Aus dem Schlaf gerissen
Unangenehmer Gestank am Bodensee: Friedrichshafen sucht nach Ursache
Veröffentlicht:
von Oliwia Kowalak:newstime
Niedrigwasser am Bodensee: Wird die Hitze zum Tourismusproblem?
Videoclip • 02:31 Min • Ab 12
In Friedrichshafen am Bodensee beschweren sich Anwohner:innen seit knapp zehn Jahren über üblen Geruch. Die Stadt hat jetzt Gutachter mit Ermittlungen zur Ursache beauftragt.
Das Wichtigste in Kürze
In Friedrichshafen in Baden-Württemberg reißt ein übelriechender Gestank Menschen im östlichen Teil der Stadt aus dem Schlaf.
Die Ursache konnte bisher nicht geklärt werden. Die Stadt hat daher im Frühjahr einen Gutachter mit Untersuchungen beauftragt.
Anwohner:innen der betroffenen Stadtteile können durch das Ausfüllen eines Fragebogens bei den Ermittlungen helfen.
In Friedrichhafen am Bodensee klagen Menschen seit Jahren über einen unangenehmen Geruch. Besonders nachts soll der Gestank für Bewohner:innen der Stadt so störend sein, dass bei Behörden reihenweise Beschwerden einlaufen. Der Grund für den üblen Gestank am Bodensee wurde bisher noch nicht ausfindig gemacht – dies soll sich jedoch ändern.
Der Gestank tritt im Osten von Friedrichshafen auf. Betroffen seien vor allem das Viertel St. Georgen, die Bundesstraße 31 und der Fluss Rotach. Die Hafenpromenade am Nordufer des Bodensees aber nicht.
Auch in den News:
Gestank am Bodensee reißt Bewohner:innen von Friedrichshafen-Ost aus dem Schlaf
Bereits seit 2017 registriert die Stadt laut eines Sprechers Beschwerden über Geruchsbelästigung. Messungen der Feuerwehr Friedrichshafen blieben erfolglos. Auch Hinweise der Bürger:innen konnten den Verursacher bisher nicht identifizieren.
Der Gestank am Bodensee soll nach Angaben von Anwohner:innen so stark sein, dass Menschen in Friedrichshafen-Ost um den Schlaf gebracht werden. Eine Bürgerin aus dem Seewald schrieb laut "Schwäbischer Zeitung": "Wieder einmal wurde ich um meinen Schlaf gebracht, weil um 4.30 Uhr ein übler Gestank durch meine ganze Wohnung gezogen ist. Er kommt zum Schlafzimmerfenster direkt auf mein Bett, durch die Balkontür ins Wohnzimmer und sogar durch die Lüftungskanäle in Bad und Toilette, ich wohne im 1. Stock, unser Haus hat fünf Etagen".
Die Anwohnerin beschwerte sich demnach seit Jahren beim Umweltamt. Auch ihren Balkon hätte sie bereits für Messungen angeboten. Die Behörden antworteten jedoch, dass keine Gelder da seien, um solche Messungen durchzuführen.
Friedrichshafen: Fragebogen soll bei Aufklärung von Ursachen helfen
Die Umweltabteilung von Friedrichshafen hat im Frühjahr ein Gutachterbüro damit beauftragt, die Situation zu untersuchen. Das Ziel: Noch in diesem Jahr soll die Ursache der Geruchsbelästigung ermittelt werden. Es sei möglich, dass der Gestank am Bodensee von den Jahreszeiten abhängig ist. Auch das Wetter könnte eine Rolle spielen. "Dies sollen die detaillierten Meldungen der Bürgerinnen und Bürger jetzt ergeben.", hieß es.
Bürger:innen können durch das Ausfüllen eines Fragebogens bei der Aufklärung helfen. Angaben wie Ort, Uhrzeit, Dauer oder Beschreibungen wie ranzig, süß, Gülle oder chemisch können den Gutachter:innen bei den Ermittlungen nach der möglichen Ursache helfen. Die Stadt weist aber auch darauf hin, dass der Erfassungsbogen ausschließlich von Anwohner:innen von Friedrichshafen-Ost – also St. Georgen, die Kitzenwiese, das Gebiet zwischen Paulinenstraße, Ravensburger Straße und der Südbahn sowie der Bereich zwischen Eberhardstraße, Lindauer Straße und B 31 in Friedrichshafen-Ost – ausgefüllt werden sollte.
Niedriger Pegelstand legt Gerüche am Bodensee offen
Meldungen über faule Gerüche am Bodensee sind nicht neu. Denn schon der niedrige Pegelstand hat seit diesem Frühjahr die olfaktorische Wahrnehmung von Bodensee-Besucher:innen herausgefordert.
Am freigelegten Ufer des Untersees riecht es seit Frühjahr nach faulen Eiern. Laut Angaben von Umweltexperten ist dies wohl auf Schwefelwasserstoff zurückzuführen. Dieses Gas entsteht, wenn organisches Material, beispielsweise Algen, im Seeboden zerfällt, wie die "Thurgauer Zeitung" berichtet. Auch verwesendes Fleisch der Quaggamuschel sorgt an Ufern des Bodensees für unangenehmen Geruch.
Der Gestank wird je nach Uferbeschaffenheit stellenweise intensiver. So soll es in trockengefallenen Bereichen mit organischem Material, also da, wo sich das Wasser zurückzieht, deutlich schlimmer sein als an Kieselstränden.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
friedrichshafen.de: "Unangenehme Gerüche: Stadt untersucht Ursache"
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