Härtere Strafen
Opfer von K.-o.-Tropfen erzählt von Horrornacht: Fühle mich "wie eine Marionette"
Veröffentlicht:
von Emre Bölükbasi:newstime
Strafe bei KO-Tropfen wird verschärft
Videoclip • 01:58 Min • Ab 12
Betäubt mit K.-o.-Tropfen, Erinnerung gelöscht: Kira weiß nicht mehr, was in jener Nacht geschah, in der sie Opfer sexueller Gewalt wurde. Sie sieht die Regierung in der Pflicht.
Der Bundestag hat am Freitag (6. November) für härtere Strafen beim Einsatz von sogenannten K.-o.-Mitteln für eine Vergewaltigung oder einen Raub gestimmt. Statt bisher drei Jahren Freiheitsstrafe sind künftig fünf Jahre vorgesehen.
Die Reform ist ein Erfolg für Betroffene, die sie seit Langem gefordert haben. K.-o.-Tropfen machen Menschen wehrlos und werden eingesetzt, um sexualisierte Gewalt zu ermöglichen. Viele Opfer können sich später nicht erinnern, was ihnen angetan wurde.
Auch in den News:
K.O.-Mittel im Getränk nicht bemerkbar
Auch Kira ereilte das gleiche Schicksal. Sie wurde Opfer schwerer sexualisierter Gewalt, wie sie gegenüber :newstime mitteilt. "Wir sind an einem Abend in unsere Stammkneipe gegangen. Ein ganz normaler Abend, bis ich dann irgendwann K.-O.-Tropfen bekommen habe", erinnert sie sich.
Was danach geschah, kenne sie nur aus Erzählungen, Handydaten und aus ihrem toxikologischen Bericht. Sie wisse nicht mal, wie die K.O.-Tropfen in ihr Getränk gekommen waren, "aber es wird wahrscheinlich so sein, dass da Schnaps ausgeteilt wurde und darin war es dann halt".
Der Täter sei selbst Gast gewesen und stamme aus der Clubszene, das habe das Gericht nachgewiesen. Bemerken könne man die Tropfen kaum: "Du kannst das nicht bemerken, außer du merkst, dass dir schwummrig oder so wird."
Kira wurde Opfer sexueller Gewalt, doch sie kann sich an nichts erinnern.
Bild: :newstime
"Eine Nacht, die alles zerstört hat"
Schon in der Bar sei sie nach der Einnahme der K.O.-Tropfen offenbar belästigt worden. Einige Gäst:innen hätten noch versucht, sie zu schützen. Doch ihre damalige Freundin habe sie mit dem Täter ins Taxi gesetzt – "weil sie vielleicht nicht richtig geguckt hat, nicht richtig zugehört hat oder mich nicht richtig geschützt hat".
In ihrer Wohnung sei zudem die Tür kaputt gewesen: "Dadurch war alles relativ einfach." Mehrfach versuchte Kira laut ihrer Schilderung noch in ihrer Wohnung, ihre Freundin und ihre Mutter zu erreichen. "Anscheinend war ich in Not", erzählt sie, Handydaten belegen das. "Und am nächsten Morgen bin ich wach geworden, habe gemerkt, dass was Schlimmes passiert ist. Aber da wusste ich gar nicht mehr, was überhaupt passiert ist." Danach fuhr die junge Frau ins Krankenhaus.
Irgendwas Schlimmes ist passiert. Aber man kann das bis heute nicht wirklich nachempfinden oder fühlen, was passiert ist, weil man sich nicht erinnern kann.
Bis heute fehlt Kira jedes Bild dieser Nacht. Wie fühlt man sich danach? "Ich würde sagen, wie eine Marionette." Sie wisse, dass etwas Schlimmes passiert sei, "aber man kann das bis heute ja nicht wirklich nachempfinden oder fühlen". Zurück bleibe "eine Nacht, die alles zerstört hat."
Mehr Einsatz der Bundesregierung gegen K.-o.-Tropfen hält sie für "super wichtig". Härtere Strafen seien gut, doch: "Die können nur angewandt werden, wenn es auch zu einer Anklage kommt. Und da gibt es viel, viel mehr Stellschrauben, die man verändern könnte."
Verwendete Quellen:
Tagesschau: "Härtere Strafen für Einsatz von K.-o.-Tropfen"
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