Fakt oder Fake?

Kettenbrief auf WhatsApp sorgt für Panik – Was wirklich dahintersteckt

Aktualisiert:

von Marie-Finn Bruker

:newstime

WhatsApp-Kettenbrief: Was wirklich hinter der KI-Warnung steckt

Videoclip • 01:21 Min • Ab 12


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Ein aktuell kursierender Kettenbrief warnt vor einer KI, die Zugriff auf private Chats, Telefonnummern und persönliche Daten habe. Die Nachricht erreicht viele Nutzer:innen des Messengerdienstes WhatsApp – was es damit auf sich hat.

Das Wichtigste in Kürze

  • In der Nachricht heißt es, die WhatsApp-KI sei "ab Samstag" aktiv und könne private Daten einsehen – eine Falschmeldung, wie Meta-Berichten zu entnehmen ist.

  • Über den Reiter "Erweiterter Datenschutz" könne man besagte KI blockieren, ebenfalls ein Trugschluss.

  • Kettenbriefe wie solche erreichen schnell unzählige Menschen und verbreiten statt Wahrheitsgehalt vor allem Angst und Panik.

In zahlreichen Gruppenchats des Messengerdienstes WhatsApp kursiert derzeit ein warnender Kettenbrief:

"Ab Samstag" (13. Juni) sei eine KI verfügbar, die Zugriff auf alle Chats habe, "Telefonnummern sehen und sogar persönliche Daten" abrufen könne. Teilnehmende sollten demnach "so schnell wie möglich" handeln. Nun ist klar: Die Nachricht ist reine Panikmache, ihr Inhalt falsch. Eine KI gibt es auf WhatsApp aber tatsächlich.

So sieht der Kettenbrief aus:

Quelle: privat

Bild: privat


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Nachrichten auf WhatsApp sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Konkret bedeutet das, dass "nur Nachrichten, in denen @Meta AI erwähnt wird oder die Personen mit Meta AI teilen, von Meta gelesen werden" könnten. Das ergeben Informationen des Technologiekonzerns Meta Platform über das WhatsApp-Hilfe-Center. Weiter heißt es deutlich: "Meta kann keine anderen Nachrichten in deinen persönlichen Chats lesen."

Auch in den News:

Was Fakt ist

Die in dem Kettenbrief kursierenden Behauptungen sind also falsch – und haben dennoch große Wirkung, wie eine beispielhafte Rechnung der Verbraucherzentrale verdeutlicht.

Wenn die ursprüngliche Nachricht an zehn Kontakte mit dem Aufruf, sie an weitere zehn Kontakte weiterzuleiten, geht, ergibt das mit 10 × 10 = 100 erreichte Kontakte. Schon nach nur fünf Schritten könne ein Kettenbrief in Chat-Messengern rund 100.000 Leser:innen erreichen. Die Verbraucherzentrale rät hier generell, die Falschnachrichten konsequent zu löschen, "auch die ungefährlichen – ohne sie weiterzuleiten".

Ziel dieses Kettenbriefs ist somit wohl vor allem: Panik schüren und Angst verbreiten. Denn die Wahrheit ist:

  • Auf WhatsApp ist die KI "Meta AI" in Deutschland schon seit Ende März 2025 verfügbar.

  • Sie kann weder Telefonnummern noch andere persönliche Informationen aus privaten Gesprächen einsehen.

  • Zugriff auf ganze Chats hat sie ebenfalls nicht: Sie kann nur explizit an sie weitergeleitete, einzelne Nachrichten verarbeiten oder solche, in denen sie mit dem Kommando "@Meta AI" dazugeholt wird.

  • Auch die "Lösung" der frei erfundenen KI-Übernahme, die Einstellung "Erweiterter Datenschutz", gibt es bereits seit vergangenem Jahr.


Stoppt der "erweiterte Datenschutz" die Meta-KI?

Die in dem Kettenbrief erwähnten "erweiterten Einstellungen" gibt es – sie haben aber nichts mit einer etwaigen KI zu tun, die zum Lesen privater Chats befähigt ist. Wenn die Einstellung für Einzel- oder Gruppenchats aktiviert ist, bedeutet das lediglich:

  • KI-Anfragen an Meta AI durch Teilnehmende im jeweiligen Chat sind deaktiviert (das hat aber nichts mit dem im Kettenbrief fälschlicherweise behaupteten globalen, aktiven KI-Zugriff zu tun – den gibt es nicht).

  • Jeweilige Chats in Gänze können nicht mehr, wie etwa zu Sicherungszwecken, exportiert werden.

  • Die Einstellung verhindert das automatische Speichern von Fotos und Videos aus dem Chat in der Galerie der einzelnen Nutzer:innen-Geräte.

Der "Erweiterte Datenschutz" kann also erschweren, dass Inhalte den jeweiligen Chat verlassen. Ganz verhindert werden kann das durch Kopien wie Screenshots aber nicht.

Im April 2025 hatte Meta die Sondereinstellung eingeführt. Etwa für Settings, in denen man nicht alle Gruppenmitglieder persönlich kennt, oder in denen es um sensible Themen geht. Nach "Netzpolitik.org" sei dies aber eher ein "halbherziger Ansatz von WhatsApp in Sachen Datenschutz und Privatsphäre". Der Messenger verschlüssele zwar mit der Ende-zu-Ende-Einstellung den Transportweg der Direktnachrichten, speichere aber aussagekräftige Metadaten.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Verbraucherzentrale: "Kettenbriefe – das sollten Sie beachten"

Netzpolitik.org: "Neue WhatsApp-Funktion liefert Scheinsicherheit"

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