Dauerfrost und Minusgrade

Wintereinbruch in Deutschland: Polarwirbel "Beast from the East" schickt eisige Temperaturen

Aktualisiert:

von Max Strumberger

Bereits zum Jahresende hat ein Kälteeinbruch für eisige Temperaturen in Deutschland gesorgt

Bild: Focke Strangmann/dpa


Nach milderen Tagen dreht die Großwetterlage auf Wintermodus: Das "Beast from the East" schickt frostige Luftmassen nach Deutschland. Modelle rechnen mit anhaltendem Dauerfrost, teils zweistelligen Minusgraden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Winter meldet sich eindrucksvoll zurück.

  • Ein strauchelnder Polarwirbel und ein mächtiges Kältehoch aus Osteuropa könnten Mitteleuropa in eine länger anhaltende Frostphase schicken.

  • Vor allem im Osten Deutschlands steigen die Chancen auf eine echte Kältewelle.

Über Osteuropa und West-Russland hat sich ein kräftiges Kältehoch aufgebaut, das seinen Einfluss nun Richtung Mitteleuropa ausdehnt. Das Hoch – von einigen Meteorologen "Kältehoch Christian", von englischsprachigen Medien als "Beast from the East" bezeichnet – verlagert sich in Richtung Skandinavien und krempelt die Großwetterlage um: Die bislang vorherrschende westliche bis südwestliche Strömung wird zunehmend von einer östlichen Strömung abgelöst. Damit öffnet sich der Weg für deutlich kältere Luftmassen aus Russland nach Deutschland.

Nach einer kurzen Phase milder Temperaturen rutschen die Werte nun wieder in den Keller. Bereits am Wochenende drehen die Winde auf Ost, damit strömt sukzessive kühlere und trockene Luft ein. Westlich einer Linie Münster–München werden zwar noch 0 bis 5 Grad erwartet, östlich davon stellt sich aber verbreitet Dauerfrost ein – mit Werten zwischen etwa −3 und +1 Grad. Besonders Berlin und der Nordosten bekommen die Kälte zuerst zu spüren: Dort sind Dauerfrost und Tageshöchstwerte um −2 Grad angekündigt.

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Meteorolog:innen gehen davon aus, dass sich das Skandinavien-Hoch zwischen etwa 19. und 25. Januar über Deutschland, Österreich und der Schweiz etablieren kann. Der Deutsche Wetterdienst rechnet schon für die kommenden Tage mit Tiefstwerten zwischen −2 und −8 Grad, in Hochtälern im Südosten nahe −10 Grad. Das Europäische Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMWF) simuliert ab etwa 23. Januar sogar bundesweit Temperaturen im Minusbereich – mit Höchstwerten bis zu −10 Grad im Nordosten, während sich der Westen noch um den Gefrierpunkt hält. Einige Modelle sehen nachts Werte bis −15, teils sogar bis −21 Grad.

Entscheidend für die weitere Entwicklung ist der Polarwirbel, ein großes Kältetief über der Arktis, das im Winter die kalte Luft normalerweise im hohen Norden hält. Laut Analysen strauchelt dieser Wirbel bereits die ganze Saison und war für frühere Kälteeinbrüche im November und Anfang Januar mitverantwortlich. Mehrere Wettermodelle rechnen nun erneut mit einer massiven Störung – bis hin zu einem sogenannten Polarwirbelsplit. Dabei teilt sich der Wirbel in zwei Kältezentren, sodass arktische Luft weiter nach Süden vordringen kann – auch nach Mitteleuropa.


Möglicherweise kältester Winter seit Jahren

Die aktuellen Läufe des EZMWF bevorzugen eine stabile kalte Ostlage: Ein mögliches Polarhoch über dem Nordpol schwächt den Polarwirbel zusätzlich, die östliche Anströmung verstärkt sich. In diesem Szenario würde der Winter mit unterdurchschnittlichen Temperaturen in Deutschland zurückkehren – besonders im Osten mit einer länger anhaltenden Kältewelle und häufigem Dauerfrost. Die Luft wäre dabei eher trocken, größere Schneemengen sind daher nicht sicher. Ein alternativer Verlauf mit einem Vorstoß des Hochs Richtung Grönland und anschließender Zufuhr milder Atlantikluft – mit möglichen 7 bis 16 Grad Ende Januar/Anfang Februar – gilt inzwischen als immer unwahrscheinlicher.

Die bisherige Wintersaison widerspricht vielen früheren Erwartungen eines überwiegend milden Winters: Schon der Januar brachte in Deutschland die kältesten Tage seit rund 15 Jahren. In Osteuropa zeigen sich bereits Extremwerte – rund um Moskau werden in der kommenden Woche bis zu −30 Grad erwartet. Setzt sich diese arktische Luft über Osteuropa fest und greift weiter nach Westen aus, könnte Deutschland – vor allem der Osten – in eine ungewohnt lange Frostphase geraten. Einige Expert:innen  halten deshalb einen der kältesten Winter seit Jahren für möglich. Ob die "Kältebestie aus dem Osten" Deutschland voll erwischt, entscheidet sich in den nächsten Wochen – und hängt maßgeblich davon ab, wie sich der angeschlagene Polarwirbel weiter verhält.


Verwendete Quellen:

t-online.de: "Beast from the East" Die Großwetterlage kippt

Berliner Kurier: Kälte aus Russland – und jetzt warnen Meteorologen vor dem Polarwirbel

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