In Serbien und Kroatien
Niedrigwasser auf der Donau legt Wracks frei und verschärft Krise für die Schifffahrt
Veröffentlicht:
von Benedikt Rammer:newstime
Hitzerekord im Mittelmeer: Was das für Urlauber bedeutet
Videoclip • 01:02 Min • Ab 12
Wochenlange Hitze und Trockenheit haben die Donau in Serbien und Kroatien auf ungewöhnlich niedrige Pegelstände gedrückt. Dadurch werden nicht nur historische Schiffswracks sichtbar, auch die Schifffahrt und Teile der Wirtschaft geraten zunehmend unter Druck.
Das Wichtigste in Kürze
Das extreme Niedrigwasser der Donau legt in Kroatien und Serbien historische Schiffswracks frei.
Für die Schifffahrt entstehen durch geringe Tiefe und neue Hindernisse erhebliche Risiken und wirtschaftliche Schäden.
Forschende sehen in der Dürre auch ein Warnsignal für die zunehmenden Folgen des menschengemachten Klimawandels.
Die Donau führt in Teilen Südosteuropas derzeit so wenig Wasser wie lange nicht. In Kroatien meldete das staatliche Hydrometeorologische Institut DHMZ laut "Future Zone" Pegelstände von minus 109 Zentimetern in Batina und minus 49 Zentimetern in Vukovar. Diese Werte bedeuten nicht, dass der Fluss dort nur wenige Zentimeter tief ist. Sie beziehen sich auf festgelegte örtliche Messpunkte, nicht auf die tatsächliche Tiefe des Flussbetts.
Die Folgen des Niedrigwassers sind dennoch deutlich sichtbar. In Novi Sad sitzen Boote im Schlamm fest, große Sandbänke liegen frei. An mehreren Stellen tauchen außerdem Relikte auf, die jahrzehntelang unter Wasser verborgen waren. Damit wird eine der wichtigsten Wasserstraßen Europas plötzlich auch zu einem Ort, an dem Geschichte sichtbar wird.
Wrack bei Opatovac aufgetaucht
Bei Opatovac in Kroatien ragt inzwischen das Heck eines Schiffswracks sichtbar aus der Donau. Die Gemeinde Lovas bestätigte das in einem Facebook-Beitrag. Anwohner:innen berichten laut den vorliegenden Informationen, dass sie vor rund 15 Jahren zwar kleinere Umrisse gesehen hätten, aber nie ein so großes Wrack.
Die kroatische Zeitung "Jutarnji list" zitiert Lovas’ Bürgermeisterin Lea Vidić mit den Worten: "Wir haben bereits einen wertvollen Hinweis erhalten – einen Zeitungsartikel aus dem Jahr 1937, der über seinen Untergang berichtet." Demnach war der ungarische Frachter "Fulton" Richtung Novi Sad unterwegs und schleppte einen mit Kohle beladenen Lastkahn. Bei Opatovac kam es aus bis heute ungeklärter Ursache zu einem Unfall, bei dem der Kahn mit seiner Ladung sank.
Auch in den News:
Kriegswracks bei Prahovo sorgen weiter für Gefahr
Noch größer ist die historische Dimension laut "Futurezone" bei Prahovo in Serbien. Dort liegen Überreste einer deutschen Kriegsflotte, die 1944 beim Rückzug vor der Roten Armee selbst versenkt wurde. Nach Angaben der Europäischen Investitionsbank, kurz EIB, ordnen Historiker:innen etwa 200 Wasserfahrzeuge diesen Versenkungen zu, darunter bewaffnete Boote, Landungs- und Transportschiffe, Schlepper und Kähne.
Ein von der EU gefördertes Projekt der Western Balkans Investment Framework, soll 21 besonders problematische Wracks aus einem Engpass der Donau entfernen. Das Projekt läuft offiziell bis Juni 2028. Die EIB warnt jedoch, dass einige Wracks noch Munition enthalten könnten. Das macht die Bergung kompliziert und gefährlich.
Schifffahrt und Wirtschaft leiden unter dem Niedrigwasser
Für die Schifffahrt ist die Lage doppelt problematisch. Einerseits sinkt bei niedrigem Wasserstand die mögliche Beladung der Schiffe. Andererseits engen freigelegte Hindernisse den Fahrraum zusätzlich ein. Schon im Januar hatte die Hafenbehörde Vukovar vor der anhaltenden Niedrigwasserlage im Mohovo-Kanal gewarnt.
Auch wirtschaftlich sind die Folgen bereits spürbar. Reuters berichtet unter Berufung auf Serbiens Energieministerin Dubravka Đedović Handanović, dass die Treibstoffimporte im Juli nur 25 Prozent des Monatsziels erreicht hätten. Kähne und Tanker seien nur mit 30 bis 40 Prozent ihrer Kapazität gefahren. Das bedeutet deutlich mehr Fahrten für dieselbe Transportmenge und damit höhere Kosten.
Klimawandel erhöht das Risiko solcher Extreme
Die Dürre wird auch im größeren Klimakontext betrachtet. Die Forschungsgruppe World Weather Attribution kam laut "Futurezone" in einer Ende Juli veröffentlichten Schnellanalyse zu dem Ergebnis, dass der menschengemachte Klimawandel die beobachteten Bodenfeuchtedefizite in Osteuropa rund elfmal wahrscheinlicher gemacht habe. Besonders verdunstungsintensive Bedingungen seien demnach sogar etwa 40-mal wahrscheinlicher geworden.
Auch der Copernicus-Klimadienst meldete, dass Europa im Juni 2026 den zweitwärmsten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen erlebt habe. Die sichtbaren Wracks in der Donau sind deshalb nicht nur historische Zeugnisse. Sie zeigen auch, wie verletzlich wichtige Verkehrswege in Europa durch Hitze, Dürre und häufigere Extremwetterlagen werden.
Verwendete Quellen:
Futurezone: "Historische Dürre: Diese Schiffswracks hat die Donau jahrzehntelang verborgen"
Jutarnji list
Hydrometeorologisches Institut DHMZ
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