Arbeitskampf
Verdi ruft am Montag zu Warnstreiks auf: Wo der Nahverkehr lahmgelegt werden soll
Veröffentlicht:
von Michael ReimersDie Gewerkschaft Verdi hat zu einem Warnstreik aufgerufen. (Archivbild)
Bild: Uwe Anspach/dpa
Die Gewerkschaft Verdi fordert höhere Zuschläge für die Beschäftigten. Von Seiten Arbeitgeber wird vor leeren Kassen gewarnt. Am Montag wird in mehreren Bundesländern der Nahverkehr bestreikt.
Das Wichtigste in Kürze
Wie die Gewerkschaft Verdi mitteilte, kommt es am Montag (2. Februar) in Berlin, Bremen, Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland zu Streiks im Nahverkehr.
In Baden-Württemberg und Hessen werden größere Städte bestreikt.
Verdi fordert höhere Zuschläge, die Arbeitgeber entgegnen, das sei nicht zu finanzieren.
Fährgäste in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Hessen, Bayern, Berlin, Schleswig-Holstein, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern und im Saarland müssen sich zu Beginn der neuen Woche auf erhebliche Einschränkungen im kommunalen Nahverkehr einstellen. Die Gewerkschaft Verdi hat für Montag (2. Februar) zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen.
Wird in meiner Stadt gestreikt?
Baden-Württemberg: Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn, Freiburg, Baden-Baden, Esslingen und Konstanz
Bayern (unter anderem): München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Bamberg, Passau, Landshut, Schweinfurt
Berlin
Hessen: Frankfurt, Kassel, Wiesbaden, Gießen, Marburg
Hunderttausende Fahrgäste in BaWü sind betroffen
In den sieben Städten in Baden-Württemberg dürften die Fahrzeuge also weitgehend im Depot bleiben: Verdi rechnet damit, dass keine Busse und Bahnen fahren werden. Ob einzelne Linien der bestreikten kommunalen Verkehrsunternehmen doch bedient werden oder ob es Ersatzfahrpläne geben wird, war zunächst nicht bekannt. Sicher ist aber: Von dem Ausstand dürften Hunderttausende Menschen betroffen sein.
In allen Bundesländern stehen in diesem Frühjahr Verhandlungen über neue Manteltarifverträge für die kommunalen Nahverkehrsbetriebe an. In Baden-Württemberg arbeiten dort rund 6.700 Menschen. Für sie verhandelt Verdi mit dem hiesigen Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV).
Gewerkschaft kämpft für höhere Zuschläge
Beim Verhandlungsauftakt gab es nach früheren Angaben keine Annäherung. Dieses Mal streiten die Tarifparteien nicht über das Gehalt. Neu ausgehandelt wird stattdessen der Manteltarifvertrag, in dem die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten festgelegt sind. Verdi fordert unter anderem höhere Zuschläge für Überstunden, Nachtarbeit sowie Arbeit am Wochenende. Außerdem wolle man Zulagen entsprechend der individuellen Entgeltstufe durchsetzen.
Verdi argumentiert, dass Überstunden derzeit für Arbeitgeber günstiger seien als Neueinstellungen und die Beschäftigten durch Arbeitsverdichtung stark belastet würden. Verbesserte Zuschläge sollen nach Gewerkschaftsangaben dazu beitragen, Überstunden zu begrenzen, Personal zu gewinnen und den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) langfristig zu stabilisieren.
Verdi-Verhandlungsführer Jan Bleckert zeigte zwar Verständnis für die prekäre finanzielle Lage der Kommunen. Er betonte aber: "Wir akzeptieren nicht, dass die kommunalen Arbeitgeber die Beschäftigten mit der ständigen Androhung von Leistungskürzungen und Preiserhöhungen für Fahrgäste erpressen wollen."
Auch in den News:
Arbeitgeber verweisen auf "katastrophale Finanzlage"
Die Arbeitgeber legten bei der ersten Verhandlungsrunde kein Angebot vor - und wiesen die Forderungen mit Verweis auf die "katastrophale Finanzlage" vieler Städte und Gemeinden zurück. Die Spielräume sind demnach durch wegbrechende Einnahmen, steigende Ausgaben und teils nicht genehmigte Haushalte ausgeschöpft. In dieser Situation gehe es bereits darum, den Status quo zu sichern. Zusatzkosten durch höhere Zulagen seien nicht finanzierbar.
Der Verband verwies zudem auf bereits vereinbarte tarifliche Verbesserungen. Seit 2023 seien die Entgelte einschließlich Zuschlägen um mehr als ein Fünftel gestiegen - und weitere Erhöhungen seien vereinbart. Die Verhandlungen sollen am 9. Februar fortgesetzt werden. Die Friedenspflicht in dem Konflikt endete bereits zum 1. Januar.
Verwendete Quellen
Nachrichtenagentur dpa
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