwäbischen Pragmatismus, sind eher Baden-Württemberger als Parteipolitiker, stellen "ihr" Land vor Parteidisziplin, wenn es nützt - ihnen und Baden-Württemberg.
Da gibt es nur ein Problem: Palmer ist kein Grüner mehr, war es jedoch 27 Jahre lang. Deswegen legt er auch Wert darauf, Cem Özdemir einen "baden-württembergischen Grünen" zu nennen. Am Dienstagabend erklärt er bei Sandra Maischberger im Ersten den Unterschied: "Baden-Württemberg hat Leute wie Winfried Kretschmann, Rezzo Schlauch und Fritz Kuhn bei den Grünen hervorgebracht, und auch so komische Kerle wie mich, die von Anfang an gesagt haben: Uns ist wichtig, dass das Ergebnis stimmt, und nicht, was im Parteiprogramm steht."
Maischberger: "Wollen Sie wieder zurück zu den Grünen?"
Nun haben in Baden-Württemberg noch nicht einmal Vorgespräche für eine Koalitionsbildung begonnen. Trotzdem fragt Sandra Maischberger natürlich das, was alle wissen wollen: "Wollen Sie jetzt wieder zurück zu den Grünen, oder nicht?" Palmer: "Was ich will ist, dass wir wieder eine erfolgreiche ökologische Kraft in Deutschland haben. Wenn ich dazu einen Beitrag leisten darf - jederzeit gerne, an mir soll das nicht liegen."
Palmer weiter: "Ich will erfolgreiche grüne Politik." Das bedeute, dass man Klimaschutz nicht gegen die Wirtschaft mache und dass man "Leute nicht dauernd belehrt und moralisiert. Und wer sagt: Mit dem Programm bist Du uns willkommen - jederzeit."
"Auch als Minister im Kabinett?" fragt Maischberger. Palmer antwortet: "Ich will diese Frage einfach gar nicht beantworten."
Boris Palmer: "Das geht so nicht weiter"
Was er aber natürlich irgendwie doch getan hat. Und man braucht sich nicht allzu weit vorzuwagen, um Palmer als den kommenden Wirtschaftsminister im Südwesten zu sehen. Da würde er sich dafür einsetzen, dass das Verbrenner-Aus nicht schon 2035 kommt, und für die Unternehmen im "Ländle" sowieso. Denn das hat Palmer erkannt: "Es muss jetzt dieses Jahr laufen, Leute. Das geht so nicht weiter." Und zu seinen Kollegen von der Union sagt er: "Wir müssen uns jetzt an einen Tisch setzen."
Palmer, der bei der vergangenen Bundestagswahl Friedrich Merz seine Stimme gegeben hat, hat Angst. Baden-Württemberg sei bald kein "Musterländle" mehr. Merz habe Reformen versprochen, seine Versprechen aber nicht gehalten. Pragmatisch ist Palmer auch beim Thema Migration. "Wenn Du auszubildende abschiebst, Einser-Schüler rausschmeißt, wenn Du den Betrieben die Arbeitnehmer wegnimmst, ist das einfach Blödsinn. Die dürfen hierbleiben. Aber wenn einer meint, dass er hier nach zwei Jahren schon fünfzig Einträge im Strafregister haben kann, dann muss der halt gehen. Das ist doch ganz einfach." Allerdings findet er, dass man jetzt den Menschen helfen müsse, die vor dem Krieg im Iran fliehen würden.
Palmer kennt Banaszak "nur aus dem Fernsehen"
Palmer hält sich gut während des Gesprächs, kann es jedoch zwischendurch nicht lassen, ein wenig gegen seine Ex-Partei zu lästern. Den Grünen-Co-Chef Felix Banaszak kenne er "nur aus dem Fernsehen", sonst nicht, aber er könne ihn mal in Tübingen besuchen, sagt Palmer.
Banaszak hatte sich skeptisch zu einer erneuten Mitgliedschaft des Tübinger Oberbürgermeisters geäußert. Und auch mit der Veröffentlichung eines Videos durch eine grüne Bundestagsabgeordnete fremdelt er. Darin war zu sehen, wie sich der baden-württembergische CDU-Kandidat Manuel Hagel über die "rehbraunen Augen" einer 16-jährigen Schülerin äußerte.
Das Video ist einige Jahre alt, doch seine Veröffentlichung vor zehn Tagen könnte dem CDU-Kandidaten Wählerstimmen gekostet haben, behauptet die CDU und spricht von einer Schmutzkampagne. Palmer will das so nicht stehen lassen. Er nennt die Veröffentlichung eine "Einzelaktion" und erkennt bei den Grünen eine "gesinnungsethische Selbstsicherheit, aus der folgt, dass man die Verantwortung für das eigene Handeln gar nicht übernehmen muss".
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Vorgeschmack auf Verhandlungen
Bei Lanz: CDU-Mann Strobl und Grünen-Chefin Brantner geraten aneinander

Dramatische Zahlen
Porsche-Gewinn bricht um 91,4 Prozent ein

Drama im Kanton Freiburg
Mann zündet sich offenbar in Schweizer Linienbus an: Sechs Tote

Krieg im Nahen Osten
Iran-Ticker: Krieg lässt Benzinpreise in USA deutlich steigen

Verkehr
Technische Störung an deutschen Autobahnen: Alle Notrufsäulen ausgefallen

Sonderregeln für Nahost-Flüge
Piloten wollen mehr Geld: Lufthansa-Streik am Donnerstag und Freitag


