Notfall auf hoher See

Sterbefall auf einem Kreuzfahrtschiff: Das passiert mit Toten an Bord

Veröffentlicht:

von Marie-Finn Bruker

:newstime

Hantavirus: Drei Tote auf Kreuzfahrt

Videoclip • 38 Sek • Ab 12


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Auf einem Kreuzfahrtschiff bricht das Hantavirus aus, drei Menschen sterben. Immer wieder kommt es auch auf See zu Sterbefällen infolge von Krankheit, Unfall oder Alter. Doch was passiert dann?

Das Wichtigste in Kürze

  • Todesfälle auf Kreuzfahrten sind selten – aber möglich: Für Notfälle dieser Art gibt es festgeschriebene Regelungen.

  • Ist der Leichnam von Bord, wird es komplizierter – ab da ist vieles Länder- oder Angehörigensache.

  • Für die Hinterbliebenen gibt es auf Land und See seelische sowie bürokratische Unterstützung.

Kreuzfahrt: Klingt nach Urlaub und Unbeschwertheit. Der Gedanke an den Tod ist im Erholungsparadies auf See eher ein Tabu. Dennoch sterben laut "Augsburger Allgemeine" jährlich rund 200 Menschen auf einem Kreuzfahrtschiff, Verbrechen herausgerechnet.

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Jemand stirbt an Bord – und jetzt?

Die Kreuzfahrtschiffindustrie boomt. 2024 erreichte sie mit 34,64 Millionen Passagier:innen einen Rekordwert. Oft sind es ältere Menschen, die Erholung auf einem All-inclusive-Schiff suchen.

"Viele Kreuzfahrer sind älter, die Passagierzahlen steigen seit Jahren und damit logischerweise auch die Zahl der Todesfälle", sagt ein Mitarbeiter einer Schiffsmaklerei gegenüber dem "Ärzteblatt".

Für solche Todesfälle an Bord habe man ein festes Prozedere, so Aida Cruises. "Wir sind natürlich gut vorbereitet, um in diesen Fällen in angemessener Art und Weise zu reagieren." So habe jedes Schiff eine Krankenstation samt Fachpersonal. Im Todesfall sei somit immer ein:e Ärzt:in zur Stelle, um dann einen Totenschein auszustellen, berichtet die "Augsburger Allgemeine".

Danach werde der Leichnam im Kühlen gelagert. "An Bord von Kreuzfahrtschiffen gibt es in der Regel Body Bags sowie für diese Fälle vorgesehene Kühlfächer", erklärt der Branchenverband Cruise Lines International Association (CLIA) Deutschland gegenüber dem "Ärzteblatt".

Diese Räume fänden sich in speziellen Hospitalbereichen des Schiffes. "Die alte Mär, Leichen würden neben den Kühlräumen für Lebensmittel aufbewahrt, ist natürlich Unfug", ergänzt ein Mitarbeiter der Agentur. Die Aufbewahrung an Bord erfolge laut CLIA unter Achtung aller Regeln der Hygiene und Pietät.

Das Thema Tod wird auf Kreuzfahrtschiffen eher fern der Besucher:innen behandelt. "Diskretion ist gewünscht, einen Leichenwagen schicken wir natürlich nicht auf die Pier", so der Mitarbeiter einer Schiffsmaklerei. Zum Transport des Körpers beauftragen viele Kreuzfahrtreedereien Schifffahrtsagenturen in den Häfen oder andere medizinische Dienstleistungsunternehmen.

Andere Länder, anderes Recht

Die Verstorbenen werden laut Schiffsmaklerei-Mitarbeiter am nächsten Zielhafen auf der Schiffsroute von Bord gebracht. "Wenn also ein Schiff von New York nach Hamburg fährt, muss es nicht einen Extrastopp zum Beispiel in England einlegen."

Bei einem Schiff, das sich teilweise innerhalb weniger Tage zwischen mehreren Ländern bewegt, bleibt dennoch die Frage nach dem geltenden Recht.

Grundsätzlich gelten hier die Regelungen des Landes, in dessen Gewässer sich das Schiff zum Todeszeitpunkt befindet. Auf internationaler See zählt das Recht des Staates, unter dessen Flagge der Dampfer registriert ist. Auf der Sterbeurkunde stehen dann statt dem Land die nautischen Positionsdaten des Schiffes zum Zeitpunkt des Todes.

Im Falle eines unnatürlichen Todes muss die Schiffsführung dafür sorgen, dass im nächstanzulaufenden Hafen polizeiliche Ermittlungen durch die zuständigen Behörden erfolgen. Den Behörden obliegt die exakte Feststellung der Todesursache und die Freigabe des Leichnams.

Trauer bei Hinterbliebenen und vor allem: viel Arbeit

Hinterbliebene werden von einem Assistenzteam betreut, auf großen Schiffen gibt es teilweise auch Seelsorger:innen. Die Angehörigen an Land gilt es, umgehend zu benachrichtigen. Für die Hinterbliebenen ist das nicht nur eine schreckliche Nachricht, sondern auch an zahlreiche Entscheidungsfragen und Bürokratie geknüpft.

Überführung nach Hause oder Beerdigung im nächsten Hafenort? Welche infrastrukturellen Möglichkeiten bietet die Anlegestelle überhaupt? Welche Versicherung und Erstattungskosten stehen den Betroffenen zu?

Eine Frage des Landes, aber auch des Preises. Die Überführung eines Toten ist laut Bericht der "Augsburger Allgemeinen" nämlich reine Privatsache. Die Kosten für innereuropäische Überführungen auf dem Landweg schwanken zwischen 2.000 und 7.000 Euro.

Doch egal ob in Luft oder Land: Die Transportvorschriften für den Leichnam sind immer gleich, wie zum Beispiel die Lagerung in einem verlöteten Zinksarg.

Der bürokratische Aufwand ist ebenfalls ortsunabhängig. Die deutschen Auslandsvertretungen können hier Hilfe bei Beglaubigungen, Übersetzungen, Adressen von Bestatter:innen sowie zuverlässigen Rückholdiensten leisten.



Verwendete Quellen:

Augsburger Allgemeine: "Todesfall auf dem Kreuzfahrtschiff: Was passiert eigentlich mit dem Leichnam?"

ÄrzteZeitung: "Wenn der Tod an Bord ist"

Institut für Wissen in der Wirtschaft (IWW): "Tod auf dem Kreuzfahrtschiff - was nun?"

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