Fahrlässige Tötung?
Wiesloch: Psychiatriepatient stirbt nach Fixierung durch Polizei
Veröffentlicht:
von dpa:newstime
So arbeitet die Polizei in Deutschland
Videoclip • 01:46 Min • Ab 12
Ein aggressiver Patient des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden in Wiesloch ist kollabiert und gestorben, nachdem die Polizei seine Fixierung übernommen hatte. Jetzt reagiert die betroffene Einrichtung.
Das Wichtigste in Kürze
Ein Psychiatriepatient in Wiesloch ist nach einem Polzeieinsatz gestorben.
Der 34-jährige Mann hatte sich zuvor aggressiv verhalten und sollte fixiert werden.
Dabei kollabierte der Patient und konnte nicht mehr reanimiert werden.
Weil ein 34 Jahre alter Psychiatriepatient in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) während einer Fixierung durch Polizist:innen kollabiert und gestorben ist, zeigt sich das Psychiatrische Zentrum Nordbaden (PZN) bestürzt. "Im PZN herrscht große Betroffenheit", teilte die Pressestelle der "Rhein-Neckar-Zeitung" mit. Selbstverständlich werde man die Ermittlungen vollumfänglich unterstützen. Die Pressestelle reagierte zunächst nicht auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Am Montag (18. Mai) hatten die Staatsanwaltschaft Heidelberg und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg mitgeteilt, dass der Patient sich im PZN in Wiesloch bei Heidelberg aggressiv verhalten habe. Mehrere Pflegekräfte sowie die Stationsärztin hätten versucht, den Mann zu beruhigen und zu fixieren, hieß es in der Behördenmitteilung.
Psychiatrie Wiesloch bat Polizei um Unterstützung
Der Patient habe sich mit großer Kraft dagegen gewehrt, sodass Kräfte des Polizeireviers Wiesloch zur Unterstützung angefordert worden seien. Nach dem Eintreffen der Beamt:innen sei zur Unterstützung des Pflegepersonals "unmittelbarer Zwang mit dem Ziel der Fixierung des Patienten angewendet" worden.
Dagegen habe sich der Patient heftig gewehrt, hieß es weiter. "Im Rahmen der Fixierung kollabierte der Patient und er wurde reanimationspflichtig." Trotz sofortiger ärztlicher Hilfe sei sein Tod festgestellt worden. Der Mann war demnach seit mehreren Wochen freiwillig in dem Zentrum untergebracht gewesen.
Vorfall ähnelt tödlichem Polizeieinsatz in Mannheim
Die Staatsanwaltschaft prüft laut der Mitteilung vom Montag, ob sich die an der Fixierung Beteiligten wegen fahrlässiger Tötung strafbar gemacht haben. Eine Obduktion zur Ermittlung der Todesursache sei in Auftrag gegeben worden. Wann Ergebnisse vorliegen, war zunächst unklar. Das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft ermitteln in dem Fall.
Der Vorfall erinnert an einen Fall aus dem Mai 2022: Damals war ein psychisch kranker 47-Jähriger in der Mannheimer Innenstadt bei einem gewaltsamen Einsatz von zwei Polizisten zusammengebrochen und im Krankenhaus gestorben. Das Landgericht Mannheim entschied 2024: Das Vorgehen der beiden angeklagten Polizisten war im Wesentlichen gerechtfertigt. Es sprach einen Beamten damals frei, sein Kollege wurde zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt.
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